Neumayer, G.: Nachtrag zur Geschichte der Pendelbeobachtungen. 449
Meter eine weitere Vergröfßserung etwa um 12 u, macht zusammen 20 &@ pro
1 yard und 22% pro 1m. (Vgl. z. B. »Die europäische Längengradmessung in
52° Breite«, 1. Heft, Seite 231 bis 240.). ....
Hiermit aber gelangt man also dazu, dafs nach Ellery 1864 Mafsstab
— 1m + 0,438 mm bei 52° Fahrenheit war, während die neueste Gleichung
Mafsstab — 1m + 0,443 mm giebt, so dafs der Stab um 5% zu kurz erscheint,
genau in Uebereinstimmung mit Chisholm 1870.“
Durch diese Feststellung wird die in dem früheren Aufsatze bezüglich der
Vergleichung Ellerys (1864) gemachte Bemerkung hinfällig, d. h. es erweist
sich jene erste Vergleichung als vollkommen zutreffend, wodurch eine voll-
ständige Uebereinstimmung erzielt wird. Es ergiebt sich sonach, wenn wir die
in dem Berichte von Stadthagen angenommene Gruppirung beibehalten und
die Vergleichung Ellerys als erste Gruppe hinzufügen, folgende Zusammenstellung:
Gruppe Länge vom Stab
P. L. bei + 58° Fahr.
1 1m + 438 u
2 + 447
3 und 5 + 459 4
+ 437 u
+437 u
+ 442 u
Mittel + 443,3
. Zieht man dagegen ohne Rücksicht auf die obige Gruppeneintheilung aus
sämmtlichen Vergleichungen einen Mittelwerth, so ergiebt sich 1000, 445, welcher
Werth den Pendelbeobachtungen zu Grunde gelegt wird und bei der oben ge-
gebenen Zusammenstellung angewendet wurde.
Was diesen Feststellungen aus jüngster Zeit einen besonderen Werth ver-
leiht, ist die Thatsache, dafs nun feststeht, dafß die Beobachtungen mit dem
Melbourner Pendelapparat, da derselbe auch unverändert und in ganz gleicher
Weise von Peters (dem Jüngeren) zu Bestimmungen in Königsberg und Berlin
benutzt worden ist, wie schon oben erklärt, nun direkt mit den Bestimmungen
von Bessel in Königsberg und Berlin verglichen werden können, d. h. das
Pendel, welches ich in Melbourne benutzte, kann auch dazu dienen, in relativer
Weise die Werthe für die beiden genannten Orte auf die Bestimmung in Melbourne
zu beziehen und so eine Bestimmung auf absolute Weise mit einer relativen zu
kombiniren. Nach Helmert stellt sich die Frage über die Pendellänge oder
die Größe der Schwerkraftskonstante für Melbourne, wie folgt:
L = 0,9929120m oder g = 9,79965 m
wie dies aus den vorhergehenden Erörterungen hervorgeht; dort wird auch die
relative Beziehung dieser Bestimmungen dargelegt.
In einer Veröffentlichung der „Royal Society of Victoria“*) wird meiner
Bestimmung des Werthes von g Erwähnung gethan, und zwar werden mit dieser
Bestimmung die schon oben von Helmert erwähnten österreichischen Bestimmungen
in Beziehung gebracht, Es heifst dort:
Lieutenant Elblein (Kais. und Königl. österreichische Marine) gab Herrn
Ellery die vorläufigen Resultate seines Halbsekundenpendels von unveränder-
licher Beschaffenheit in Melbourne und Sydney.
Die Periode einer Schwingung auf 0° C. reducirt und auf unendlich kleine
Bögen sowie auf den luftleeren Raum zurückgeführt, ergiebt sich aus drei Halb-
sekundenpendeln .
in Melbourne (86,5' über dem Meeresniveau 26,36 m) zu 0,50661208
in Sydney (140' über dem Niveau der See 42,67 m) zu 0.50639208
Und ‚nimmt man den Werth für Wien nach Professor Oppolzer für g
— 9,80866 m, wie derselbe durch das Reversionspendel im Jahre 1884 bestimmt
worden war, so lassen sich daraus die folgenden nicht auf das Meeresniveau zu-
rückgeführten Werthe ableiten:
Melbourne. ‚ . . . g = 980014 m
Sydney. 2... . . g=9379702m
s ) „Proceedings of the Royal Society of Victoria“, Vol. VI (New series), issued January 1894,
eite 175.
Ann. d. Hvdr. ete.. 1900. Heft IX.