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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Neumayer, G.; Nachtrag zur Geschichte der Pendelbeobachtungen. 447 
Lohmeier Wiener System Differenz 
— 14 +46 +60 
— 49 +43 +92 
+ +38 +52 
Mittel 4-68 
Vermehrt man alle g oben um -+0,00068, so wird die Störung für 
Melbourne gleich + 84. Dagegen geben die österreich - ungarischen Marine- 
messungen + 65 und +59, also im Mittel -+ 62. Mithin ist Melbourne relativ 
vielleicht etwas zu grofs, was ja auch damit stimmt, dafs die Normal-Aichungs- 
Kommission annimmt, der Mafsstab sei seit 1864 um einige Hundertstel Milli- 
meter länger geworden (durch Biegung wohl). 
Absolut genommen ist aber Melbourne mit g == 9,79965 m etwas (etwa 46) 
zu klein, denn die Störung ist damit + 0,00016 gegen -} 62 der beiden öster- 
reich-ungarischen Bestimmungen. Inwieweit diese richtig sind, trotz ihrer Ueber- 
einstimmung, ist schwer zu sagen. Aber die beiden betreffenden Beobachter ver- 
dienen doch Vertrauen. Auch sind‘ ja absolute Bestimmungen mit einem Pendel 
meist zu klein! 
NB. Da das Wiener System etwa 0,00031 mehr giebt als Bessel in 
Berlin, so erscheint absolut Ihre Melbourner Bestimmung gegen Bessel, Berlin, 
nur um 0,00015 m zu klein. Wie man es auch ansieht, kann ich nur rathen, 
Ihre Melbourner Beobachtungen zu publiciren, natürlich einschließlich des 
Dokumentes der Mafsvergleichungen.“!) 
Zur Erklärung des Vorstehenden ist zu bemerken, dafs Professor 
C.F. W. Peters (der Jüngere) mit dem gleichen Pendel, Mafsstab und Komparator 
eingeschlossen, mit dem ich die Beobachtungen in Melbourne machte, Bestimmungen 
der Pendellänge in Berlin und Königsberg, wo, wie bekannt, Bessel beobachtete, 
ausführte. Wenn sonach erwiesen werden könnte, dafs das Verfahren bei der 
Messung der Pendellänge und des Mafsstabes, welches Peters einschlug, genau 
dasselbe war wie jenes von mir befolgte, so können die Bestimmungen im 
Relativ-Verfahren aufeinander zurückgeführt werden. Darauf beziehen sich die 
in dem Briefe von Helmert an mich gerichteten Fragen, welche ich in folgender 
Weise beantwortete: 
Das Messen der Pendellänge und die Vergleichung derselben mit dem Mafsstab. 
Der Komparator, welcher zum Messen der Pendellänge und zum Ver- 
gleichen derselben mit dem Mafsstab benutzt wurde, war auf einem gemauerten 
Pfeiler befestigt in‘der gleichen Höhe mit der Säule, an welcher das Pendel 
schwang, und etwa 2 Fuls 6%4 Zoll davon entfernt, Auf diese Weise konnte 
sowohl der Transport des Pendels zum Komparator wie auch die‘ Vergleichung 
mit dem Mafsstabe in kürzester Frist ausgeführt werden. Temperaturdifferenzen 
zwischen beiden Aufstellungen waren bei dieser Anordnung der Aufstellung so 
gut wie ausgeschlossen. Die Vergleichungen zwischen Mafsstab und Pendel wurden 
stets so ausgeführt, dafs vor dem Beginne einer Beobachtungsserie ein Vergleich 
der Pendellänge mit dem Mafsstabe unter genauer Angabe der Temperatur am 
Pendel und am Mafsstab in der Weise ausgeführt wurde, dafs zunächst der Mafs- 
stab unter dem Mikrometer des Komparators eingestellt wurde; sodann wurde 
das Pendel unter die Mikroskope gebracht an derselben Stelle, wo der Malsstab 
vorher war, und die mikrometrischen Differenzen genauestens gemessen. Sobald 
das Pendel wieder in seine für die Schwingungen geeignete Stellung gebracht 
worden war, wurde mit diesen begonnen. Nach Beendigung einer Serie wurde 
zunächst wieder der Mafsstab unter den Mikrometern eingestellt, sodann entfernt, 
das Pendel an seine Stelle gebracht und mit aller Sorgfalt die Entfernung der 
Messerschneiden gemessen. Nachdem dies geschehen und das Pendel entfernt 
war, wurde -die Einstellung des Mafsstabes, der nun wieder unter den Mikro- 
metern war, verificirt, Jede Messung der Entfernung der Messerschneiden an 
verschiedenen Stellen (vier an der Zahl), zu Anfang und zu Ende, wurde auf 
diese Weise zwischen zwei Mafsstabeinstellungen durchgeführt. Es bedarf wohl 
1) Es besteht auch die Absicht, nunmehr, da die Unsicherheiten in den Mafsvergleichungen 
aufgeklärt sind, meine Pendelbeobachtungen in extenso in einer Abhandlung, voraussichtlich in der 
Königlichen Akademie der Wissenschaften in München, demnächst zu publiciren.
	        
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