146 Annalen der HAydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1900,
örterungen gipfelte in der grofsen Unsicherheit, welche sich in vergangenen
Zeiten den Mafsvergleichungen und damit der Ableitung der Pendellängen für
gegebene geographische Positionen entgegenstellte. Das in jenem Aufsatze an-
geführte Schlufsresultat war insofern nicht ganz befriedigend, als eine der Mafs-
vergleichungen, welche nicht in Uebereinstimmung mit den übrigen gebracht
werden konnte, von der Diskussion ausgeschlossen werden mufste, Lag darin
an und für sich etwas Unbefriedigendes, so mufste, da eine Uebereinstimmung
nicht zu erzielen war, unerachtet mehrfacher Wiederholungen der Diskussion der
Vergleichungen, Zweifel in die Zuverlässigkeit der Vergleichungen überhaupt
erwecken. Als ich am 16. Oktober v.J. vor dem naturwissenschaftlichen Verein
der Pfalz „Pollichia“ einen Vortrag: „Die Bedeutung der Pendelbeobachtungen
zu Schweremessungen in der Gegenwart“ hielt, konnte ich eine Aufklärung über
die berührten Differenzen in den Mafsvergleichungen noch nicht geben, und es
bestand somit der Zustand des Unbefriedigtseins über das Endergebnifs von
Beobachtungen, über deren Zuverlässigkeit ich keinen Augenblick einen Zweifel
haben konnte, fort.!) Es handelte sich noch immer um die Frage, wie sich die
abweichende Mafßsvergleichung, welche 1864 in Melbourne ausgeführt worden war,
aufklären liefs und in Einklang mit den übrigen gebracht werden konnte. Durch-
drungen von der Korrektheit der angewendeten Methode und überzeugt, dafs es
sich bei der vorhandenen Differenz nur um eine Verschiedenheit der den Mafs-
vergleichungen zu Grunde liegenden Konstanten handelte, bat ich Herrn Geheim-
rath Dr. Helmert, das gesammte Material durchsehen und mir gütigst seine
Ansicht bezüglich der Reellität der beregten Differenzen geben zu wollen. Herr
Geheimrath Helmert unterzog sich der an und für sich nicht dankbaren Arbeit
mit der gröfsten Liebenswürdigkeit und hatte die Güte, mir unter dem 20. März des
Jahres 1899 das Ergebnifs seiner Prüfung mitzutheilen. In dem diesbezüglichen
Schreiben äufsert sich der Direktor des Centralbureaus der internationalen Erd-
messung, wie folgt:
„...« Ihre geschätzte Zusendung vom 16. d. M. habe ich erhalten und
danke bestens; heute beehre ich mich die Dokumente und Amplituden ®)-Zusammen-
stellung zurückzureichen, Ich darf vielleicht noch um kurze Beantwortung
folgender Fragen bitten:
1. Peters hing den Mafsstab im Komparator in seiner Mitte auf, um die
Veränderung durch Druck oder Zug zu vermeiden. War das in Melbourne auch
so? Wozu dienten die zwei Schraubenlöcher im Mafsstab? Peters spricht von
diesen nicht, aber die Normal-Aichungs-Kommission meint, der Mafsstab sei da-
mit bei den Vergleichungen befestigt gewesen, was ich kaum glaube. Vielleicht
wurde er beim Transport dort angeschraubt. Bei den Vergleichungen sollte
Peters aber doch so wie in Melbourne verfahren sein,
2. Wie dick war der Mafsstab?
3. Ellery verglich nur 914 mm Ihres Mafsstabes; kann da nicht ein
Theilungsfehler untergelaufen sein?
Ich beehre mich noch Folgendes zu bemerken. Reducirt man alle L auf
die letzte Mafsstabvergleichung, so folgt:
Melbourne . . . 0,9929120 m g = 9,79965 m
Altona . . . . ., 0,9943043 m g = 9,81339 m
Berlin. . . . , 0,9941754 m g = 9,81212 m
Königsberg 0,9944077 m & =— 9,81441m
Damit werden gegen meine Formel die Störungen bezw. in A, B und K
gleich — 14, — 49 und — 14 in Einheiten der 5. Stelle. Nach Sterneck sind
sie in Hamburg und Berlin + 46 und -} 43; schliefst man ferner Königsberg
mittelst der Fadenpendelmessungen von Bessel und Peters an Sternecks
Werth für Berlin an, so folgt die Störung in Königsberg gleich -+ 38. KEs stehen
sich also gegenüber:
') Zur Zeit der Drucklegung dieses Vortrages in den Verhandlungen der „Pollichia“ war
es mir möglich, die unterdessen definitiv ermittelten Mafsstab-Korrektionen anzuwenden, so dafs die
in den Verhandlungen gegebenen Werthe die richtigen sind.
2?) Ich hatte die bei den Beobachtungen vorgekommenen Amplituden der Schwingungen des
Pendels mitgetheilt, um die Ergebnisse event. mit Rücksicht auf die Schwingungsweiten zu diskutiren,
am zu ermitteln, ob bei gröfseren Schwingungsweiten das Gleiten der Messerschneiden auf den
Achatblättchen nachzuweisen sel.