Messerschmitt: Ueber die Hualophänomene.
genommen werden als ohne sie; jedoch sind nicht alle Augen gleich empfindlich
für solche feinen Farbenwahrnehmungen, ;
Sobald die Kreise deutlicher werden und namentlich wenn sie Vollkreise
sind, werden sie beim Mond allgemein gesehen, bei der Sonne aber gewöhnlich
erst bemerkt, wenn ınan darauf aufmerksam gemacht wird. Nur ganz prachtvolle
Erscheinungen, wobei die Farben (auch zuweilen beim Mond sichtbar) deutlich
sind, womöglich noch Nebensonnen u. dergl. auftreten, werden allgemeiner ge-
sehen. Bei der Sonne können die Farben so deutlich wie beim Regenbogen
werden. So sah ich am 31. Mai 1894 abends 6 Uhr in Zürich eine Nebensonne
von 1° Höhe und 3° Breite, deren Mitte 22° von der Sonne abstand, bei
welcher roth, gelb und grün ganz hell zu sehen waren, während nur noch ein
Theil des parhelischen Ringes am schwach blauen Ende in weifser Farbe bemerkt
wurde, Innerhalb des Roth, welches ziemlich scharf abgegrenzt war, lag ein
grauer Schleier bis zur Sonne. Alto Cumuli und Alto Stratus, welche sich gleich-
zeitig am Himmel befanden, verhinderten, den Ring selbst zu sehen, Die Sonne
stand hierbei 2%° über dem scheinbaren Horizont (Uetliberg), in gleicher Höhe
damit die Nebensonne. Nach 10 Minuten war die Erscheinung verschwunden.
Besonders schöne Erscheinungen mit Messungen sind aufser den älteren
Angaben von Hevel und Anderen in neuerer Zeit mitgetheilt in: „Mededeelingen
uit de Journalen betreffen de bijzondere Meteorologische Verschijnselen in som-
mige gedeelten van den Ocean“, Utrecht 1896, ferner in verschiedenen Bänden
der meteorologischen Zeitschriften, bei den Nordpolforschern, namentlich Norden-
skiöld u. &. vw.
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Da bis jetzt nur wenig Material vorliegt, schien es angemessen zu sein,
einen Theil der betreffenden Beobachtungen, welche sich in den regelmälsig ge-
führten meteorologischen Tagebüchern der Seeleute befinden, zusammenzustellen.
Es wurden hierzu die Beobachtungen gewählt, welche im Atlantischen Ozean
angestellt sind, und zwar für die äquatorialen Gegenden die sogenannten eng-
lischen Quadrate!) und für die mittleren Breiten die deutschen Publikationen”)
bezw. Abschriften, welche sich auf der Seewarte befinden. Es sind dies fünf
Quadrate zwischen 20° und 30° N-Br und 20° und 70° W-Lg, sieben Quadrate
zwischen 30° und 40° N-Br und 10° und 80° W-Lg und endlich sechs Quadrate
zwischen 40° und 50° N-Br und 10° und 70° W-Lg.
Die englischen Beobachtungen stammen meist aus den Jahren 1855
bis 1871. Leider fehlen für das Quadrat 3, welches sich von 0° bis 10° N-Br
und von 20° bis 30° W-Lg erstreckt, bei den Angaben der Halos die Jahres-
zahlen, so dafs sie nur für die Vertheilung nach Monaten benutzt werden können.
Die deutschen Quadrate geben Beobachtungen aus den Jahren 1868 bis 1893,
wobei allerdings von 1885 an nur vereinzelte Angaben bis jetzt ausgezogen sind,
so dafs sie nur bis zum letzteren Jahre benutzt werden können. Beide Reihen
umfassen daher nahe gleich viel Jahre.
In den Journalen kommt meist die Bezeichnung „Hof“ vor, öfter jedoch
ist genauer „grofser Hof“ oder „Ring“ angegeben, oder es folgt dies aus der
näheren Beschreibung; einige Male sind auch „kleine Höfe“ notirt. Es darf
wohl angenommen werden, dafs, mit wenigen Ausnahmen, „Ringe“ gemeint sind.
Die folgende Zusammenstellung giebt zunächst einen Ueberblick über die
Anzahl der gesehenen Halos, wobei die Nebensonnen einfach als Ringe mit-
gezählt sind.
Zwischen — 10° und 0° Breite wurden gezählt
0° + +10°
+10° » + 20° 5 » »
H20° „ +30° » »
+30° „ +40° , » »
L40° 89° . ©
3 Sounenringe
1) „Remarks to accompany the Monthly Charts of Met. Data for the nine 10° squares of
the Atlantic which lie between 20° N. and 10° S. Lat., and extend from 10° to 40° W. Long“,
London 1876, und „Rematks to accompany the Monthly Charts of Meteorol. Data for Square 3;
extending from the Equator to 10° N. Lat., and from 20° to 30° W. Long.“ London 1874.
2) „Resultate meteorologischer Beobachtungen von deutschen und holländischen Schiffen für
Eingradfelder des Nordatlantischen Ozeans.“ Herausgegeben von der Direktion der Deutschen Sec-
warte in Hamburg.
Ann. d. Hydr. ete., 1900. Heft I.