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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1900.
Ueber die Halophänomene.
Von Dr. J. B. Messerschmitt,
Zu den interessantesten Erscheinungen der meteorologischen Optik gehören
die Halophänomene. Trotzdem sie Jedermann bekannt und auch ziemlich häufig
wahrzunehmen sind, so werden sie, ebenso wie die Wolken, meist doch nur
nebenbei und selten eingehend verfolgt, so dafs bis jetzt nur wenig Material
vorliegt, welches erlaubt, weitere Untersuchungen vorzunehmen. Diese Vernach-
lässigung rührt zum grofsen Theil von der Einführung der registrirenden Appa-
vate für verschiedene meteorologische Elemente her, weshalb nur noch an wenigen
Orten, besonders in Japan, regelmäfsig stündliche direkte Beobachtungen gemacht
werden. Es ist daher von grofsem Vortheil, dafs auf See immer zahlreiche und
vegelmäfsige Beobachtungen aller wichtigen meteorologischen Vorgänge angestellt
werden, welche, wenn sie sich auch nicht auf den gleichen Ort beziehen, bei
vielen Untersuchungen mit Erfolg benutzt werden können, da sie sich doch stets
auf nahe gleiche Verhältnisse gründen.
In der vorliegenden Abhandlung soll nun ein kleiner Beitrag zu den
Haloerscheinungen gegeben werden. Man unterscheidet bekanntlich hierbei
zwei Arten:
1. die „kleinen Höfe“, welche man besser mit dem Namen „Lichtkränze“
bezeichnet, und
2, die „grofsen Höfe“ oder „Ringe“ mit ihren Nebenerscheinungen.
Bei den „Lichtkränzen“ sind. die Gestirne (es kommen außer bei Sonne
und Mond solche auch manchmal bei den helleren Sternen vor) in unmittelbarer
Umgebung bis auf Entfernungen von 1° bis 6° von mehr oder minder deutlichen
farbigen Säumen umgeben. Als Beispiel möge eine besonders schöne Erschei-
nung am Mond angeführt werden, welche am 19. Oktober 1899 abends in Ham-
durg bei fast ganz klarem Himmel gesehen wurde, wobei der Mond von zwei
larbigen, konzentrischen kreisförmigen Ringen mit den inneren Radien von etwa
'/2° und 2° umgeben war. Die Fläche innerhalb des kleinen Ringes bis zum
Mond war gelblich weils. Der kleine Ring selbst war innen roth und aufsen
blau und etwa 10‘ breit. Dann kam ein etwa 1!/2° breiter Streifen von fast
stahlblauer Farbe, der wieder von einem 10’ breiten, nach aufsen rothen Ringe
oegrenzt war. Die Zwischenfarben des Spektrums konnte man ebenfalls unter-
scheiden.
Die Lichtkränze entstehen durch die Beugung des Lichtes durch Wasser-
bläschen, sind also eine Diffraktionserscheinung.
Wichtiger als die kleinen Höfe (Lichtkränze) sind die Ringe von 22°
Radius, welche allein oder mit anderen Nebenerscheinungen, wie grofsen Ringen
von 46° und 90° Radius, Nebensonnen bezw. Monden, Parhelischen Ringen,
Vertikalsäulen, Berührungsbögen u. dergl. auftreten. Sie zeigen gewöhnlich
ımnehr oder minder deutlich die Spektralfarbe und zwar innen roth und aufsen
blau. Ihre Entstehung ist durch Fraunhofer,!) Galle,’) Bravais,°) Clausius*)
and Andere auf die Brechung des Lichtes in Kiskrystallen, welche in den oberen
Luftschichten (als Cirruswolken) schweben, zurückgeführt worden. Wir werden
uns hier nur mit diesen großen Höfen bezw. Ringen beschäftigen.
Man kann dreierlei Stufen bei den Ringen unterscheiden, schwache, deut-
lich wahrnehmbare und prachtvolle Phänomene. Die schwachen Ringe sind meist
kurz andauernd und treten noch dazu häufig nur als Kreissegmente auf. Sie
werden bei dem Mond meist als zu unbedeutend gar nicht beachtet und bei der
Sonne wohl nur von Personen gesehen, welche sich speciell mit der Verfolgung
der Halos abgeben und daher schon einige Uebung haben. Es hat sich über-
haupt gezeigt, daß mit zunehmender Uebung bedeutend mehr Halos wahr-
) Fraunhofer, J.: „Thevrie der Höfe, Nebensonnen und verwandter Phänomene.“
Astron. Abhandlungen von Schumacher, 3. Heft. Altona 1825. Seite 33 bis 92.
Z Galle, G.: „Ueber Höfe und Nebensonnen.“ Poggendorfs Annalen, Bd. 40. 1840,
8) Bravais: „Sur les halos et les phenumenes qui les accompagnent.“ Journ. de l’Ecole
polyt., Tome 18. Paris 1847,
4) Clausius, R.: „Die Lichterscheinungen der Atmosphäre.“ Beiträge zur met. Optik,
herausgegehen von Grunert. Leipzig 1850,