Schott, G.: Die Strömungen zwischen Singapore und Taku., 433
Wassertemperatur in unsichtigem Wetter .in der Formosa - Strafse eine Warnung
sein muß und eine bedenkliche Annäherung an die chinesische Küste bedeutet.
Was nun Einzelheiten betrifft, so gelangt bereits im September der
Nordostmonsun schnell zum Uebergewicht über den Südwestmonsun; 56°o aller
Winde kommen auf NO im September in der Formosa-Strafse, dementsprechend
sind hier 42% aller Versetzungen schon nach SW gerichtet. Der Gegensatz der
Stromverhältnisse zwischen August und September ist also ein besonders grofser
und kommt schnell zur Entwickelung, sogleich mit dem Wechsel des Monsuns;
ja noch weit ab von der chinesischen Küste, auf 29'/2° N-Br, 124'/2° O-Lg, sind
in diesem Monat schon sehr starke Südwestversetzungen (die also zum Küsten-
strom gehören) von über 30 Sm pro Etmal gemeldet.
Im Oktober und November werden die stärksten Versetzungen im
kalten Küstenstrome meist für die Strecke zwischen Futschou und Tschusan-Inseln
gemeldet (oft 40 Sm pro Etmal und darüber), während in der eigentlichen
Formosa - Strafse (Futschou — Swatau) in diesen zwei Monaten merkwürdig oft
noch Stromstillen beobachtet werden und erst südlich von Swatau wieder die
Versetzungen entlang der Küste nach WSW häufig werden.
Bei schwerem Monsun wurde 8. M. Knbt.-„Iltis“ Ende Oktober 1892 selbst
dicht unter Land auf der ganzen Reise Hongkong — Amoy — Tschusan- Archipel
durchschnittlich um 2 bis 2,5 Sm nach SSW mw. zurückversetzt. ') a
. Für den Golf von Pe-tschi-li wird einige Male ein mäfsiger Südstrom auf
der Höhe von Tschifu gemeldet, sowie einmal (November) eine Versetzung von
über 20 Sm nach NW in der Mitte des Golfes, etwa in 38° bis 39° N-Br, 119°
bis 120° O-Lg.
Im Dezember und Januar erreicht die Küstenströmung meist ihren
Höhepunkt; in der Nähe des Tschusan-Archipels hat man zeitweise bis zu 8 (I) Sm
Triftstrom pro Stunde nach Süden konstatirt und über 50 Sm pro Etmal öfters
auf der ganzen Strecke bis Hongkong. Dagegen sind im Gelben Meere auch,
jetzt die Versetzungen meist nicht grofse, doch ziemlich regelmäfsig dem in
unserer Karte gegebenen Bilde entsprechend, Das wärmste Wasser im Gelben
Meere findet man im Winter regelmäfsig in der Mitte zwischen der chinesischen
und der koreanischen Küste. Will man, südwärts bestimmt, mitlaufenden Strom,
so wird man die chinesische Seite halten, ist aber der Kurs nördlich zum Golf
vou Pe-tschi-li, so wird man gut thun, 30° N-Br nicht westlicher als auf 125° O-Lg
und 35° N-Br nicht westlicher als auf 128'/2° O-Lg zu schneiden; man bleibt
dann in dem relativ wärmsten Wasser und hat Aussicht, günstigen Strom zu
haben, sind doch hier (z. B. im Februar 1874) schon Versetzungen bis zu 40 Sm
nach NW konstatirt. .
Welchen Gegenstrom man andererseits bei Nordkurs auf der China-Seite im
Gelben Meere haben kann, davon möge folgende Beobachtungsreihe Zeugnifs geben:
Vollschiff „Ida“, von Swatau nach Tschifu, Februar 1883
Datum
Februar }“ |
DB
Breite
32° 41
33° 12
35° 26'
36° 10°
260° 31:
Länge
125° 7
123° 54
122° 27
122° 54
123° 11°
Versetzung nach
Süd 41 Sm
S45°W 10
S28°W 4 ,
S E6°W 11,”
In Stunden
As
4°
76)
III. Die Segelanweisungen,
die sich aus der vorstehenden Beschreibung ergeben, sind unschwer abzuleiten;
wir beschränken uns natürlich nur auf einige Rathschläge für Dampferreisen,
1. Für die Zeit des Südwestmonsuns kommen selbst bei Dampfern von
geringer Maschinenkraft die Stromverhältnisse im Grofsen und Ganzen wenig in
4) „Ann. qd. Hydr. etc.“, 1893, Seite 114.
Ann, d. Hydr. ete., 19C0, Heft IX.