accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Schott, G.: Die Strömungen zwischen Singapore and Taku. 
431 
hervorhebt; Südwestversetzungen. wechselten regellos mit Nordostversetzungen 
ab, eine Stromgrenze gegen die linke Kante des Kuro-siwo war nicht bemerkbar. 
Für Mai und die folgenden Monate Juni, Juli und August kommen aber 
die Nordostversetzungen, welche im Gelben Meere zu Nord-, ja Nordwestver- 
setzungen (letzteres zumal auf der östlichen Hälfte dieses Meeres) werden, mehr 
und mehr zum Durchbruch. In der Formosa-Strafse sind im Juni 64, im Juli 75 
ünd im August 54%, aller Versetzungen nach NO gerichtet. Am konstantesten 
— soweit davon im Sommer die Rede sein kann‘ — ist in der Nähe von den 
Goto-Inseln und bei Quelpart ein (auch im Nordostmonsun vorhandener) Nord- 
bis Nordweststrom, und auf der Schantung-Kiautschou-Seite sind Südsüdwest- bis 
Südwestversetzungen‘ häufig, die sogar im August, zur Zeit des Südostmonsuns; 
zeitweilig mit über 30 Sm Geschwindigkeit pro 24 Stunden. auf der Höhe des 
Südost-Vorgebirges von Schantung aufgetreten sind. Der Segler „Minerva“ wurde 
am 4. und 5. August 1884 zwischen 34° 9 N-Br, 122° 15’ 0-Lg und 33° 18’ N-Br, 
122° 11’ O-Lg. nach S14°W 54 Sm im Etmal versetzt; also in der Nähe der 
grofsen Yang-tsze-Bänke noch die Richtung des von Schantung kommenden Stromes; 
freilich dürfte dieser Fall im Sommer eine grofse Ausnahme bilden. ; 
| Was sonst von der Mitte des Gelben Meeres gemeldet wird, sind bald 
lediglich schwache Triften nach Norden vor‘ dem südlichen Monsun, bald: — und 
zwar -besonders oft im Mai und Juni — schwache Versetzungen nach Süden, 
vielleicht Fortsetzungen des: eben genannten Schantung-Stromes. Denkt man sich 
endlich eine Linie quer über den südlichsten. Theil des Gelben Meeres, wie z. B. 
auf den Reisen zwischen Schanghai und Nagasaki, gezogen, so kann man meist 
auch im Sommer das schmutzig gelbe Wasser der chinesischen Gewässer gut 
unterscheiden von dem tiefblauen Wasser des Kuro-siwo und seines nördlichen 
Ausläufers; man hat auf der chinesischen Seite fast keine Versetzung, nach der 
japanischen Seite zu nördliche Versetzung. 5. M. Kanonenboot „Albatrofs“ 
notirte auf einer solchen Ueberfahrt in Ostrichtung im Juni 1878: 
Von Schanghai bis 31° 12‘ N-Br, 121° 53‘ O-Lg: Wasserfarbe grünlich gelb } kein 
Von da bis 31° 26' N-Br, 124° 18‘ O-Lg: Wasserfarbe dunkelgrün Strom 
and endlich von 32° 0'’N-Br, 126° 30‘ O-Lg an -Wasserfarbe dunkelblau 
mit Versetzung nach N56°0 12 Sm, im Juli für dieselbe östlichste Strecke Ver- 
setzung nach N12°0 15 Sm. 
Im Golf von Pe-tschi-li kommen ozeanische Strömungen nicht in Frage. 
Eine vor Anker auf der Rhede von Taku. liegende Bark loggte jedoch vom 1. 
bis 20, Juni bei südlichen Winden einen ständigen sehr starken Strom von 3 bis 
4 Knoten in der Stunde nach N bis NNW, so daß man .also auch hier immerhin 
noch auf heftige Triften gefafst sein sollte. ; ; 
Im September bereits vollzieht sich für die nördlich von Hongkong gelegene 
Fahrtstrecke der Uebergang zum winterlichen Strombild, das auch für, die Schiff- 
fahrt von ungleich gröfserer Bedeutung ist als das des Sommers. 
2, Im Nordostmonsun. .. 
Wir schildern zuerst kurz den durchschnittlichen Zustand der Wasser- 
bewegungen in dieser Jahreszeit, um daran einige specielle Angaben und Bei- 
spiele für die einzelnen Monate anzufügen, 
Man mufs jetzt gut zwischen einer auf die offene See beschränkten 
warmen Strömung, die im Allgemeinen Nordost- bezw. Nordrichtung einhält, 
und der kalten chinesischen Küstenströmung, welche von Schantung ab der 
Küste parallel nach S und SW zieht, unterscheiden, Die ungefähre Lage der 
mittleren Grenze beider Wasserbewegungen ist auf unserer Karte durch die ge- 
wellte Linie angedeutet. . 
Die warme Strömung, hier bereits Kuro-siwo genannt, ist zwischen 
Formosa und Japan nicht von der Bedeutung für die Schiffahrt wie an den Süd- 
küsten der japanischen Inseln (van Diemen- Strafßse bis Yokohama), aber doch 
wichtig genug. Nahe der Ostküste von Formosa läuft das warme blaue Wasser 
meist mit erheblicher Schnelligkeit nach NNO bis NO gegen den Nordostmonsun 
an; ja auch an der Westküste Formosas findet man warmes Wasser fast bis 
(aber nicht ganz bis) Tamsui hinauf mitten im Winter, meist auch verbunden mit 
schwachen Nordversetzungen, so dafs wir sicher sind, daß ein schmaler warmer
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.