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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1900.
Tagen der Stromstille plötzlich wieder ein stärkerer Strom beobachtet wird,
sicher darauf rechnen, dafs der frische Wind bald nachkommt. Am unregel-
mäfsigsten sind die Strömungen in der Nähe der Untiefen, z. B. der Paracels,
der Pratas- und Scarborough - Untiefe. Hier beschreiben sie gewöhnlich einen
yanzen Kreislauf, so dafs auf den verschiedenen Seiten der Untiefen ganz ver-
schiedene Strömungen laufen, scheinbar immer auf die Untiefen zusetzend.
Ebenso ist der Strom innerhalb der Paracels, zwischen diesen und Hainan und
Macao sehr unregelmäfsig.
2, Im Nordostmonsun,
Im September hört die nordöstliche Strömung auf, worauf sich sehr bald
die entgegengesetzte des Nordostmonsuns fühlbar macht, da weiter nördlich dieser
Wind bereits in der letzten Hälfte des September einsetzt und die Wassermassen
in Bewegung bringt, Schon im Anfang Oktober findet man im nördlichen Theile
der China-See überall Südweststrom, der sich schnell nach Süden fortpflanzt und
im Dezember und Januar seine gröfßste Stärke erreicht. Von Norden kommend,
Aiefßt er durch den Formosa-Kanal in südwestlicher Richtung in die China - See
ein. Kin Theil der Wassermassen geht nach WSW längs der Südküste Chinas,
bei Hainan und westlich von den Paracels vorbei, erreicht schliefslich die Küste
von Cochinchina; der Hauptstrom aber behält die durch den Formosa-Kanal an-
genommene Südwestrichtung bei, fliefst in dieser durch das offene Meer östlich
von den Paracels und vereinigt sich bei Kap Varela wieder mit dem westlichen
Stromzweig. Diese ganze Südwestströmung nimmt, namentlich wenn im
Formosa-Kanal der Monsun sehr stark auftritt, eine bedeutende Schnellig-
keit an.
Bei Kap Padaran tritt eine nicht unwesentliche Veränderung ein. Die
von Norden und NO kommenden Wassermassen finden hier am festen Lande und
den davor liegenden Inseln einen Widerstand, der ihnen eine andere Richtung
und infolgedessen eine drehende Bewegung giebt. Der Hauptstrom wird durch
das Land zwischen Kap Varela und Padaran nach Süden abgelenkt, und bildet
zwischen Pulo Sapatu und den Palawan-Untiefen einen ziemlich vollständig aus-
geprägten Kreislauf, der einen Durchmesser von etwa 200 Sm hat und sich ent-
gegengesetzt der Drehung des Uhrzeigers bewegt. Südlich von Kap Varela und
bei Padaran erreicht der Strom seine gröfste Stärke, häufig bis zu 60 Sm den
Tag. Südlich von Pulo Sapatu nimmt die Stärke ab, und fliefst der Strom erst
nach SO, dann nach O und NO. An den Untiefen von der Vanguard-Bank bis
nach North Danger findet man in der Regel einen Strom, der mit %4 bis 2 Sm
die Stunde Geschwindigkeit nach ONO setzt.
Ein Theil des von NO kommenden Stromes fließt von Kap Padaran in
westsüdwestlicher Richtung längs der Küste und vereinigt sich südlich von Pulo
Condore und Kap Cambodia wieder mit dem Hauptstrom, der bis zur Linie ver-
folgt werden kann.
Innerhalb der Palawan - Untiefen, längs der Küste von Bovrneo, Palawan
and den Philippinen findet man fast während der ganzen Dauer des Nordost-
monsuns, namentlich aber in den ersten Monaten bis Januar, einen nach Osten
und Norden setzenden Strom vun '/2 bis 1'/4 Knoten, der jedoch durch lokale
Verhältnisse oft sehr beeinflufst wird,
So weit die Ausführungen von Kapt. Wagner, die wir nur in mehreren
Kleinigkeiten geändert haben,
Il. Hongkong— Taku.
Il. Im Südwestmonsun.
Wie in der südlichen China-See zwischen Singapore und Hongkong, so
sind auch nördlich von Hongkong bis Taku hin die Strömungen des Sommer-
monsuns vergleichsweise schwach, unregelmäßig in Richtung und Stärke und für
den Dampferverkehr an den weitaus meisten Stellen ohne erhebliche Bedeutung,
Der April ist der Uebergangsmonat im Frühjahr; um diese Zeit sind so-
wohl in der Formosa-Strafse wie im Gelben Meere meist keinerlei reguläre Be-
wegungen vorhanden, wie z. B. ein Bericht S. M. Kreuzer „Nautilus“ über eine
Fahrt von Hongkong über Futschou nach Nagasaki im April 1886 besonders