Schott, G.; Die Strömungen zwischen Singapore und Taku.,
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I. Singapore — Hongkong. .
Für dies Gebiet der südlichen China-See können wir uns darauf beschränken,
so gut wie wörtlich die mustergültigen Angaben des Kapt. Wagner, welche auch
durch die neueren Untersuchungen, besonders vermittelst der: Wassertemperaturen,
vollauf bestätigt worden sind, noch wieder zum Abdruck zu bringen, um so mehr,
als diese Veröffentlichung schon fast 25 Jahre zurückliegt und jetzt kaum irgendwo
an Bord vorhanden sein wird. .
1. Im Südwestmonsun.
Man findet eine allgemeine Strömung nach nordöstlicher Richtung, die
aber ebenso wie der sie erzeugende Wind nicht so regelmäfsig und beständig
ist, als der. durch den entgegengesetzten Monsun erzeugte Südweststrom. Im
offenen Meere ist während des Südwestmonsuns der nordöstliche Strom selten
stark, hört sogar bei längeren Windstillen mitunter ganz auf oder nimmt alle
möglichen: Richtungen an. Am stärksten. tritt er in. der Nähe der Küsten,
namentlich an den hervorspringenden Kaps, den verschiedenen Inselgruppen und
Untiefen hervor. .
Der nordöstliche Strom: zeigt sich zuerst, und zwar schon im Mai, im
südlichen Theile des Meeres zwischen Singapore und Pulo Condore, fliefst hier
beständig während des ganzen Monsuns und varlirt in Stärke zwischen %4 und
1!/2 Sm die Stunde. Von Süden kommend, nimmt er zunächst eine nordnordöst-
liche Richtung an, bis: er die Küsten von Cambodia und Cochinchina erreicht.
Von der Mündung des Saigon - Flusses an biegt er nach ONO um, hat anfangs
eine Geschwindigkeit von etwa 1 Sm die Stunde, nimmt dann aber schnell zu
und erreicht‘ bei Kap Padaran häufig eine Schnelligkeit von 2 bis 3 Sm die Stunde.
Infolge der drehenden Bewegung, welche die Wassermassen bei Ver-
änderung ihres. Laufes. von NNO. nach ONO auf der Höhe von Kap Padaran
angenommen haben, tritt hier eine Spaltung des Stromes ein. Der Hauptarm
setzt in östlicher Richtung seinen Weg in die offene See fort, wo er allmählich
wieder die Hauptrichtung nach NO annimmt, der nördliche Theil biegt dicht
bei Kap Padaran nach Norden ab, während der südliche Arm zwischen den
Inseln durch bei Pulo Sapatu nach OSO fließt, bis er die auf der östlichen Seite
des großen Fahrwassers liegenden Untiefen erreicht, an denen er sich nach SO
und Shin verläuft, und zwar so, dafs in dem Dreieck zwischen der Vanguard-
Bank, der Rifleman-Bank und den Nord-Natunas-Inseln sich im Südwestmonsun
gar kein Strom oder einer in südwestlicher Richtung vorfindet. ;
Nachdem der Strom seine gröfste Stärke bei Kap Padaran erreicht und
diesen Punkt passirt hat, nimmt die Geschwindigkeit bis zu 1 bis 1'/ Sm die
Stunde wieder ab.
Im Juni ist der nordöstliche Strom bereits über die ganze China-See aus-
gebreitet.. Der um Kap Padaran herumkommende Hauptarın. fliefst in nordöst-
licher Richtung an den Paracels vorbei nach dem Formosa-Kanal, wobei ein kleiner
Theil in den Golf von Tonkin abzweigt.
An der Ostseite des grofsen Fahrwassers, im Osten von der Macclesfield- und
Scarborough - Bank, fliefst das Wasser stets nach Osten oder. ONO ab, was
namentlich längs den Palawan - Untiefen von North Danger bis zur Vanguard-
Bank der Fall ist. Innerhalb der Untiefen zwischen diesen und der Küste von
Borneo fliefst der Strom sogar häufig nach SW, während im Allgemeinen wenig
Strom dort zu finden ist. ;
Wenn das eben Gesagte auch im Allgemeinen in Bezug auf den Strom im
Südwestmonsun als Regel gelten kann, so sind doch Ausnahmen hiervon nicht
gelten; überhaupt sind die Strömungen des Südwestmonsuns bei Weitem-nicht so
regelmäßig als die des entgegengesetzten Monsuns, weil deren Ursachen —. die
Winde — sehr unbeständig sind.
. Wie schon oben gesagt, hört der Strom im offenen Meere nach anhaltenden
Windstillen fast gänzlich-auf, kehrt dann aber oft mit verdoppelter Stärke zurück,
sobald der Südwestwind von Neuem anfängt durchzuholen,
- Häufig nimmt man dann die Wirkung des. auffrischenden Windes viel
früher wahr, als der Wind das Schiff erreicht: man kann aber, wenn nach mehreren