Die Mündung des Yangtse-Kiang
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gebräuchlichen Fahrwässers, das an der Ostseite der Gough - Insel entlang führt,
bildet. Wenn man auf Hochwasser warten mufs, ankere man nicht zu nahe an
der Barre; grofße Schiffe ankern (vgl. Seite 416) am besten unterhalb von
Wusung, um genügende Zeit und genügenden Platz zum Drehen zu behalten.
Bei starkem Fluthstrom könnte sonst ein Fahrzeug vor der Barre sein, ehe es
den richtigen Kurs hat. Kein Segelschiff darf versuchen, bei leichten Winden
und wenn starker Strom läuft, durch die Dschunken hindurch und über die
Barre zu laufen; man beachte, dafs sowohl der Fluth- wie der Ebbstrom noch
1! bis 2 Stunden nach Hoch- und Niedrigwasser laufen.
Um die innere Barre in der tiefsten Fahrrinne zu kreuzen, müssen
die beiden Richtungsbaken in Deckung gehalten werden, Kurs etwa O!4S;
Wassertiefe, .wie die Signale des Zollamtes angeben (vgl. Seite 420). Wenn
man die Barre passirt hat, halte man bis auf %4 Kblg. an das nördliche (rechte)
Ufer hinan und steuere ungefähr in diesem Abstande längs dieses Ufers. Nörd-
lich von der Gough-Insel verengt sich das Fahrwasser stark; hier muß man in
1 Kblg. Abstand vom Nordufer bleiben. Wenn man den Kao-.Tschiao- Wasserarm
passirt hat, vermehre man den Abstand vom östlichen Ufer auf etwa 2 Kblg.
Mitten zwischen der Huk Pheasant liegt am östlichen Ufer des Wusung die Black-
Huk; in der Nähe dieser Huk ankern gewöhnlich die Schiffe, die von Schanghai
kommen und den höchsten Wasserstand auf der inneren Barre abwarten wollen.
Oberhalb von Black-Huk läuft man längs des östlichen Ufers in mäfsigem Ab-
stande, bis die Häuser des Fremdenviertels in Schanghai vollständig in Sicht
sind und man die unteren Werften am Südufer des Flusses passirt hat; wenn
man nun nicht ankern will, um zunächst den Ebbstrom abzuwarten, halte man
mit W’/AN - Kurs nach dem nördlichen Ufer hinüber und steuere auf das Dock
zu, . das unterhalb der amerikanischen Kirche liegt; die Kirche ist an ihrem
viereckigen Thurm zu erkennen, Man halte sich dann dicht an der Nordseite
des Flusses, bis man in den Sutschau-Nebenflufs hineingehen kann. Sobald man
die Putung-Huk passirt hat, in deren Nähe man sehr auf das Ruder aufpassen
mufs, halte man sich in der Mitte des Flusses. Unterhalb von Schanghai ankern
stets viele Fischerboote in einer Linie quer über den Flufs, doch findet man
stets eine Durchfahrt zwischen ihnen. Von den auf dem unteren Theile der
Rhede verankerten Schiffen müssen die einlaufenden Schiffe im Allgemeinen
südlich bleiben.
Schiffe, die mit dem letzten Theile der Fluth flußaufwärts kommen,
ankern gewöhnlich zunächst unterhalb des Hafens und warten, bis der Ebbstrom
eingesetzt hat, d. h. bis 1%4 Stunden nach Hochwasser; der. Fluthstrom setzt
etwa 1 Stunde nach Niedrigwasser ein. Deshalb’ finden Dampfer oder Segel-
schiffe mit guter Briese, die die innere Barre bei Hochwasser oder bei steigender
Tide gekreuzt haben, noch starken Fluthstrom in der Nähe von Schanghai,
dessen Hafen oft so voll von Schiffen ist, dafs es unmöglich wäre, ohne Zusammen-
stofs hindurchzulaufen. Die Lootsen dürfen kein Schiff über die untere Grenze
des Ankerplatzes aufwärts bringen, ehe ihnen nicht vom Hafenmeister der Liege-
platz für das Schiff angewiesen worden ist. Durch die Verwendung von Schlepp-
dampfern wird die Gefahr des Zusammenstof/ses bedeutend vermindert.
Verordnung gegen Schiffszusammenstöflse auf dem Wusung-Flusse.
Alle Schiffe, die sich der Wusung-Barre nähern, müssen sehr sorgfältigen Aus-
guck halten. Diejenigen Schiffe, die die Tide gegen sich haben, müssen warten,
bis solche Schiffe, die mit der Tide gehen, zuerst die Barre passirt haben, Kin
Schiff, das einem anderen aufläuft, mufs seine Geschwindigkeit so mäfsigen, dafs
das vor ihm befindliche Schiff zuerst frei von der Barre wird. Der Ausguck
mufs für einlaufende Schiffe schon aufserhalb der Wusung-Spit-Tonne beginnen,
und für auslaufende Schiffe schon oberhalb von der Gough-Insel. Kapitäne und
Lootsen müssen beachten, dafs sie nicht versuchen dürfen, die Barre zu kreuzen,
wenn die Signale auf dem Zollamt in Wusung besagen, dafs auf der Barre
weniger Wasser ist, als der Tiefgang des Schiffes beträgt, es sei denn, dafs sie
vorher besondere Nachrichten, wie weiter unten angegeben, eingezogen haben.
Da die Blüthe des Seeverkehrs von Schanghai zu einem großen Theile
von der gewissenhaften Beachtung der beiden oben angegebenen Vorschriften
abhängt, so ist es unbedingt nöthig, dafs diese Vorschriften mit allen möglichen
Mitteln auch durchgeführt werden. Da zuweilen eine größere Tiefe, als signa-