116 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1900.
Barre bei Nacht abgiebt, wird beabsichtigt, die Leuchttonne auch nach Weg-
räumung des Wracks liegen zu lassen. Vermuthlich um dieselbe Tonne handelt
es sich in den „Nachrichten für Seefahrer“ von 1900, No. 957; danach soll das
frühere Fort-Leuchtfeuerboot bei dem Wusung-Leuchtthurm eingezogen und durch
eine rothe Versuchsleuchttonne, „Fort Buoy“ genannt, ersetzt worden sein. Diese
Tonne zeigt ein weißes festes Feuer von 2 Sm Sichtweite; da sie eine auto-
matische Versuchstonne ist, darf man sich nicht auf sie verlassen. Nachts wird
die Einfahrt über die äufsere Barre durch den weifsen Sektor des Wusung-
Leuchtfeuers bezeichnet; der grüne Sektor desselben Feuers bedeckt dann die
Bänke an der Nordwestseite und der rothe Sektor die Küstenbänke an
der Südostseite der Fahrrinne. (Näheres über dieses Leuchtfeuer vgl. „Leucht-
feuer-Verzeichnifs“, Heft VIII) Schiffe kreuzen die Barre, indem sie den vier-
eckigen Leuchtthurm ungefähr SWzW*%/4W halten. Man findet auf der äufseren
Barre in der tiefsten, etwas gekrümmten Fahrrinne nicht unter 5,5 m bei Spring-
tide - Niedrigwasser. S. M. S. „Kaiser“ passirte am 11. November 1896 die
Barre bei Niptide - Hochwasser und fand als geringste Tiefe 8,5 m; dieser für
Niptide bedeutende Wasserstand war dem herrschenden Ostwinde zuzuschreiben,
Kapt. W. Schmölder, Reichspostdampfer „Neckar“, fand im Oktober 1892 auf
der Aufsenbarre zwei Tage nach Vollmond sogar 8,8 m höchsten Wasserstand.
Ankerplatz auf der Rhede von Wusung. Die amtlichen Grenzen dieses
Ankerplatzes liegen bei dem Wusung - Leuchtthurm und der alten hohen
Barre-Marke, die am rechten Wusung-Ufer 1*/2 Sm östlich von der Zollsignal-
station (am linken Ufer) steht. Schiffe, die längere Zeit auf dem Ankerplatz
bleiben wollen, ankern am besten querab oder etwas oberhalb von der Zoll-
signalstation; das Zollhaus ist ein auffälliges weißes Gebäude, vor dem ein
Signalmast steht, an dem die Wasserstandssignale für die innere Barre gemacht
werden. Etwa 1!/4 Sm flufsabwärts vom Zollhaus liegt das Dorf Wusung, das
an einem gelben Tempel zu erkennen ist; an der Südseite des Dorfes liegt ein
schmaler, nach Sutschau führender Wasserarm. Vor dem Zollhaus erreicht der
Fluthstrom 4 bis 5 Sm Geschwindigkeit zur Zeit des Hochwassers; der Ebb-
atrom läuft am stärksten am anderen Flufsufer. Bei Springtide findet überhaupt
kein Stillwasser statt, bei Niptide zuweilen eine Stunde lang. Zu Anker liegende
Schiffe sollten stets einen zweiten Anker klar zum Fallen halten, da der Strom
bei Springtide sehr heftig einsetzt. S. M.S. „Kaiser“ ankerte im November 1896
in folgenden Peilungen: Die grofse Bake am Westufer des Wusung, welche
zur Einsteuerung in die Durchfahrt der inneren Wusung-Barre dient, in Eins mit
der Nordecke des Wusung-Hotels, und der Signalmast und die Nordecke des
Zollhauses in Eins. Das durch die obige Deckpeilung bezeichnete Tief von
etwa 200 m im Durchmesser und 11m Wasser bei Springtide-Niedrigwasser ist
der einzige Ankerplatz für Schiffe von 8 m Tiefgang. Er ist aus dem Grunde
nicht empfehlenswerth, weil der Strom dort nicht in Richtung des Flufsbettes
setzt, sondern dazu in einem von Stunde zu Stunde innerhalb der Tide wechselnden
Winkel. Infolge davon kommt das Schiff sehr leicht quer zum Strom, der zeit-
weise als Drehstrom auftritt. Da bei Springtide die Fluth ganz aufserordentlich
schnell und gleich mit 3 bis 4 Sm Fahrt einsetzt, so wird der Anker leicht
durch den Grund gezogen und das Schiff geräth ins Treiben. Nachdem dies ein-
mal eingetreten, lag S. M. S. „Kaiser“ stets mit aufgebänkten Feuern und
manövrirte beim Wechsel von Ebbe auf Fluth mit Ruder und Maschine, um ein
Querschlagen des Schiffes zu verhüten. Aufserdem mufste beim Einsetzen der
Fluth die Fluthkette gesteckt und beim Nachlassen der Fluthstärke wieder ein-
gehievt werden. Alle diese Umstände lassen für tiefgehende Schiffe zur Zeit der
Springtiden das Ankern im Wusung nicht sehr empfehlenswerth erscheinen.
Schiffe mit geringerem Tiefgange sollten jedenfalls diesen Ankerplatz meiden.
Nach Mittheilung des Kommandanten S. M. S, „Hansa“ dürfen Kriegs-
schiffe bei Wusung in der Regel nur auf der Aufsenrhede aufserhalb der äufseren
Barre ankern. Die Aufsuchung eines Ankerplatzes im Wusung-Flufs südlich
vom Leuchtthurm ist nur in Ausnahmefällen erlaubt. An der Stelle, wo sonst
die Kriegsschiffe ankerten, sind für die Postdampfer sechs Festmachetonnen
ausgelegt worden,
Auf dem unteren Ankerplatz zwischen Wusung und dem Wusung-Leucht-
thurme können sich etwa vier gröfsere Dampfer von 7 m Tiefgang und 135 m