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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1900 
Mündung im April 1880: „Von dem Lootsen wurde es, namentlich für ein 
grofses Schiff, als durchaus gefahrlos bezeichnet, bei jedem Wetter zwischen 
Amberst-Klippen, Saddle-Inseln und Gutzlaff in passender Tiefe, etwa 14 bis 20 m, 
zu ankern. Trotz dieser Angaben dürfte es aber immerhin empfehlenswerth sein, 
bei starken nördlichen Winden einen Ankerplatz im Schutze der zahlreichen 
Inseln im Westen der Saddle-Inseln zu suchen, wie es S. M.S. „Prinz Adalbert“ 
mit Erfolg unter Elliot-Insel that.“ 
Gezeiten in der Südeinfahrt zum Yangtse-Kiang. In der Umgebung 
der Gutzlaff-Insel ist die Hafenzeit 11* 30”, die Springfluthhöhe beträgt etwa 
4,6 m; die höchste Tide findet am zweiten Tage nach Voll- und Neumond statt. 
Beim Tungscha-Feuerschiff beträgt die Hafenzeit 11* 36”, die Fluthhöhe beträgt 
bei Springtide 4,3m (die gröfste beobachtete Springfluthhöhe betrug 4,9 m), bei 
Niptide 3,3 m; der Nipfluthhub beträgt 2,4 m (der geringste beobachtete Unter- 
schied zwischen Hoch- und Niedrigwasser betrug 1,8 m). Vor der Einfahrt in 
den Wusung-Flufß ist die Hafenzeit 0* 40”, die Springfluthhöhe beträgt 3,7 bis 
4,6 m, die Nipfluthhöhe 2,4 bis 3,0 m und der Nipfluthhub 1,2 bis 1,5 m. Zu 
Schanghai ist die Hafenzeit 1* 30”, die Springfluthhöhe beträgt 3,0 m, die Nip- 
fluthhöhe 2,1 m und der Nipfluthhub 1,2 m. 
Die Gezeitenströme in der Yangtse-Mündung sind einer Drehung im Sinne 
der Zeiger einer Uhr unterworfen. Die Stromstärke wechselt je nach dem Mond- 
alter zwischen einer und 4 Sm in der Stunde. In der Gegend zwischen der Insel 
Gutzlaff und der Insel Schaiweischan dreht die Richtung der Gezeitenströme 
innerhalb 12 Stunden einmal durch alle Kompafsstriche hindurch. Südlich von 
der Insel Gutzlaff drehen sich die Ströme ebenfalls, aber weniger regelmäßig als 
in der Umgegend der Amherst-Klippen. In der Nähe der Ariadne-Klippen ändert 
sich die Stromrichtung stündlich etwa 2 Strich, nur kurz nach Hochwasser findet 
der Uebergang von NW auf NO schneller statt, und ebenso der Uebergang von 
SO auf SW kurz nach Niedrigwasser. Der Fluthstrom beginnt in südlicher 
Richtung und dreht dann nach W, der Ehbstrom beginnt in nördlicher Richtung 
und dreht dann nach O. Als gröfste Gefahr bei der Schiffahrt vor der Yangtse- 
Mündung wurde schon früher von den Seefahrern die Stromversetzung nach der 
Südbank der Mündung hin bezeichnet; diese Stromversetzung findet in der letzten 
Stunde der Ebbe und in der ersten Stunde der Fluth statt, und zwar auch jetzt 
noch. Nach Berichten S. M. S. „Kaiser“ (vgl. Annalen 1897, Seite 98) sind die 
Stromverhältnisse im Mündungsgebiet des Yangtse-Kiang in den Seekarten durch- 
gehend nur für Springtide angegeben. Bei Niptide läuft die Ebbe westlicher. 
In dem Meerestheil zwischen der Bonham-Strafse und den Hobson-Iuseln trat 
dieser Unterschied besonders klar zu Tage. Bei der Reise nach Wusung zur 
Springtide boten die Angaben der Karte einen guten Anhalt, bei der Rückreise 
zur Niptide setzte jedoch bei Niedrigwasser an Stelle des zu erwartenden Süd- 
weststromes ein starker Südoststrom von 2 bis 3 Sm die Stunde. S. M. S. „Kaiser“ 
schreibt diesen Umstand dem Einfluß der Winde auf die Stromverhältnisse zu. 
Die in den Karten enthaltenen Angaben über die Drehströme im Mündungsgebiet 
sind daher nur mit Vorsicht zu benutzen. 
Nach Beobachtungen auf dem Tungscha-Feuerschiffe ist die Stromrichtung, 
abgesehen vom letzten Viertel der Fluth oder Ebbe, aufserordentlich wechselnd, 
ohne dafs besondere Wetterverhältnisse als Ursache dafür ersichtlich wären. Die 
Ebbe läuft am stärksten in der fünften und sechsten Stunde, ihre gröfste beob- 
achtete Geschwindigkeit war zur Springtide 5 Sm, zur Niptide 3'/4 Sm. Die 
Fluth läuft am stärksten während der dritten und vierten Stunde, ihre größte 
beobachtete Geschwindigkeit war bei Springtide 3 Sm, bei Niptide 2 Sm. Zwischen 
dem Tungscha-Feuerschiffe und Wusung sind die Gezeitenströme im Fahrwasser 
bedeutend stärker, weil das Wasser hier durch die Bänke mehr eingeengt wird. 
Bei frischem südlichen Winde setzt der Ebbstrom in der Nähe des Feuerschiffes 
und außerhalb von ihm viel länger in einer nördlich von O gelegenen Richtung 
als sonst; bei frischen nördlichen Winden ist das Entgegengesetzte der Fall. 
Das Wasser fällt durchschnittlich sowohl bei Springtide wie bei Niptide 7 Stunden 
Jang und steigt 5 Stunden lang. Das Stillwasser dauert nur ganz kurze Zeit. 
Die folgenden Uebersichten geben einen guten Anhalt für die Richtung 
der Gezeitenströme.
	        
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