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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1900.
gegen festes Gehalt angenommen hat, der schon in Hongkong an Bord kommt
und die ganze Rundreise mitmacht. Als Lootsenboote sollen nach demselben
Berichte Schoner, Kutter, Dschunken und offene Boote dienen; die chinesischen
Lootsenboote zeigen irgend welche Flagge, die Boote der europäischen Lootsen
haben eine Nummer oder zeigen die Hausflagge des Dampfers. Nach Kapt.
E. Prehn kreuzen die Lootsen zwischen der Ansteuerungstonne, der Insel
Gutzlaff und der North Saddle-Insel, während dagegen Kapt. P. Albrand (vgl.
Annalen 1900, S. 61) berichtet, dals man die Lootsen für Schanghai weder bei
den Saddle-Inseln, noch bei der Insel Gutzlaff, sondern erst bei der Glocken-
tonne vor der südlichen Einfahrt zum Yangtse - Kiang erwarten dürfe, und auch
dort sei man nicht sicher, sie immer zu treffen. Vor dem nördlichen Eingange
halten sie sich nie auf. Kapt. P. Albrand meint ferner, das Lootsenwesen
liefse viel zu wünschen übrig, Lootsen zögen die Dampfer den Segelschiffen vor,
so dafs es vorgekommen sei, dafs Segelschiffe zwei bis drei Tage aufserhalb der
Glockentonne haben liegen müssen, ohne einen Lootsen zu bekommen.
Nach den Vorschriften über den Lootsendienst soll jedes Lootsenboot die
Aufschrift Licensed Pilot-boat am Heck und im Grofssegel nebst seiner Nummer
deutlich lesbar tragen und soll eine Flagge führen, deren obere Hälfte gelb und
deren untere grün ist.
Lootsensignale. Wenn der Lootse auf einem Schiff sich dem Anker-
platz nähert, so läfst er auf dem Schiff eine rothe und weiße Flagge hissen,
wenn das Schiff aus Hongkong, Japan oder aus irgend einem chinesischen Hafen
kommt; eine blau und weiße Flagge wird gehilst, wenn es aus einem über-
seeischen fremden Hafen kommt; eine gelbe und blaue Flagge wird gehifst,
wenn das Schiff in Ballast ist; und ein rother schwalbenschwanzförmiger Stander
wird gehifst, wenn das Schiff Pulver oder andere feuergefährliche Stoffe an
Bord hat.
Lootsengeld beträgt:
Für jeden Fufs Tiefgang
Von der Insel Gutzlaff nach Schanghai
Vom Feuerschiff nach Schanghai .
Von Wusung nach Schanghai . . .
Von der Insel Gutzlaff nach Wusung.
Vom Feuerschiff nach Wusung ‘. .
Für Segelschiffe |
7,00 Taels
7,00
3,50
3,50
3 50
Für Dampfer oder
geschleppte Schiffe
6,00 Taels
7,00 ».
350
3,00
3.50
Wenn der Lootse wegen des Tidestandes vor der Wusung-Barre auf-
gehalten wird, so erhält er für jeden Tag nach den ersten 24 Stunden eine Ent-
schädigung von 15 Taels.
Die Firma Mustard & Co. in Schanghai, 9A Nanking Road, vermittelt
als Lootsenagentur die Lootsenbestellungen.
Schleppdampfer. Die „Shanghai Tug-Boat Company, Limited“ besitzt
fünf Schleppdampfer, deren Tonnengehalt zwischen 17 und 59 Registertonnen liegt.
Rufsignal für diese ‚Schlepper bildet die Flagge S des internationalen
Signalsystems (blau mit weißem Rande, auch No. 1 des Marryat-Systems).
Andere ähnliche Schleppdampfer befinden sich in chinesischen Händen; im
Ganzen sollen 12 bis 15 vorhanden sein. Kapt. P. Albrand empfiehlt, dafs
große tiefgehende Segelschiffe noch weiter als bis zur Glockentonne gehen sollen,
bevor sie einen Schleppdampfer erhalten haben. Die Kapitäne der Schleppdampfer
wissen, wie Kapt. P. Albrand weiter berichtet, ebenso gut, ja oft besser Bescheid
wie die Lootsen; man braucht also, wenn man einen Schlepper hat, auf den
Lootsen nicht zu warten. Bis zum Wusung-Flufs bringen die Schleppdampfer-
kapitäne das Schiff mit voller Sicherheit. Ueber die Barre nehmen sie lieber
einen Lootsen zu Hülfe, obgleich sie auch dann noch meistens besser aufpassen
als dieser und demselben oft nützliche Winke geben, damit das Schiff nicht auf
der Barre festgeräth.
Schlepplohn ist sehr hoch, doch lassen die Führer, wie Kapt. P. Albrand
berichtet, sich zu Zeiten von ihrem hohen Lohn etwas abhandeln.