Die Mündung des Yangtse-Kiang.
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Diemen-Straße vorliegenden Inseln wurde der Kurs auf Schaweischan, an der
nördlichen Mündung des Yangtse-Kiang, abgesetzt, um bei dickem Wetter die
Große Yangtse-Bank anlothen zu können. Diese Bank macht sich weniger durch
ihre Tiefenverhältnisse als durch ihre Beschaffenheit kenntlich. Während in der
Umgebung derselben der Boden stark mit Schlick durchsetzt ist, gaben die Loth-
würfe, in Uebereinstimmung mit den Segelanweisungen und Karten, reinen, meist
dunklen Sand mit zerbrochenen Muschelschalen gemischt. Die Saddle-Inseln
kamen trotz des stellenweise sehr dicken und unsichtigen Wetters am 10. April
2" p. m., bereits in 18 Sm Entfernung in Sicht.“ Auch S. M. S. „Prinz Wilhelm“
berichtete 1897, dafs das Anlothen der Grofsen Yangtse-Bank sich als zweck-
mäßig und zuverlässig erwies. Die abnehmenden 'Liefen mit Grund grauer
feiner Sand mit Muscheln und die stark zunehmenden "Fiefen mit Grund Schlick
ließen mit Sicherheit das Passiren der Bank erkennen.
Lootsenwesen für die Yangtse-Mündung wird vom Hafenamt in Schanghai
geregelt. :Lootsen sind 35 auf der aktiven und 5 auf der Reserveliste: Das
vorschriftsmäfsige Gebiet für die Lootsenfahrzeuge ist die Verbindungslinie der
Insel Gutzlaff mit den Amherst-Klippen.
Der Kommandant S. M. S. „Kaiser“, Kapt. z. S.‘ Stubenrauch, be-
richtete im April 1899 über die Lootsen Folgendes: „Die Station. der beim
Generalkonsulat in Schanghai telegraphisch bestellten Lootsen ist die An-
segelungstonne in Peilung NWzW 3 Sm ab. Wenn ein Lootse telegraphisch
bestellt ist, darf weder bei Tage noch bei Nacht das Lootsensignal gegeben
werden, da sonst ein anderer der vor dem Yangtse-Kiang kreuzenden Lootsen
berechtigt wird, an Bord zu kommen. Bei Nacht, unsichtigem oder schlechtem
Wetter empfiehlt es sich, in‘ der Nähe der angegebenen Position zu aänkern, um
auf den bestellten Lootsen zu warten.“
Korv.-Kapt. Brussatis, Kommandant S. M. S. „Cormoran“, berichtete
1897 über das Lootsenwesen im Yangtse: „Jede Dampferkompagnie ‚hat ihre
eigenen Lootsen, und Letztere, welche nicht der Zollverwaltung unterstehen,
auch keinem direkten Lootsenverbande angehören, verschaffen sich die Kennt-
nisse vom Fahrwasser durch gegenseitige Mittheilung untereinander. Lothwürle,
welche von den Dampfern aus durch lediglich dazu angenommene Persönlickeiten
gethan werden, geben den Lootsen Aufschlufs. über die jeweilig ‘bestehenden’
Tiefen, Wenn gröfsere Aenderungen in der Tiefengestaltung vermuthet werden,
wie es bei Beginn des Sommers stets der Fall ist, so werden‘ von den Dampfer-
kompagnien Dampfboote gemiethet, welche das Fahrwasser auslothen und die
neu ermittelten Fahrrinnen durch blaue und rothe Flaggen markiren. Die Zoll-
verwaltung befafst sich mit. der Vermessung des Fahrwassers direkt nicht, sie
legt nur die Seezeichen aus nach den Angaben, welche ihr "die Lootsen zu-
kommen lassen, und sorgt für Instandhaltung und Besetzung der Leuchtfeuer-
stationen. Hierfür erhält die. Verwaltung bestimmte Abgaben seitens der
Dampfer, welche dem Tonnengehalt letzterer gemäfs berechnet sind.
Als die gefährlichste Stelle im Yangtse, welche steten Aenderungen unter-
worfen sein soll, erscheint den Lootsen die‘ Durchfahrt‘ zwischen den Centaur-
and Actaeon shoals, Sie passiren dieselbe nur bei Tage und gehen, um dies zu
erreichen, gegebenenfalls vor der Stelle zu Anker, Kin günstiger Ankergrund
bietet sieh in der Nähe von North tree, woselbst alle fiufsabwärts steuernden
Dampfer abends ankern.“ .
Der Kommandant des österreich-ungarischen Kriegsschiffes „Saida“ be-
richtete 1899 über den: Aufenthalt der Lootsen vor der Mündung des Yangtse:
„Die Lootsenboote kreuzen gewöhnlich in der Linie der North Saddle-Insel und
der Ansteuerungs-Glockentonne, der ersten Tonne vor der Mündung des Yangtse,
oder liegen in der Nähe dieser Tonne. vor Anker, Gröfsere Schiffe sollten beim
Anlaufen des Yangtse, wenn sie noch. keinen Lootsen haben, die Verbindungs-
linie zwischen der Insel Gutzlaff und Amherst Rock nicht überschreiten, sowie
auch ‚nicht westlich davon 'ankern. Oestlich von dieser Linie hingegen finden
sie überall gute Ankerplätze. Bei der Insel Schaweischan sind Lootsen für den
Yangtse nicht zu finden.“
. Kapt. ‚E. Prehn vom Lloyddampfer „Bayern“ berichtet im Fragebogen
No. 374, dafs der Norddeutsche Lloyd für seine Dampfer ‚einen festen Lootsen