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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1900,
Huk auf Tiefen von 4 bis 10m liegt. Der Ankerplatz des Dampfers „Darm-
stadt“, von dem die Landungsbrücke in der Tsingtau-Bucht NNW!AW und Iltis-
Berg (Nobble Hill) ON0’A40 peilte ‚und 6,5 m Wasser über Schlickgrund stand,
x }— erwies sich als gut und geschützt.
Gegen östliche, südliche und westliche bis nordwestliche Winde geschützte
Ankerplätze findet man in der Bucht zwischen dem Kap Evelyn und der Insel
Huangtau. Die Bay-Klippe ist hier zu vermeiden, ebenso das Wrack der Kohlen-
hulk „Tagus“, das auf etwa 14m Wasser 0,8 Sm südsüdöstlich von der Bay-
Klippe liegt. Bei Hochwasser sind nur die Masten, bei Niedrigwasser auch der
Schornstein des Wracks sichtbar.
Gezeiten. Die Hafenzeit in der Kiautschou-Bucht ist 5"0”; die Fluth-
höhe beträgt bei Springtide - Hochwasser etwa 3,5 m, bei Niptide etwa 2m. Der
Wechsel der Gezeitenströme ist sehr regelmäfsig und findet bei Hoch- und
Niedrigwasser statt. Der Strom setzt gewöhnlich auf die Einfahrt zu mit
einer Geschwindigkeit von 1 bis 2 Sm, die in der Einfahrt 3 bis 4 Sm erreicht,
dann aber wieder bedeutend geringer wird. Vor Kap Evelyn und der Insel
Yu nüi san trifft man Stromkabbelungen.
S. M. S. „Prinzels Wilhelm“, Kommandant Kapt. z. S. A. Thiele, beob-
achtete auf dem Ankerplatze — Ta kung tau in SO7/s0 und Yu nüi san in S’/s0 —
einen nordostwärts setzenden Fluthstrom. Das Stauwasser zwischen Ebbe und
Fluth dauerte höchstens 5 Minuten.
Hafenanlagen. In der Tsingtau-Bucht ist nur eine etwa 250 m lange
Landungsbrücke für Boote und sonstige ganz kleine Fahrzeuge vorhanden, die
von den Chinesen angefangen und von den deutschen Besatzungstruppen vollendet
worden ist, Im östlichen Theile der Bucht sind mehrere Festmachetonnen auf
Wassertiefen von 1,5 bis 3,5m ausgelegt. Die Schiffe löschen ihre Ladung in
Leichter. Auf der beim Petroleum-Ankerplatz befindlichen Huk ist ein Petroleum-
schuppen erbaut, ebenso steht ein Dynamitschuppen in der Nähe des Strandes
beim Dynamit-Ankerplatze. Reparaturen an Booten, Pinnassen u. s, w. besorgen
zwei Maschinenschlossereien.
Signalstation befindet sich in Tsingtau auf dem Diederichs-Berg. Zeit-
signalstation befindet sich beim Observatorium; der Zeitball fällt täglich um
00” 0° mittlere Ortszeit.
Hafenordnung vom 15. Januar 1899 ist im Anhang zum Marineverordnungs-
blatt No. 14 für 1899 veröffentlicht.
Tsingtau war zur Zeit der Besitzergreifung durch die Deutschen ein
kleines Dorf und bestand aus zwei Theilen, Ober- und Unter-Tsingtau. Ober-
Tsingtau ist von den Chinesen geräumt worden, ebenso ist ein Theil der Be-
wohner von Unter-Tsingtau nach Yang tschia ts’un übergesiedelt. Jetzt wird die
Anlage einer Europäerstadt nach einem einheitlichen Bebauungsplan lebhaft ge-
fördert. Verschiedene öffentliche Gebäude, als Hospital, Schule, Regierungs-
gebäude, Kasernen u. s. w. sind theils fertiggestellt, theils im Bau begriffen.
Strafsen- und Kanalisationsarbeiten sind in Angriff genommen worden. Das
Hauptaugenmerk wird auf die Wasserversorgung der neu entstehenden Stadt
gerichtet, die durch Anlage eines Stauweihers bei dem Dorfe Hsian pau tau oder
durch Auffangen des von den Hängen herabströmenden Grundwassers bei dem
Dorfe Hai po erfolgen soll. Das ‚bisher benutzte Brunnenwasser ist bei grofser
Dürre nicht immer ausreichend und als Trinkwasser ungesund.
Handelsverkehr. Vom 1. Oktober 1898 bis zum 15. September 1899
liefen 167 Dampfer und 9 Segelschiffe ein; davon waren deutsch: 110 Dampfer
and 3 Segelschiffe, und englisch: 36 Dampfer und 1 Segelschiff,
Einfuhr: Baumwolle und Baumwollwaaren, Papier, Zucker, Bau-
material u, 3, W.
Ausfuhr: Schantung-Kohl, Erdnüsse, Wallnüsse, Bohnenkuchen, Bohnenöl,
Melonensamen, Nudeln, gesalzene Schweine, Obst u. 8. W.
Postdampferverbindung mit Schanghai unterhalten die Rhederei
M. Jebsen, Apenrade, und die „China Navigation Co.“ wöchentlich je einmal.
Die Fahrtdauer beträgt etwa 36 Stunden; die Fahrten sind so eingerichtet, dafs
die Dampfer Anschlufs an die grofsen europäischen Dampferlinien haben. KEisen-
bahn von Tsingtau über Wei hsien nach Tsi nan fu, der Provinzialhauptstadt von
Schantung, nebst Zweigbahn nach Po schan ist im Bau; erstere soll in drei,