Kiautschou.
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kleine Arcona-Insel ist dem östlichen Theile der Bucht vorgelagert und schützt
die dort liegenden Fahrzeuge gegen südliche Winde, während die westliche
Hälfte nach Süden gänzlich ungeschützt ist.
Landmarken. Bei klarer Luft von Süden kommend, erblickt man zu-
nächst das hohe Land östlich von Kiautschou, darauf die Inseln Tscha lien tau
und Tai kung tau. Das Lauschan-Gebirge steigt auf der Ost- und Südseite fast
unmittelbar aus dem Meere bis zu einer Höhe von durchschnittlich mehr als
700m an; die Hauptkette hat sogar eine Durchschnittshöhe von über 1000 m
und ihr höchster Punkt, der Lau ting, zugleich die Hälfte des ganzen Gebirges,
etwa 1130m. Der Lauschan wurde bei besonders klarer Luft und bei nordwest-
lichem Winde von S. M. S. „Prinzefs Wilhelm“, Kommandant Kapt. z. S. A. Thiele,
bereits aus einer Entfernung von 75 Sm gesehen. Das allgemeine Aussehen des
Landes um die Kiautschou-Bucht ist äufserst kahl und unfruchtbar; trockener,
zerrissener Lehmboden wechselt mit einzelnen Granitblöcken ab. Näher kommend,
erblickt man die Einfahrt in die Bucht zwischen dem Kap Evelyn an der Süd-
seite und einem niedrigen Vorgebirge mit felsiger Küste an der Nordseite, das
in die niedrige grasbedeckte Insel Yu nüi san an seinem Südwestende ausläuft,
Unmittelbar über dem Kap Evelyn erhebt sich der 158 m hohe Hügel Titung-
schan; südlich von ihm setzen sich die Hügel, deren südlichster 122 m hoch ist
und von See aus kegelförmig erscheint, wellenförmig fort.
Ansteuerung. Von Süden kommend, empfiehlt es sich, die Insel Tscha
lien tau anzusteuern und darauf, die Insel Tai kung tau etwa 1,5 Sm an B.B.
lassend, auf die Einfahrt zuzuhalten. Das Einlaufen in die Bucht oder auf die
Rhede von Tsingtau bietet keine Schwierigkeit. Um die Swallow-Bank mit
etwa 8 m geringster Wassertiefe und die etwas westlich davon liegende 3,7 m
trockenfallende Klippe zu vermeiden,. braucht man sich nur nördlich von der
Leitlinie zu halten: Der 334m hohe Si Schan in Eins mit dem Kap Evelyn in
WNW7/W. Bei nördlichen und nordöstlichen Stürmen findet man unter der
Küste zwischen der Insel Yu nüi san und dem Lauschan-Hafen ruhiges Wasser
und geschützte Ankerplätze auf 14 bis 18 m Wasser, Schlickgrund.
‚Leuchtfeuer. Von den beiden geplanten Leuchtthürmen auf Tscha lien tau
und Yu nüi san ist zunächst der letztere in Angriff genommen worden, . Das
Bauwerk, dessen 16 Sm weit sichtbarer weilser Sektor das Fahrwasser zwischen
den Inseln Ta kung tau und Hsiau kung tau beleuchten wird, so dafs man in ihm
sicher bis auf die Rhede von Tsingtau laufen kann, sollte etwa Ende 1899 fertig:
gestellt sein. _
Auf Tscha lien tau brennt seit Ende 1898 vorläufig ein 10 Sm weit
sichtbares weißes Feuer, Das eigentliche Feuer wird ein 21 Sm weit sichtbares
Gruppenblitzfeuer mit fünf hintereinander folgenden Blitzen von je 2 Sekunden
Dauer sein.
Lootsenwesen. Der Hafenmeister von Tsingtau und seine Beamten ver-
sehen Hafenlootsendienste, indem sie den ankommenden Schiffen ihre Anker-
plätze. anweisen.
Schleppdampfer ist für die neuen Hafenbauten in der Kiautschou-Bucht
vorhanden, ebenso eine Dampfbarkasse.
Sturmwarnungssignale sind die in den ostasiatischen Gewässern üblichen
(siehe „Ann. d. Hydr. etc.“, 1897, Seite 540). Die Sturmsignalstation befindet
sich neben dem Observatorium von Tsingtau nordnordwestlich von der Wurzel
der Landungsbrücke. i
Quarantäne und Zollbehandlung siehe unter Hafenordnung.,
Ankerplätze. Die Aufsenrhede wird begrenzt im Westen von der Ver-
bindungslinie des Kaps Evelyn und der Insel Yu nüi san, im Osten von der Ver-
bindungslinie der Pile-Huk und der Hui tsch’üen-Huk; die Innenrhede schliefst
sich an die Aufsenrhede an und reicht bis zur Verbindungslinie der Insel
Huangtau und der Hafeninsel (Womans Island).
Ankerplatz für Kriegsschiffe auf der Innenrhede befindet sich südwestlich
vom Hufeisenriff, auf der Aufsenrhede vor der Tsingtau-Bucht auf Tiefen von
etwa 14 bis 17 m. Nordöstlich davon, vor der Osthuk der Tsingtau-Bucht,
östlich und südöstlich von der Arcona-Insel, ist der Ankerplatz für Petroleum-
schiffe auf Tiefen von 5 bis 10m, während der Ankerplatz für Dynamitschiffe
bereits außerhalb der Aufsenrhede in der Bucht östlich von der Hui tsch’üen-