Ann. d. Hydr. ete., XXVII. Jahrg. (1900), Heft IX.
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Kiautschou.-
Kiautschou,. nach dem die Bucht und das deutsche Pachtgebiet benannt
ist, ist eine alte Stadt etwa 5 Sm nordwestlich vom Nordwestende der Kiautschou-
Bucht auf 36° 19‘ N-Br und 120° 0' O-Lg. Früher eine bedeutende Handelsstadt,
ist sie nach der Eröffnung von Tschifu sehr zurückgegangen, dürfte jedoch ihrer
günstigen Lage wegen und nach der Eröffnung des Freihafens von Tsingtau bald
wieder. aufblühen. Kiautschou. liegt außerhalb des 540 qkm grofsen: deutschen
Pachtgebietes, das durch den am 6, März 1898 mit der chinesischen Regierung
abgeschlossenen Vertrag in deutschen Besitz überging. Der Freihafen ist am
2, September desselben Jahres eröffnet worden und umfafst das ganze deutsche
Pachtgebiet.. . ;
Die Kiautschou-Bucht, die auf dem Dampferwege von Hongkong 1095 Sm
und von Schanghai 370 Sm entfernt ist, bietet geräumige und gut geschützte
Ankerplätze für Schiffe jeder Gröfse. Eine 4 km breite, nach SO offene Einfahrt
führt in die kreisförmige Bucht, deren Durchmesser etwa 22 km beträgt... Die
Wassertiefe in der Einfahrt ist 20 bis 40 m und im südlichen Theile der Bucht
20 bis 60m. Nach dem Lande zu nehmen die Tiefen allmählich ab. . Die Hoch-
wassergrenze. der. Bucht markirt sich an vielen Stellen nicht scharf, Dies ist
namentlich der Fall im nördlichen und nordwestlichen Theile der Bucht, wo der
Küste ein ausgedehntes Watt vorgelagert ist. Dieses Watt wird nur an wenigen
Stellen von Prielen durchzogen. Ein solcher Priel, der bei mittlerem Hochwasser
2 m tief. ist, auf der ihm vorgelagerten Barre jedoch nur 1,5 m Wasser hat, führt
von der Fahrrinne bei Nü ku kau an der Ostseite der Bucht nach Makutschuang;
ein anderer Priel an der Nordwestseite der Bucht stellt die Verbindung mit
Tapotou her.. Die Wassertiefe in ihm beträgt bei mittlerem Hochwasser etwa 3 m
und auf der ihm vorgelagerten Barre 2 m. Als Ansteuerungsmarke dient eine
außerhalb der Barre aufgestellte Dreifufsbake, die drei Besen als Toppzeichen
trägt. Die linke Seite des Priels ist durch Pricken mit Besentoppzeichen ge-
markt, die. einlaufend 15 bis 20m entfernt an.B.B. zu lassen sind.
Um die Bucht herum liegen zahlreiche Dörfer, deren Bevölkerung haupt-
sächlich Fischfang treibt. An einigen Stellen im nördlichen Theile der Bucht
sind an der Hochwassergrenze Salzwerke angelegt, in denen aus Seewasser Salz
gewonnen wird. Mit Ausnahme des ziemlich bedeutenden Hafenplatzes Tapotou,
dem Hafen. von Kiautschou, sind größere Hafenplätze in der Bucht aufserhalb
des eigentlichen Pachtgebietes ‚nicht. vorhanden, dagegen verkehren kleinere
Dschunken in Makutschuang, in Lingtschüen, einem Orte südlich von der Yangho-
Mündung, und in Yintau. Letzterer Ort liegt etwa 3 km südlich vom Hügel
Ta hsü thou. Im deutschen Pachtgebiet sind als Hafenplätze innerhalb der Bucht
zu nennen: Nükukau und Zankau im nördlichen Theile des Pachtgebietes und
Hsieh tschia tau auf der Halbinsel an der Südseite der Einfahrt in die Bucht.
Der letztere Ort ist als Handelsplatz von geringerer Bedeutung, da der haupt-
sächlichste Verkehr sich nach der an der Südwestecke der Arcona-See gelegenen
Stadt Ling schan wei. hinzieht.. Bei Nü ku kau und Zankau liegen die Landungs-
verhältnisse günstig, so dafs auch grolse Dschunken. bei Hochwasser bis auf
mehrere hundert Meter an das Land heran können,
Die beiden größten Inseln der Bucht, Yintau (Potato-Insel) im nördlichen
und Huangtau (Chi po.san) im südlichen Theile der Bucht, stehen durch hohes
Watt mit dem Festlande in Verbindung. Ueber diese Watten führen festgetretene,
bei Niedrigwasser trocken zu passirende Wege. Die Inseln sind wenig fruchtbar,
so daß die Bodenerzeugnisse kaum ausreichen, um die Bedürfnisse der in
mehreren Dörfern lebenden Bewohner zu decken, : Letztere beschäftigen sich
daher hauptsächlich mit Fischfang. ;
Im südöstlichen Theile der. Kiautschou-Bucht, in welcher der neue Hafen
angelegt werden soll, liegt die mit dem Festlande durch ein Watt verbundene,
4,5 m hohe Hafeninsel (Womans-Insel). Etwas südwestlich davon sind zwei 3m
Ann. d. Hydr. eto., 1900, Heft IX.