Notizen.
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Notizen.
l. Grofse Sichtweite des Landes infolge von Strahlenbrechung.
Kapt. J. Danklefs von der Bark „Pallas“ schreibt: „Als wir auf der Reise
von London nach Sydney N.S. W. am 22. März 1899 gleich nach Sonnenunter-
gang die Insel Montagu an der Ostküste Australiens in Sicht bekamen, war die
yanze Insel sowie der Feuerthurm ganz deutlich mit blofßsem Auge zu sehen,
obgleich wir nach Chronometerlänge 50 Sm davon abstehen sollten. Da wir
während der Reise keine Gelegenheit gehabt hatten, den Stand des Chronometers
durch Sonnenhöhen und Landpeilungen zu kontroliren, nahm ich an, dafs der-
selbe unrichtig sei, glaubte aber doch, dafs Strahlenbrechung mit im Spiele sei,
wodurch die Sichtweite der Insel so sehr vergröfsert wurde. Bei der Ankunft
in Sydney fanden wir dann auch den angenommenen Stand des Chronometers
als ganz richtig, und hatten wir also in der That die kleine, nicht hohe Insel
auf eine Entfernung von 50 Sm gesehen.“
Anmerkung, Nach dem „Australia Directory“ des „Hydrographie Office“
der Britischen Admiralität, Band I, hat die Montagu-Insel im höchsten Hügel,
der sich auf dem südlichen Theile der Insel befindet, eine Höhe von 210 Fufs
anglisch oder 64m. Die Höhe des Leuchtfeuers in dem Thurme auf jenem
höchsten Punkte der Insel ist im „Verzeichnifs der Leuchtfeuer aller Meere“,
herausgegeben vom Reichs-Marine-Amt, zu 76,2 m angegeben. Zieht man die
Höhe des Landes von 64m und eine Augeshöhe auf dem Schiffe von 4m in
Rechnung, so ergiebt sich eine äufserste Sichtweite unter normalen Verhältnissen
von 20,7 Sm. In Wirklichkeit befand sich „Pallas“ aber um 6 Uhr abends nach
der Besteckrechnung, die sich an gute astronomische Ortsbestimmungen am Vor-
mittage und am Mittage anschliefst, in einer Entfernung von 52,5 Sm vom höchsten
Punkte der Insel. Der Wind war bis zum Mittage W bis WSW 4 bis 5 und
ging dann auf SO 2 und im Laufe des Nachmittags und des Abends auf O und
NO, bis zur Stärke 3 zunehmend. Mit dem Umgehen des Windes von W nach
SO und O stieg die Lufttemperatur von 174° auf 19,2° C. Vielleicht blieb
nun die Luft unter der australischen Küste, in deren Nähe die Insel Montagu
liegt, noch länger kühl, als weiter landab der Fall/ war, weil dort das kalte
Tiefenwasser, das durch den ablandigen westlichen Wind nach oben gekommen
war, seinen Einfluß länger geltend machte. Diese Verschiedenheit in der Wärme
and Dichtigkeit der zwischen Objekt und Auge liegenden Luftmassen: kühler
und dichter. in der Nähe des Landes, wärmer und lockerer draufßsen auf See bei
dem Schiffe, verursachte dann vielleicht die übergrofse Strahlenbrechung, durch
welche das Bild der Insel so hoch gehoben wurde,
2. Ueber eine Windhose, .die am 7. November 1898 über die Bark
„Magda“ hinwegging, berichtet Kapt. R. Dade Folgendes: „Es war am 7. No-
vember, und wir segelten auf der Reise von London nach Kapstadt mit mäfsiger
Westbriese bei ziemlich hohem Barometerstand, bewölktem Himmel und etwas
böigem, aber sonst gutem Wetter nördlich von Madeira südwärts, als ich gegen
Tagwerden um 5" 30" a auf ungefähr 34,9° N-Br und 17,2° W-Lg den Steuermann
rufen hörte: »Klar bei den Reul-Fallen!'« Ich ging gleich an Deck und sah in
der Dunkelheit, dafs eine-Böe ankam, die gar nicht weiter gefährlich aussab.
Mit einem Male war der obere Theil des Grolstopps weg. Grofsbramstänge und
Obermarsraa waren gebrochen, ebenso das Besanstag in der Mitte und die
Schote vom Mittelstagsegel. Weiter war kein Schaden geschehen, Vor- und
Besanstopp waren unversehrt, und da das Ganze nur einen Augenblick dauerte,
waren alle Segel heil geblieben. Das Besanstagsegel war gegen die Leepardunen
geweht. Ich glaube, der Winddruck ist, da er nur auf den Grofstopp traf, von
oben gekommen, denn die Grofsmarsstänge . war 6 Zoll gesackt, indem die
Backenstücke des Grofsmastes sich so viel verbeult hatten. Dadurch waren die
Pardunen lose geworden, und war infolgedessen die Bramstänge gebrochen, Ob
die Marsraa durch den ersten Anprall des von oben kommenden Wirbelwind-
Adruckes oder durch den Ruck der fallenden Bramstänge gebrochen ist, konnten
wir bei der Dunkelheit und bei der Plötzlichkeit, mit welcher sich der Vorgang
vollzog, nicht beobachten.“