Hegemann, Fr.: Die Gezeiten einiger wichtiger Küstenpunkte Neuseelands, 383
ginnt von !/ bis 2 Stunden nach Niedrigwasser, je nach dem Winde, am frühesten
mit westlichem. Beide, Fluth- und Ebbstrom, haben eine sechsstündige Dauer.
Am östlichen Eingang der Strafse tritt das Hochwasser mit Neu- und Vollmond
um 1*0" ein; der Fluthstrom beginnt hier auch um 10*, also 3 Stunden nach
Niedrigwasser. Derselbe läuft an der Nordostküste der Stewart-Insel noch etwa
1 Stunde 15 Minuten, nachdem in Port William Hochwasser gewesen ist, oder
bis 200", Die Stärke der Gezeitenströmungen varlirt von !/2a bis 2'% Sm; in
der Enge der Strafe, zwischen Ruapuke und dem Bluff, steigert sie sich bis 3 Sm.
Das Südende der Insel Stewart theilt den von Süden kommenden Fluth-
strom in zwei Arme; der eine läuft nordwärts entlang der Westküste dieser Insel
und darauf ostwärts, wie schon bemerkt, durch die Foveaux-Strafse, der andere
nach NO längs der Südostküste der Insel, bis Port Adventure, wo beide sich
wieder vereinigen, um gemeinsam weiter ostwärts zu flielsen. Der Ebbstrom
schlägt genau die entgegengesetzte Richtung ein, und indem er sich bei Port
Adventure theilt, fließt der eine Zweig westwärts durch die Strafse und an der
Westküste der Stewart-Insel hinunter, der andere längs der Südostküste der
Insel nach SW. Hochwasser ist mit Neu- und Vollmond in den Häfen Pegasus
und Adventure um 11*50” bezw. 0* 20”, in Port William und Paterson Inlet
bezw. um 0*45” und 1* 10”, und in Mason’s-Bai um 11*10”. Die Springfluth
steigt 2,4 m, die Nippfluth 1,8 m über Niedrigwasser, Die Geschwindigkeit der
Gezeitenströmungen beträgt unter Land !/a bis 1!/a Sm, abgesehen von den engen
Passagen, in denen sie beispielsweise bei Port William und Paterson Inlet 1 bis
3 Sm und zwischen der Südwestspitze der Stewart-Insel und Long Island selbst
4 Sm während der Springtide erreicht,
In Cattle Cove an der Südwestküste der Mittelinsel ist bei Neu- und
Vollmond um 11% 20” Hochwasser; die Springfluth steigt 2,4 m, die Nippfluth
1,2 m. Der Ebbstrom läuft mit einer Geschwindigkeit von etwa 1 Sm; der Fluth-
strom macht sich in der Bucht nur wenig bemerkbar, er setzt zwischen der
Gulcher-Spitze und Balleny-Riff hindurch nach O0 und quer über die Einfahrt
nach SO,
Ueber die Benutzung der Mercatorschen Funktion bei der
Berechnung einer Standlinie,
Von W, Reuter, Navigationslehrer in Leer,
Längere Zeit schon sind die Bestrebungen darauf gerichtet, die veralteten
Methoden zur Lösung des Zweihöhenproblems (Aufsenmittagsbreite) durch eine
neue, die Standlinienmethode, zu ersetzen. Vergleicht man hierbei nur die
Rechenarbeit, die erforderlich ist, um aus einer vollständig vorliegenden Beob-
achtung die Breite und Zeit (Länge) zu ermitteln, so ist diese bei der neuen
Methode nur dann etwas geringer, wenn die Höhen verschiedener Gestirne in
Betracht kommen. Auch wenn Sonnenhöhen beobachtet werden, läfst sich bei
den gegenwärtig zu Gebote stehendeu Hülfsmitteln die Aenderung der Abweichung
jeicht ebenso berücksichtigen, wie die Beschickung der einen Höhe auf den Ort
der anderen. Es kommt noch hinzu, dafs der Schnittpunkt der Standlinien mehr
oder weniger von dem der beiden Höhenkreise abweicht, dieser aber durch die
direkte Methode der Aufsenmittagsbreite gefunden wird. Die Resultate beider
Methoden werden aber unzuverlässig, wenn Kurs und Distanz zwischen den beiden
beobachteten Höhen unsicher sind. Wie häufig solche unerwarteten Stromver-
setzungen vorkommen, zeigen die sämmtlichen Untersuchungen zur Genüge.
Der wesentliche Vorzug der Standlinienmethode besteht darin, dafs, sobald
eine Höhe beobachtet ist, die Rechnung mit dieser Höhe begonnen und eine
Standlinie bestimmt werden kann. Man braucht nicht erst die eine Höhe auf
den Ort der anderen zu beschicken, sondern man berechnet, wenn Kurs und
Distanz als zuverlässig angesehen werden dürfen, den Besteckpunkt der zweiten
Beobachtung, legt dadurch die schon gefundene Standlinie und berechnet nun
aus der zweiten Höhe, sei es nach der Längen-, Breiten- oder Höhenmethode,