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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1900. 
Nördliche Route vom Kanal nach Westindien. Oktober 1899 bis 
Februar 1900. 
Bericht des Kanpt. W. Loff, Bark „Niagara“. 
Kapt. W. Loff von der Bark „Niagara“ schreibt nach Vollendung 
einer Reise von Havre nach Cap Haitien (Kap Hayti) und zurück, die er in 
den Monaten Oktober 1899 bis Februar 1600 ausführte, Folgendes: „Ich 
spreche hiermit der Direktion der Seewarte meinen verbindlichsten Dank aus für 
den im Segelhandbuch für den Atlantischen Ozean ertheilten Ratb, bei Antreffen 
von Ostwind vor dem Kanal auf einer Reise nach Westindien einen gut west- 
lichen Kurs einzuschlagen.!) Nur dadurch, glaube ich, haben wir unseren Mit- 
seglern auf der Ausreise einen Vortheil abgewonnen. Wir verließen den Eng- 
lischen Kanal ungefähr gleichzeitig mit fünf Schiffen, Norwegern, alle nach Kap 
Hayti bestimmt, welche Schiffe, namentlich bei leichter Briese, ebenso gute Segler 
wie „Niagara“ sind. Diese schlugen gleich vom Kanal den gewöhnlichen süd- 
westlichen Kurs ein und wurden infolgedessen nur zwei Tage vom östlichen 
Winde begünstigt, während wir diesen Wind länger als acht Tage behielten. 
Als jene Schiffe noch beim Kap Finisterre gegen südwestliche Winde kreuzten, 
hatten wir schon über die Hälfte des ganzen Weges zurückgelegt. Und obgleich 
sie später einen beständigeren und frischeren Passat antrafen, erreichten sie den 
Hafen von Kap Hayti doch erst 10 bis 15 "Tage später als wir.“ 
„Niagara“ verliefs Havre am Vormittage des 4. Oktober 1899 und passirte 
gegen Mitternacht vom 5. zum 6. Lizard. Mit der mäfsigen bis frischen Briese 
aus NO bis O steuerte die Bark etwa WzS bis WSW und erreichte, nachdem 
am 11. Oktober ein zeitweiliges Abflauen stattgefunden hatte, am 13. 41,5° N-Br 
and 34° W-Lg. Der Luftdruck, der anfänglich 763 mm gewesen war, hatte in- 
zwischen allmählich bis ungefähr 755 mm abgenommen. Es folgten nun Winde 
aus dem westlichen Halbkreise, oft aus SW, häufiger aber aus NW, womit 
„Niagara“, wie angezeigt, nach S zu gelangen suchte. Am 14. bis 15. und wieder 
am 17. Oktober wehte es beim Umlaufen des Windes orkanartig bei niedrig 
fallendem Barometer. Nach dem letzten Fallen stieg es aber ziemlich hoch, und 
am 19. Oktober auf 28° N-Br und 34,9° W-Lg erhielt die Bark durch Drehen des 
Windes von NW nach NO wieder eine günstige Gelegenheit. Da der Passat, 
als welcher sich dieser Wind erwies, nicht genügend frisch wehte, ließ Kapt. 
Loff zunächst noch einen ziemlich südlichen Kurs steuern, fand aber selbst in 
18° N-Br noch viel Flaue und nahm deshalb den direkten Kurs nach dem Be- 
stimmungsorte wieder auf. Nach dem Passiren von 50° W-Lg, in dessen Nähe 
solche Passatstörungen oft vorkommen, wurde der Wind am 29. Oktober auf 
18,4° N-Br und 52° W-Lg frischer und brachte, zuletzt steif und mit Böen wehend, 
„Niagara“ am 7. November nach dem Hafen von Kap Hayti. Reisedauer von 
Lizard 321/2 Tage. Ueber die Kinsegelung bemerkt das Journal noch: „In der 
Nacht vom 6. zum 7. November sehr frische Briese aus NO mit steifen Böen. 
Ueber dem Lande alles dick von Regen. Machten die kleinen Segel fest, um die 
Fahrt zu mindern, Bei Tagwerden hielten auf das Land zu. Um 8" a harte 
Böe aus O mit schwerem Regen, worauf die Luft abklarte. Konnten nach und 
nach das Land ausmachen und erkannten namentlich Grange-Spitze sehr gut und 
leicht. Etwa 10 Sm von Picolet- Spitze flaute der bis dabin frische Wind 
zum leisen Zuge ab. Um Mittag bekamen wir 3 Sm von Picolet- Spitze einen 
Lootsen. Gleich darauf kam die Seebriese durch. Um 1* p gingen wir auf der 
Rhede von Kap Hayti zu Anker. Reisedauer von Havre 34 Tage. Von unseren 
Mitseglern, Norwegern, war noch keiner angekommen; einer derselben ging 
15 Tage vor uns von Havre, ein anderer drei Wochen“. 
1) Siehe Segelhandbuch, II. Auflage, Seite 388. Die nördliche direktere Route nach West- 
indien ist dort für das Winterhalbjahr — Oktober bis März — empfohlen, wenn man dann hei An- 
iritt der Reise östlichen Wind antrifft, Es liegt dann nämlich die Annahme nahe, dafs südlich von 
lem Meeresstriche, wo der östliche Wind weht, zwischen diesem und der polaren Passatgrenze sich 
ein Gebiet niedrigen Luftdruckes befindet, und dals infolgedessen der Passat bis in niedrige Breiten 
Inrch westliche Winde unterbrochen ist.
	        
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