Annalcn der Hydrographie und Maritimen Metcorologie, Januar 1900.
Man sieht hieraus, dafs, wenn die Hülfstafel nicht zur Hand sein sollte,
das Mehr der Rechnung nur gering ist.
Da es nun für den Seemann von grofser Wichtigkeit ist, dafs seine Rech-
nungsmethoden möglichst einfach sind und jede Zweideutigkeit ausschliefsen, so
wäre die Höhenmethode nur zu empfehlen, zumal sie den Vortheil hat, bei allen
Azimuten der Gestirne in derselben Weise anwendbar zu sein, was bei der
Längen- und Breitenmethode nicht der Fall ist. Die beiden letzten Methoden
sind unzuverlässig, sobald die eine Höhe in der Nähe des Meridians und die
andere in der Nähe des Vertikals beobachtet wurde. Die allgemeine Fehler-
gleichung für das Zweihöhenproblem zeigt aber, dafs gerade in diesem Falle
Breite und Länge sich am genauesten bestimmen lassen. Hieraus folgt offenbar,
dafs der Grund für das unzuverlässige Resultat nur in der Form der Lösung zu
suchen ist. Diese ist daher zu ändern; Längen- und Breitenänderung sind nicht
bei der Lösung zu benutzen, sondern die Besteckberichtigung mufs auf andere
Weise ermittelt werden, Die Standlinien lassen sich leichter nach der Längen-
und Breitenmethode berechnen und zeichnen; warum soll man nun die Höhen-
methode anwenden, wenn auch hier das Resultat unter allen Umständen sicher
zu erlangen ist!
Angenommen, man hätte eine Sonnenhöhe im Vertikal beobachtet, dann
würde doch die mit der gegifsten Breite berechnete Länge genau richtig werden,
selbst bei einem sehr großen Fehler in der Breite. Würde man hier nach der
Höhenmethode die Standlinie berechnen, so fände man auf einem Umwege den
Meridian. Wozu also hier die unnöthige Arbeit! Segelt man nun weiter, und
es gelingt eine zweite Beobachtung, so berechnet man zunächst mit dem ge-
steuerten Kurse und der zurückgelegten Distanz Breite und Länge des zweiten
Beobachtungsortes. Durch diesen Ort‘ zieht man die erste Standlinie. Ist nun
die zweite Höhe in der Nähe des Meridians beobachtet, so berechnet man für
die erreichte Länge die Breite und zieht durch diese mit Hülfe des Azimuts die
Standlinie; der Schnittpunkt beider ist der wahre Schiffsort. Im vorliegenden
Falle läge der Schnittpunkt auf der schon berechneten Länge. Liegt aber auch
die zweite Beobachtung nicht in der Nähe des Meridians, so berechnet man für
die erreichte Breite die Länge und zieht die Stand-
linie; ihr Schnittpunkt mit der ersten ist der wahre
Schiffsort. Man hat also zwei Fälle zu unterscheiden;
entweder sind auf demselben Breitenparallel durch
zwei Längen, oder auf demselben Meridian durch
zwei Breiten die Standlinien gezogen.
Es seien nun A, und A, zwei Punkte des-
selben Breitenparallels und S der Schnittpunkt der
dadurch gezogenen Standlinien. Die Winkel bei A,
und A, im Dreieck A, A,S sind den Azimuten der
Gestirne bei den Beobachtungen gleich; der Winkel
S ist gleich dem Supplement des Unterschiedes der Azimute (der Winkel d bei
Dr. Fulst); er kann auch gleich dem Winkel d sein. Ist nun A, der gegifste
Schiffsort bei der zweiten Beobachtung, dann ist im Dreieck A,A‚,S, wenn die
Azimute mit a, und a, bezeichnet werden:
A,S: A, A, = sina, : sind
AS = Ad: Ol
1°°2% sind
Fig. 2.
Drückt man also A,A, in Seemeilen aus und multiplicirt diese mit
sin a, - cosecd, so erhält man die Besteckversetzung von A, nach $. Da die
Richtung von A, nach S durch die durch A, gehende Standlinie gegeben ist,
co können Breiten- und Längenberichtigung leicht berechnet werden. Der Faktor
sin a, cosec d läfst sich mit der Tafel VIIa und der Gradtafel leicht bestimmen.
Es genügte aber auch eine Tafel, ähnlich eingerichtet wie Tafel 9 in der Tafel-
sammlung von Dr. Fulst, die zur Bestimmung des Abstandes bei einer Doppel-
peilung dient. Ein Blick in diese Tafel zeigt, dafs solche Tafel keinen großen
Umfang zu haben braucht. Der seitliche Eingang müfste nur durch d ersetzt
und der obere Kingane weiter, bis auf 5° etwa, ausgedehnt werden.