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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

374 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1900, 
dem Schiffe gehörigen Aneroidbarometer gemacht worden. Die Korrektionen 
desselben sind nicht bekannt; doch da die Ablesungen die Aenderungen des 
Luftdruckes während des Sturmes zeigen, sind sie hier mit abgedruckt. 
Dat: 
1809 | Uhrzeit| 
N-Br W-Lg 
Ikt. 16 | Mittag | 30° 43‘ | 34° 57 
4h pP | 
gh P 
Mittern. 
Ikt. 17 | dba 
sha 
Mittag 134° 33° 
3909 57° 
zh 
p | 
Wind 
0zS 5 
0SO 5 
SO 6 
SS0O 7 
Ss? 
SS? 
SSO 7—8 
SzW 11—12 
Bar, 
mm 
red. 
Wetter 
761,0 
758,9 
758,2 
754,9 
gm 
SE 
og 
ogd 
751,3 
750,1 | 
149,3 
ogd 
cm 
e 
738,6 | 
3h 
734,0 | 
Bemerkungen 
Zunehmende Nordwestdünung, 
Trübe Luft. 
Grofser Hof um den Mond, 
Zuweilen Staubregen. 
Nordwestdünung ziemlich verschwunden. 
Diesige Luft. Um 6h 30m klart der Himmel in SW auf. 
Nach 8h fast klare Luft und heiterer Himmel, Wind zu 
nehmend. Strom N 86° W 29 Sm. 
Um 12h 30m Wind aus SSO schnell zunehmend, barge: 
mehr Segel, 
Gegen 1% wehte es schon stürmisch. Noch ehe das Grofssegel festgemacht 
war, flogen Vor- und Grofsbramsegel gänzlich weg. Die Obermarssegel konnten 
von der Mannschaft nicht mehr bewältigt werden, mufsten sie deshalb auch fliegen 
lassen. Ich glaubte es mit einem gewöhnlichen Sturm zu thun zu haben und 
gut vor Fock und Untermarssegeln weiter segeln zu können, aber es kam anders. 
Um 1"30” p wehte bereits ein schwerer Sturm mit einsetzendem Regen, und die 
Luft nahm ein drohendes Aussehen an. Es lief eine gewaltige See aus SSO und 
auch aus SSW. Gegen 3'p drehte der Wind schnell auf NW, für kurze Zeit 
noch etwas nördlicher, und begann nun als voller Orkan zu brausen. Wir hielten 
vor den Wind, um nicht back genommen zu werden. Es wurde finster, und die 
Luft war von der See nicht mehr zu unterscheiden. Die Wellenkämme wurden 
durch den Wind fortgeführt. Das Schiff lief nun mit grofser Fahrt gegen die 
hohe südliche See und nahm sogleich eine furchtbare See von vorne über. Die 
Fock wurde weggerissen, Alles an Deck fortgeschwemmt und das Deck, ein- 
schliefslich der Kajüte, bis oben an die Reling mit Wasser gefüllt. Die Mann- 
schaft hatte sich vorn unter die Back und hinten oben auf die Kajüte geflüchtet. 
Wir mußten nun ohne Zeitverlust sofort beidrehen und gingen mit den nur ganz 
wenig an B.B. angebrafsten Raaen auf St. B.-Halsen unter den Wind. Dabei 
brach die Kreuzuntermarsraa, und sämmtliche Brassen im Kreuztopp sowie die 
Kreuzmarssegel gingen in Stücke und flogen davon. Nun lag das Schiff vor 
Topp und Takel verhältnifsmäfsig gut, abgesehen davon, dafs abwechselnd Bug 
und Heck nach dem Himmel emporstrebten, denn die Nordwestsee war nun fast 
ebenso hoch wie die von Süden, Es schlug dann auch eine von dem wüthenden 
Orkan aufgethürmte Welle von hinten über das Heck, nahm das Steuerrad und 
den B. B.-Steuerkompafs mit fort und richtete anderen Schaden an. Das über- 
kommende Seewasser war ganz warm, dem Gefühl nach viel wärmer als die 
Luft. Das Geheul des Sturmes und der See waren gräfslich, und die durch den 
Wind in der Luft fortgeführten Wassermassen erstickten Einen förmlich. Mit 
seinem Nebenmann konnte man sich durch Sprechen nicht mehr verständigen. 
ba | Uhrzeit! 
Okt. 17 | dbp 
6hp | 
8hp 
Mittern. 
Ykte. 18 
Aha 
aba 
Vittag } 
N-Br 
W-.Le 
Y 
35° 19 | 31043 | 
Wind 
NW 12 
WNW 11 
WNW 10 
W 9—7 
WNW 7 
WNW 7—6 
WNW 7 | 
Jar. 
mm 
red. 
Wetter 
141,7 
749,3 
750,6 
751,3 
um 
u m 
u m 
752,1 o1xq 
7526 cap 
7152,81 eap 
Bemerkungen 
Voller Orkan. 
Um 4!/gt läfst die Wuth des Orkans nach, es weht abe 
noch ein schwerer Sturm, 
Gegen 10b Wind bis zur Stärke 9 abgenommen und wes! 
licher gedreht. 
Um Mitternacht halsten nordostwärts. Blitzen in SO. 
Böig und unbeständig. Seegang unregelmäfsig. 
Strom S74°0O 25 Sm.
	        
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