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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1900.
In Tschifu bestehen ein deutsches, ein chinesisches, ein japanisches und
ein russisches Postamt.
Telegraphenverbindung hat Tschifu mit Schanghai und Tientsin und
dadurch Anschlufs an alle Telegraphenlinien der Erde, namentlich auch an die
russischen Landlinien über Sibirien nach Europa.
Bisenbahnverbindung ist nicht vorhanden.
Seefischerei. Im April wird bedeutender Heringsfang für chinesischen
Gebrauch betrieben,
Schiffsausrüstung. Der Kesselkohlenvorrath, Kaiping-, Japan- und Cardiff-
Kohle, ist stets für jeden Bedarf ausreichend und befindet sich in Händen von
drei europäischen und zwei chinesischen Firmen, Der Preis für japanische Kohle
betrug im Jahre 1898 etwa 26 Mk. pro Tonne. Cardiff-Kohlen sind nicht mehr
zu haben, seit sich die englische Marine alle Vorräthe durch Verträge mit den
betreffenden Firmen gesichert hat.
Frischer Proviant ist in grofsen Mengen zu haben; die Preise gehen
jedoch wegen der starken Nachfrage (Anwesenheit vieler Kriegsschiffe, Bedürf-
nisse der Besatzungen von Kiautschou, Port Arthur und Wei hai wei) sehr in
die Höhe. Hammelfleisch kostete 1898 etwa 0,40 Mk. pro Pfund, Rindfleisch
0,20 Mk., Schweinefleisch 0,25 Mk., Enten und Hühner 0,50 bis 0,70 Mk. das
Stück, Gemüse 0,15 Mk. pro Pfund, Eier 2 bis 3 Pfg. das Stück, Milch 0,20 his
0,30 Mk. für %/4 Liter, Obst und Brot 0,15 Mk. pro Pfund.
Dauerproviant ist nur in geringen Mengen zu haben. Amerikanisches
präservirtes Fleisch kostet 0,40 Mk. pro Pfund, Mehl 0,08 bis 0,15 Mk., Reis
0,12 Mk., Erbsen 0,20 Mk., Zwieback 0,14 Mk.
Sonstige Ausrüstung ist gelegentlich in geringen Mengen und zu verhält-
nifsmäßig hohen Preisen zu haben. Schmieröl und Farbe sind vorräthig.
Wasser wird zum Preise von 1$ pro Tonne durch Wasserboote an Bord
geliefert. Weit vom Lande abliegende Schiffe müssen den Preis vereinbaren.
Auskunft für den Schiffsverkehr. Der deutsche Konsul, Dr. Lenz (1899),
wohnt etwa 10 Minuten von den Landungsbrücken entfernt auf dem Yentai-
Hügel; das Konsulatsgebäude ist aus grofser Entfernung von der Rhede sichtbar.
Elf verschiedene Seeassekuranzgesellschaften sind vertreten. Unter den vier
Schiffsagenturen befindet sich auch eine deutsche. KEin deutscher Schiffehändler
ist. am Ört. Banken giebt es zwei, eine Agentur der Hongkong & Schanghai-
Bank und der Russisch-Chinesischen Bank. Das in Tschifu befindliche Hospital
gehört der französischen katholischen Mission. Hafen- und Zollamt befinden sich
bei den Landungsbrücken, Hafenpolizeibehörde giebt es nicht; die Konsuln üben
Jurisdiktion und Polizeigewalt über die Schiffe ihrer Nationalität aus. Seekarten
und Segelanweisungen sind in beschränkter Auswahl und nur für die ostasiatischen
Gewässer zu haben.
Zeitball. Jeden Mittwoch und Sonnabend wird der mittlere Mittag in
Tschifu durch Fallen eines Zeitballes und durch gleichzeitiges Abfeuern eines
Kanonenschusses beim Zollhause angezeigt. Der Zeitball wird 5 Minuten vorher
am Flaggenstock der Signalstation auf dem Yentai-Hügel hochgezogen und fällt
um 0* 0” mittlere Ortszeit = 15" 54” 20° mittlere Greenwicher Zeit. Die Zeit-
bestimmung wird mit einem kleinen Passageinstrument gemacht und ist nach
Angabe des Hafenamtes innerhalb einer Sekunde zuverlässig.
Port Arthur.
Port Arthur oder Lu schun kau liegt auf der Halbinsel Kwang Tung,
etwa 2'/2 Sm westlich von der Swainson-Huk entfernt. Den Hafen bildet eine
tiefe Einbuchtung des Gelben Meeres, die in der Einfahrt nur schmal ist, sich
aber landeinwärts nach Ost und West hin erweitert. Die geographische Lage
ist. etwa 38° 47,8’ N-Br und 121° 15,4' O-Lg.
Landmarken, Die Küste östlich von Port Arthur verläuft in nahezu
West—Ostrichtung, während sie westlich von Port Arthur 5 Sm weit südwestliche
Richtung hat und sich dann 3 Sm weit nach Westen wendet. Auf dieser Küsten-
strecke erhebt sich, allmählich ansteigend, das Liau ti schan-Gebirge bis zu einer
Höhe von 450m. Da eine Ebene dieses Gebirge auf seiner Nordseite von den
benachbarten Bergen trennt, erscheint es von Weitem als eine Insel.