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Zugang zum Golf von Petschili.
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Die. Stadt Tschifu‘ hat etwa 50000 Einwohner, darunter 32 Deutsche.
Die Witterung gilt als die gesündeste der chinesischen Küste, ist aber infolge
der großen Temperaturunterschiede im Sommer und zwischen Sommer und Winter
angreifend. Im Mai herrschen heiße ausdörrende Südwinde; Juli, August, Sep-
tember sind Regenmonate mit grofser Hitze, die bis 30° R. im Schatten erreicht.
Heftige und häufige nördliche und Schneestürme herrschen im Winter, der
zwischen Mitte November und Dezember einsetzt. Der kälteste Monat ist
Februar, dessen niedrigste Temperatur etwa 8° R. beträgt, Westliche Winde
bringen häufig Regen und besonders schwüle Luft, während östliche Winde mit
klarem Wetter verbunden sind.
Cholera und Cholerine im Sommer, Pocken im Winter treten mit grofser
Sterblichkeit unter der einheimischen Bevölkerung auf. Wegen der Heftigkeit
der Winde kommt viel Rheumatismus vor. Der Genufs rohen, namentlich nicht
ganz reifen Obstes ist gefährlich. Das Trinkwasser ist ungesund; seiner schlechten
Beschaffenheit wird das Auftreten von Fieber und Dysenterie unter den Europäern
zugeschrieben.
Handelsverkehr im Jahre 1898. Es liefen ein:
Dampfer mit Ladung 853, in Ballast 416
Segler » » 7, 5
Es BHefen aus:
Dampfer mit Ladung 671, in Ballast 596
Segler » 7, " 3
Davon waren deutsch:
Einlaufend Dampfer mit Ladung 87, in Ballast 61
Auslaufend‘ % 94, » „54
englisch:
Einlaufend Dampfer mit Ladung 370, in Ballast 205
Auslaufend » » % 281, „ „ 293
Einlaufend Segler » ” De ” 3
Auslaufend 5 n By a 6
Chinesisch waren 362 Dampfer mit 315908 Registertonnen und etwa
1600 Dschunken. Sämmtliche Schiffe gehören der Küstenschiffahrt an, Korea,
Japan und Sibirien mitgerechnet.
Einfuhr: Baumwollwaaren, Kohle, Petroleum, Metalle, Metallwaaren,
Farben, Konserven u. s. w. im Werthe von 59'/2 Millionen Mark,
Ausfuhr: Seide, Strohgeflechte, Bohnenkuchen und Nudeln aus Bohnenmehl
im Werthe von 23,2 Millionen Mark.
Die direkte Durchfuhr betrug in 1898 etwa drei Millionen Mark. Das
Hinterland ist fast das alleinige Absatzgebiet für die eingeführten Waaren, ebenso
liefert es fast die gesammte Ausfuhr und viel Schlachtvieh. Aus dem Innern
kamen und gingen dorthin zurück etwa 120 000 Dampferpassagiere (1898). Die
Industrie des Ortes beschränkt sich auf Oelgewinnung aus Bohnen und Herstellung
von Bohnenkuchen. Eine grofse Anzahl von dicht am Wasser liegenden Schmieden
mit über 5000 Arbeitern verarbeiten altes Eisen zu allerlei Geräthen. Seiden-
produktion und Strohflechterei betreibt das Hinterland.
Postdampferlinien. Deutsche subventionirte Postdampfer laufen auf der
Strecke Schanghai— Tientsin den Hafen hin und zurück wöchentlich einmal an,
japanische subventionirte Postdampfer ungefähr alle 14 Tage nach Tientsin,
Niutschwang, Korea und Japan, desgleichen russische viermal wöchentlich nach
Port Arthur, dreimal monatlich nach Schanghai und Kiautschou ’und zweimal
monatlich nach Wladiwostok. Aufserdem ist häufige und bequeme Postverbindung
über Schanghai nach allen Plätzen der Erde, Fast alle Tschifu anlaufenden
Dampfer befördern Post. .
Außerdem bestehen noch regelmäfsige Dampferverbindungen nach Schanghai
und Tientsin fast täglich im Sommer und etwa zweimal wöchentlich im Winter,
nach Niutschwang drei- bis viermal wöchentlich während der eisfreien Zeit von
etwa Ende März bis Mitte November, nach Port Arthur fast täglich, nach Korea
und Japan ein- bis zweimal wöchentlich, nach Wladiwostok etwa einmal
wöchentlich, nach Amoy, Swatau, Hongkong und Kanton ein- bis zweimal
wöchentlich, nach Formosa selten, nach Kiautschou ein- bis zweimal wöchentlich,