Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1900.
In anderen Fällen wird man durch eine geeignete Einschaltung zum Ziele
gelangen.
Zur Erläuterung möge das folgende Beispiel dienen:
Am 30. Januar 1900 nachmittags 8'/4 Uhr mittlere Ortszeit wird bei
Bridgewater (51° 15‘ N-Br, 3° 0‘ W-Le) 14 m gelothet;
Welches ist die Wassertiefe, welche mit den Kartenangaben verglichen
werden muß, wenn der Hub 10,7 m beträgt?
Die Tafeln XXYVI und XXVII des Nautischen Jahrbuches ergeben, dafs
in Bridgewater das Nachmittags-Hochwasser an jenem Datum um 6" 19” statt-
findet. Die Lothung war mithin 2 Stunden nach Hochwasser angestellt; dafür
ergiebt die Tafel den Werth — 8 m. Mithin sind bei Niedrigwasser an jener
Stelle nur 6 m Wassertiefe zu erwarten, und dieser Werth ist in der Karte zu
verwerthen.
Zur
Berechnung der Breiten- und Längenberichtigung nach der
Standlinienmethode.
Von W, Reuter, Königlicher Navivationslehrer.
(Mit drei Textfiguren.)
Herr Dr. Fulst hat in Heft X 1899 der Annalen ein Verfahren an-
gegeben, nach dem die Besteckberichtigung nach der Höhenmethode leicht und
sicher berechnet werden kann. Hierdurch angeregt, erlaube ich mir ein ähn-
liches Verfahren zur Lösung der Längen- und Breitenmethode vorzuschlagen,
welches allerdings schon von Herrn Professor
Weyer (Annalen 1885, Heft I) angedeutet,
aber, so weit mir bekannt, nicht weiter be-
achtet ist. Vorher möchte ich aber auf einige
besondere Fälle in der von Herrn Dr. Fulst
für die Höhenmethode gegebenen Lösung ein-
gehen und zugleich zeigen, wie man sich helfen
kann, wenn die Hülfstafel nicht zur Hand
sein sollte.
Die Benennungen der Winkel und der
übrigen vorkommenden Größen seien dieselben,
wie sie Herr Dr. Fulst eingeführt hat. In dem
Kreisviereck A, G A, 5S, dessen Diagonale
GS = b die Besteckversetzung ist, und die
stets durch den Mittelpunkt des umge-
schriebenen Kreises geht, ergiebt sich für die
Winkel 5 und d — ß die Gleichung:
Ah, Ah,
POS 3 eos (d — y}
oder:
wos; 4 bh.
cos(d—ß) © Ah,
Bezeichnet man nun den Unterschied der Winkel ß und d—ß mit u, so
folgt aus dieser Gleichung auf bekannte Weise:
dh, — 4h
fc 312 . soter x
gu Ah, + dh, otg d/,
oder für die Rechnung in diesem Falle bequemer:
dh, + 4h, 4
cotg u/, = AZ ‚tg dj;
5X
LS
Nun ist immer 8 = d/,— u/,, und zwar erhält man -} ß, wenn d/, > u/4,
und — 8, wenn d/2<u/, ist. Im ersten Falle liegt GS innerhalb des Winkels
d und im zweiten Falle aufserhalb Ah,; das Viereck A,G A,S geht dann in
ein sogenanntes überschlagenes Viereck über. Mit 8 und Ah, findet man die