Der Golf von Petschili.
darf man hierbei doch nicht den Einflufs der täglichen Ungleichheit der Gezeiten
(vergl. Gezeitentafeln für das Jahr 1900, Seite 204) aufser Acht lassen,
Die höchsten Gezeiten treten etwa zwei Tage nach Voll- und Neumond
auf. Die mittlere Fluthhöhe bei Springtide-Hochwasser ist etwa 3,3 m, während
sie bei‘ Nipptide oft nur 1,5 m beträgt. Die Morgengezeiten im Sommer sind
am wenigsten zuverlässig, da die Fluthhöhe gewöhnlich verhältnifsmäfsig gering
ist. Das Wasser fällt meist schon 0,3 bis 0,6 m, ehe der Ebbstrom an der Ober-
fläche auszulaufen beginnt; ebenso tritt ein entsprechendes Steigen des Wassers
ein, ehe der Fluthstrom an der Oberfläche einläuft. Nach schweren Nordost-
stürmen hört das Steigen des Wasser auf der Barre zuweilen auf; erst einige
Tage später tritt die Reaktion ein, indem das Wasser höher als gewöhnlich steigt.
Aufserhalb der Barre setzt der Fluthstrom nordnordwestwärts bis nord-
nordostwärts.
Die Barre hat eine Ausdehnung von etwa 2 Sm und besteht aus hartem
Sandgrund. Die geringste Wassertiefe auf ihr beträgt bei Springtide-Niedrig-
wasser 2,1 m. Bei mittlerem Hochwasser findet man 5 bis 5,5 m, bei starken
Südwestwinden bis 6,5 m Wasser auf ihr. Ausnahmsweise soll unter letzteren
Verhältnissen der Wasserstand sogar eine Höhe bis zu 7,3 m Höhe erreichen.
Bei nördlichen Winden darf man im Allgemeinen nicht auf mehr als 4,5 m
Wasser bei Hochwasser rechnen. (Siehe auch Gezeiten.) Ein Pegel an der
Zollhauslandungsbrücke in Niutschwang zeigt eine 0,75 m (2'/2 Fufs) geringere
Wassertiefe als auf der Barre.
Das Fahrwasser über die Barre wird durch zwei schwarze und eine roth
und schwarz wagerecht gestreifte Tonne, die im Winter durch Spierentonnen
ersetzt werden, bezeichnet. Mit der Veränderung des Fahrwassers werden auch
die Tonnen verlegt. Die äufsere Barretonne, die ein Kegeltoppzeichen trägt,
Spitze nach unten, liegt zur Zeit 0%4S, 2,7 Sm vom Feuerschiff entfernt, wärend
die mittlere Tonne NO%sN, 1,6 Sm von der äufseren und die innere Tonne
N0z0!/40, 2,1 Sm von der mittleren peilt. Die beiden letzteren Tonnen haben
Rautentoppzeichen. |
Einsteuerung in den Liau-Flufls. Der Flufs ist gewöhnlich etwa vom
25. November bis zum 20. März für Dampfer und vom 15. November bis zum 1. April
für Segelschiffe durch Eis gesperrt. Das Fahrwasser wird durch sechs Baken
bezeichnet, die jedoch im Winter, soweit sie durch Treibeis gefährdet sind, ein-
gezogen werden. Ihre Lage ist daher: leicht Veränderungen unterworfen,
Unterhalb der Ost-Spit-Bake befinden sich, während der Flufß noch offen
ist, drei Fischbuhnen und zwar eine an der Westseite und zwei an der Ostseile
des Fahrwassers. Da diese Buhnen gute Leitmarken sind, werden die äufseren
Reiben derselben, die mit Korbtoppzeichen versehen sind, auch während des
Winters stehen gelassen.
Die Ost-Spit-Bake ist roth mit zwei Bällen als Toppzeichen und markt die
Westkante der Ostbank. Etwas über 1 Sm weiter oberhalb stehen zwei weitere
Baken am linken Ufer des Flusses; die eine, Nodding Tommy genannt, ist roth
und weiß mit Rautentoppzeichen und steht an der Ostgrenze des Fahrwassers,
während die andere, die Neue Bake mit Trommeltoppzeichen, auf der linken
Mündungshuk etwa 3!/a Kblg. südöstlich von der ersteren errichtet ist. Weiter
oberhalb auf dem linken Ufer folgen die rothe Mittelbank-Bake mit rothem Korb-
toppzeichen an der Ostgrenze des Fahrwassers und die 15 m hohe Flaggenstangen-
Bake. Diese trägt zwei rautenförmige Toppzeichen und ist roth und zwischen
den Toppzeichen ‘weifßs; sie steht auf dem festen Lande 7 Kblg. nordöstlich von
der Mittelbank-Bake, die 2!/4 Sm von der Bake Nodding Tommy entfernt ist.
Auf der rechten Mündungshuk endlich befindet sich die 12 m hohe Fischhaus-
Bake mit schwarzem Rautentoppzeichen in der Nähe von einigen Fischerhütten.
Die Einsteuerung sollte wegen der vielen Aenderungen im Fahrwasser,
besonders wenn die Seezeichen für den Winter schon eingezogen sind, nicht ohne
Lootsenhülfe unternommen werden. Vom Feuerschiffe halte man auf die äufsere
Barretonne zu und lasse diese ebenso wie die mittlere an B.B., während die
innere Tonne an beiden Seiten dichtbei passirt werden kann, . Die Gezeiten-
ströme setzen schräg über die Barre und zwar der Fluthstrom etwa NzO und der
Ebbstrom SzW mit einer Geschwindigkeit von 2 bis 4 Sm. Die Westbank fällt
steil ab. während die Ostbank allmählich abflacht. Fleißiges Lothen wird das
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