Der Golf von Petschili.
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Ninghai,?)
Von Ho-tung-schai ist Ninghai durch zwei Buchten getrennt, in deren
Mitte die von einigen Klippen umgebene Creek-Huk liegt. Beide Buchten, von
denen die südliche Shallow-Bucht heifst, sind anscheinend rein, Die Pagode auf
der Creek-Huk, die als Landmarke diente, ist seit einiger Zeit wegen Anlage
eines neuen Hafens abgebrochen worden. Ninghai ist ein Fort, das etwa 20 Sm
nordöstlich von Ho-tung-schai am Ende der grofsen chinesischen Mauer liegt.
Der Ankerplatz vor dem Fort ist gegen östliche und südliche Winde ungeschützt.
Die Wassertiefe beträgt in der Peilung des im Fort stehenden Tempels NzW,
1!/s Sm vom Strande entfernt, etwa 8 m und 1'/s Sm vom Strande 3'/z m. Innerhalb
dieser Tiefe ist der Grund felsig. Die vor der Shoal-Huk liegende Untiefe mit
nur 0,9 m Wasser, die steil abfällt, ist zu vermeiden. Kin kleiner Hafen für
Dschunken befindet sich 2'/a Sm südlich von der grofsen Mauer; er bietet einen
Landungsplatz für Boote. Die nördliche Einfahrt ist die beste.
Etwa 1'/ Sm von Ninghai liegt ebenfalls an der grofsen Mauer die Stadt
Schanhaikwan, von wo aus eine bedeutende Verkehrsstrafse nach Peking und
Eisenbahn nach Tientsin führt. Das ganze Land in der Umgebung von Ninghai
sowohl wie von Ho-tung-schai ist gut bebaut und liefert reichliche Feldfrüchte
and Futter für die zahlreichen Viehherden.
Niutschwang.?)
Der Hafen von Niutschwang, auch Yingtse genannt, liegt etwa 26km oberhalb
der Mündung des Liau-Flusses (Liau-ho) in der Provinz Schengking, während die
Stadt Niutschwang selbst etwa 48 km weiter stromaufwärts liegt. Der Liau-
Flufs entspringt in der Mongolei und durchströmt in seinem Unterlauf eine 70 Sm
breite, nur wenig über dem Meeresspiegel liegende Ebene, die an der Mündung
mit Bäumen bewachsen und von Deck nur 7 bis 8 Sm weit sichtbar ist. Er
mündet in den nordöstlichen Theil der Liau Tung-Bucht.
Ansteuerung. Vom Osten kommende Dampfer passiren das 460 m hohe
Liau ti schan-Vorgebirge in .einem Abstande von 1 bis 2 Sm und laufen dann
gewöhnlich zwischen der Riffinsel und Eiseninsel einerseits und der Kwantung-
Halbinsel andererseits hindurch. Dem Kap Collinson kann man sich bis auf ge-
ringe Entfernung nähern. Von hier steuert man so, dals man die Nordhuk in
einem Abstande von 4 bis 5 Sm passirt, und setzt dann den Kurs gerade auf das
Niutschwang-Feuerschiff. Nach dem Passiren der Bittern-Untiefen thut man gut,
sich nahe am Lande zu halten, dem man sich unbesorgt bis zur 9m-Grenze
nähern darf. Man mufs nur bei der Annäherung an das Feuerschiff das unter
Wasser befindliche Wrack, das SWzW1/AW, 2!/s Sm vom Feuerschiff entfernt liegt,
vermeiden. Am gefährlichsten sind die Kaechu-Bänke im nördlichen Theile der
Liau Tung-Bucht, da der Fluthstrom, nachdem er bis zur Fort-Huk der Küsten-
richtung nordostwärts gefolgt ist, sich nordwärts wendet und auf diese Bänke
zusetzt. Daher kommt es häufig vor, dafs Schiffe, die den Bittern-Untiefen gut
aus dem Wege gehen wollen, nach den Kaechu-Bänken hinüber versetzt werden,
ohne etwas vom Niutschwang-Feuerschiff gesehen zu haben. Wenn man unter
diesen Umständen nach Zurücklegung der richtigen Entfernung Wassertiefen von
7 bis 11 m lothet und den Schiffsort durch Landmarken nicht bestimmen kann,
da die ganze Nordküste der Bucht zu niedrig ist und die Anhöhen an der Ost-
seite zu weit entfernt sind, um sicher ausgemacht zu werden, so empfiehlt es
sich, ostwärts oder, wenn die Wassertiefen noch mehr abnehmen, südostwärts zu
steuern, bis man in das durch zahlreiche aus- und einlaufende Dschunken be-
zeichnete Fahrwasser zum Liau-Flusse gelangt. Ein Schiff, das in Sicht vom
Feuerschiffe einen gefährlichen Kurs steuert, wird durch einen Kanonenschufs
vom Feuerschiff gewarnt. Der richtige Kurs wird hierauf durch Flaggensignale
dem Schiff mitgetheilt,
Der Ebbstrom setzt längs der Küste südwärts. Im westlichen Theile der
Bucht ist wenig Strom zu merken. S. M. S. „Cormoran“ fand im August 1897
auf der Fahrt von Ninghai nach Niutschwang keinen Strom.
5) Engl. Adm.-Karte No. 598, .
3 Engl. Adm.-Karte No. 2894: „Liau River.“