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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1900.
Schiffsausrüstungsstücke, ausgenommen Ankerkeiten und Boote, sind
nur zu hohen Preisen zu haben; der Platz ist also zu Ausrüstungen nicht geeignet.
Schiffsmasten und Boote soll die chinesische Kriegswerft in Taku (vergl. Seite 343)
anfertigen können.
Auskünfte für den Schiffsverkehr. Deutscher Konsul, Dr. Rud. Eis-
waldt, wohnt im englischen Viertel in Tientsin. Etwa 100 deutsche Reichs-
angehörige leben in Tieptsin, darunter auch ein Arzt und mehrere Agenten von
deutschen Dampferlinien. Eine deutsche, eine russische und zwei englische See-
assekuranz-Gesellschaften, sowie fünf Bankinstitute einschliefslich einer chinesischen
Staatsbank sind am Orte. Die Geschäftsräume der Zollbehörde liegen im fran-
zösischen Viertel in Tientsin. Krankenhäuser sind zwei vorhanden mit barm-
herzigen Schwestern als Pflegerinnen. Ein Seemannsheim (Temperance Hall),
wo Seeleute wohnen können und dem Einflusse eines Hausvaters und einer Haus-
mutter unterstehen, ist ebenfalls vorhanden. KErwähnt sei, dafs es auch in fried-
lichen Zeiten nicht rathsam ist. die chinesischen Viertel ohne Laternen auf-
zusuchen,
Pei-tai-ho (Ho-tung-schai).!)
Der fälschlicherweise mit Pei-tai-ho bezeichnete Badeort führt den Namen
Ho-tung-schai und liegt auf 39° 50‘ N-Br und 119° 29‘ O-Lg, W%/AN 2,7 Sm von
der Rocky-Huk und etwa 95 Sm nordöstlich von Taku. Der Name Pei-tai-ho
gebührt nur dem Flufs, an dessen Mündung der Ort liegt, und der Bahnstation.
Ersterer findet sich auf der britischen Admiralitätskarte unter dem Namen
Taicho-ho. Der Ort Liu-sia-kwang liegt etwa 1 Sm östlich von dem Badeort.
Mit Tientsin ist der Badeort durch Eisenbahn verbunden; die Fahrt dahin er-
fordert etwa acht Stunden. Die Bahnstation liegt etwa 5/4 Stunden von der See
entfernt, jedoch schliefsen Ueberfluthungen des Pei-tai-Flusses nach starken Regen-
güssen zeitweise den Badeort von jedem Verkehr ab.
Eine Landungsbrücke soll gebaut werden. Die Landung am Strande ist
mit grofsen Schwierigkeiten verknüpft, da der ganze Strand unmittelbar der
hohen auflaufenden See ausgesetzt ist und an keiner Stelle einen Schutz für
Jandende Boote aufzuweisen hat. Der Weg zum Landuugsplatze führt zwischen
zwei Sandbänken hindurch, von denen die eine von der Rocky-Huk, die andere
von der Mündung des Pei-tai-ho ausläuft. Die Wassertiefe in der Durchfahrt
zwischen den Sandbänken beträgt %4 Sm vom Strande 3,5 m und 2'/4 Sm vom
Strande 8 m. Für Dampfer soll eine Landungsbrücke zum Löschen und Laden
nördlich von der Rocky-Huk in der Shallow-Bucht erbaut werden, dafs selbst
tiefgehenden Dampfern das Anlegen ermöglicht sein wird.
Ueber die Ansteuerung von Ho-tung-schai sagt der Reisebericht
S. M.S. „Cormoran“, Kommandant Korvettenkapitän Brussatis, August 1897,
Folgendes: Die Ansteuerung bietet für Schiffe mittleren und geringen Tiefganges
keine Schwierigkeit. Die Mündung des Yang-ho ist bereits von Weitem an den
zahlreichen dort verankerten Dschunken zu erkennen. Auf der Fahrt von Taku
nach Ho-tung-schai setzte der Strom bei südlichem Winde zwischen dem Taku-
Feuerschiff und Schalutien westwärts mit einer Geschwindigkeit von 1,5 Sm,
zwischen Schalutien und der Lau-ma-ho-Mündung südwärts mit einer Geschwin-
digkeit von 1,5 Sm und von hier ab mit einer Geschwindigkeit von etwa 1 Sm.
Auf der Rhede von Ho-tung-schai ist nur geringer Strom zu merken. Schiffe
geringen Tiefganges finden etwa 1’'/a Sm vom Badeorte entfernt guten Ankerplatz.
Die Deckpeilung: Hotelartiges Gebäude und dabhinterliegender grauer
Berg in NW!/AW ist für Schiffe, die auf 7 bis 8 m Wasser ankern können, als
Einsteuerungslinie zum Ankerplatz zu empfehlen. Die Wassertiefen nehmen ganz
allmählich ab, so dafs das Loth einen sicheren Anhalt über die zu erwartenden
Tiefen giebt. Der Ankergrund besteht unter der Rocky-Huk, die in einem Ab-
stande von einigen Kblg. von einem Riff umgeben ist, aus Schlick, weiter süd-
lich und östlich aus Sand.
Das Leuchtfeuer auf der Rocky-Huk, das von einem Priester aus Privat-
mitteln unterhalten wird und 3 bis 4 Sm weit sichtbar ist, ist nicht zuverlässig.
Gezeiten. Die Hafenzeit vor der Mündung des Pei-tai-ho ist 0* 15”, die
Fluthhöhe etwa 1,8 m.
|) Vgl. Tafel 28: „Ann. d. Hydr. ete.“ 1897, Heft XI. Engl. Adm.-Karte No, 598.