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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Der Golf von Petschili, 
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den’ Hafen gelangt. Solche Fälle sind jedoch: Ausnahmen. Schiffe von 3 m Tief- 
gang können gewöhnlich ohne zu leichtern den Hafen erreichen. 
Um den Schiffen, deren Tiefgang das Ueberschreiten der Barre nicht ge- 
stattet, das Erreichen des Hafens von Tongku zu ermöglichen, wird vor der 
Barre ein Theil der Ladung in Leichter gelöscht. Diese Leichter werden unter 
Zollverschlufs mit Schleppdampfern bis nach Tientsin hinauf befördert. 
Landungsbrücken. Am linken Flufsufer im Hafen von Tongku befinden 
sich drei Landungsbrücken, von denen zwei nur von Schiffen der Eigenthümer 
benutzt werden dürfen, die auch bei Niedrigwasser nur etwa 1m Wassertiefe 
längsseit haben. Die dritte, der chinesischen Staatsbahn gehörige Brücke kann 
von Seeschiffen gegen Bezahlung einer Gebühr zum Löschen und Laden benutzt 
werden. Diese Brücke ist etwa 300 m lang und hat längsseit bei Niedrigwasser 
5m Wassertiefe. Die Brücke ist mit zwei Handkrähnen von 30 und 4 t Hebe- 
kraft ausgerüstet. Im Anschlufs an das Hauptbahngleis Schanhaikwan— Tongku— 
Tientsin— Peking und Pao-ting-füu läuft längs der drei Landungsbrücken ein 
Schienengleis. 
Kohlenausfuhr. Tongku ist Ausfuhrhafen für die sogenannte Kaiping- 
Kohle; der Umfang der stets erheblichen Kohlenvorräthe ist unbekannt. Die 
Kohlen werden in Tongschan und Kaiping, etwa 80 Sm auf dem Schienenwege 
von Tongku und Schanhaikwan, gewonnen. Schiffe, die längsseit der Landungs- 
brücken liegen, erhalten ihre Kohlenedurch Kulis in Körben an Bord getragen. 
Für die aufserhalb der Barre liegenden Schiffe werden die Kohlen in Kohlen- 
prähmen der Taku Tug & Lighter Co. mit Schleppern herausgebracht und dann 
mit eigener Dampfkraft übergenommen. 
Tientsin.!) 
Tientsin, mit dem Sitze des Generalstatthalters der Provinz Tschili, am 
Vereinigungspunkte Huei mit dem Peiho und 20 geographische Meilen von Peking 
entfernt, nimmt als Hafenstadt und gewissermafsen als der Schlüssel zur Haupt- 
stadt des chinesischen Reiches sowie Ausgangspunkt und Hauptstapelplatz eines 
sehr grofsen völkerreichen und fruchtbaren Hinterlandes in politischer und 
kommerzieller Beziehung unter den Städten Nordcehinas unbestritten die erste 
Stelle ein. Mit Peking in kommerzieller Hinsicht verglichen, ist Tientsin der 
Reichshauptstadt bedeutend überlegen. Als Hinterland von Tientsin gilt: 1. die 
ganze Provinz Techili, 2. ein Theil von Schantung, 3. ganz Schensi, 4. Schaosi, 
5. Kansu, 6. das neue Gebiet Turkestan u. s. w., 7. Mongolei und 8. ein Theil 
der Mandschurei; also ein Hinterland von ungefähr der Gröfse Europas mit 80 
bis 100 Millionen Einwohnern. Nach Schätzung hat die Stadt Tientsin eine 
Million Einwohner. 
Die eigentliche Stadt Tientsin wird von einem Mauerviereck eingeschlossen; 
die Mauerkronen tragen Zinnen, Thürme stehen in den Kcken des Vierecks. 
Unmittelbar am Flusse liegen Vorstädte, die ausgedehnter als die eigentliche 
Stadt selbst sind und sich 2: Sm flulsabwärts erstrecken. Die Vorstädte sind 
der Sitz des Handels. Die chinesischen Stadttheile sind ungesund. Die Nieder- 
lassungen der Europäer liegen etwa 2 Sm flufsabwärts von der Stadt. Im 
englischen Viertel, am Südufer des Flusses, befindet sich eine Anlegebrücke, 
an der Dampfer löschen können. Etwa */4 Sm unterhalb des englischen Viertels 
liegt das chinesische Zollamt. 
Die chinesische Regierung besitzt in Tientsin unter der Leitung Fremder 
ein Pulver- und eine Geschofsfabrik sowie eine Torpedoschule. 
Auszug aus der Hafenordnung von Tientsin nach dem Entwurf des 
Hafenmeisters J. H. J. Susemihl vom 31. Juli 1899: 
1. Die Grenzen für die Ankerplätze, innerhalb deren fremde Seeschiffe 
löschen und laden dürfen, sind: 
a) zu Tientsin: von der Rue de France im französischen Viertel im 
Norden bis zur unteren Grenze des Dorfes Siao-Sun-Tschwang im Süden. 
b) zu Tongku: von der unteren Grenze des Dorfes Tongku bis zu den 
Forts an der Flulsmündung. 
) Engl. Adm.-Karte No. 2654.
	        
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