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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1900.
Sturmwarnungen werden auf der Lootsensignalstation in Taku gemacht.
Die Wetterwarte in Zikawei bei Schanghai sendet Sturmwarnungstelegramme nach
Taku. Die Art und Bedeutung der Signale siehe „Ann. d. Hydr. etc.“ 1897, Seite 547.
Der Peiho zwischen Taku und Tientsin.?)
Der Peiho oder Weiße Fluß, auch Peking-Flufs genannt, ist von der
Quelle bis zur Mündung etwa 270 Sm lang und bildet die Hauptverkehrsstraße
nach Peking. In seinem Unterlauf durchfliefst der Peiho die Ebene mit starken
Krümmungen, so dafs der Wasserweg zwischen Taku und Tientsin 50 Sm lang
ist, während die Luftlinie nur 25 Sm mifst. Infolge fortschreitender Versandung
des Flusses ist es in den letzten Jahren unmöglich geworden, mit Seeschiffen
Tientsin selbst zu erreichen. Die Vertiefung der Flufsstrecke von Tongku (etwa
8 km oberhalb von Taku) bis nach Tientsin wurde im Jahre 1898 in Angriff ge-
nommen; die gesammten Vertiefungsarbeiten sollen nach dem Plane einen Kosten-
aufwand von 250 000 Taels (etwa 700 000 Mk.) machen.
Einsteuerung in den Peiho. Da die Peiho- Mündung und ihre Barre,
wie schon auf Seite 343 gesagt, fortwährenden Aenderungen unterworfen sind,
lassen sich keine bestimmten Regeln für die Einsteuerung geben, man mufs sich
vielmehr auf die Lootsenhülfe (vgl. Seite 340) verlassen. Beim Flufsaufwärts-
steuern ist wegen der starken Windungen des Flusses gröfste Vorsicht geboten.
Früher haben schon Dampfer von 36 m Länge Tientsin zur Springtide, ohne
unterwegs festzukommen, erreicht. Pfähle zum Festmachen von Verholtrossen
sind an den schlimmsten Stellen bei den Flufskrümmungen angebracht. Doppel-
schraubendampfer brauchen solche Hülfe nicht. Da stellenweise das Fahrwasser
so eng ist, dafs zwei Schiffe sich nicht frei begegnen können, so ist es Brauch
geworden, dafs dasjenige Schiff, welches gegen die Tide läuft, mit seinem Bug
auf den weichen Grund läuft, um dem anderen Schiffe Platz zu machen. Sollte
ein Schiff nachts im Flusse ankern müssen, so mufs scharfer Ausguck gehalten
werden auf Dschunken, die meistens breitseits flußabwärts treiben, und von denen
manche so grofs und schwer sind, auch so hoch aus dem Wasser ragen, dafs sie
dem Schiffe schädlich werden könnten. Von Ende Mai bis Anfang September
trifft man die meisten Dschunken im Flusse; die siamesischen sind die größten.
Nachtsignale der Schiffe auf dem Peiho. Folgende Nachtsignale sind
auf dem Peiho Brauch geworden:
Die Ankerlaterne und drei weiße Lichter an der Gaffel oder am Flaggen-
stock bedeutet: „Ich liege zu Anker“.
Die Ankerlaterne und zwei Lichter senkrecht untereinander an der Gaffel
oder am Flaggenstock bedeutet: „Ich liege auf dem Grunde fest“. (Während
des Bemühens flott zu werden, müssen die gewöhnlichen Dampferlichter dazu
gesetzt werden.)
Die Ankerlaterne, ferner zwei Lichter senkrecht untereinander an der
Gaffel und ein Licht in jedem Masttopp, und zwar das des hinteren Mastes wo-
möglich roth, bedeutet: „Ich liege auf dem Grunde fest, und das Fahrwasser ist
so gesperrt, dafs es gefährlich ist, an mir vorbei zu gehen“.
Dampferkurssignale. Dampfer, die mit der Tide gehen, haben das
Wegerecht und hissen eine blaue Flagge im Vortopp; diejenigen Dampfer, die
dieses Recht anerkennen, hissen einen weißen Wimpel mit einem rothen Ball.
Zwei Dampfer, die beide die blaue Flagge gehifst haben, dürfen unter keinen
Umständen versuchen, einander vorbeizugehen. Eine rothe Flagge im Vortopp
bedeutet, dafs grofse Vorsicht beim Vorbeigehen nöthig ist: Gefahrsignal.
Pfeifensignale, Ein kurzer Pfiff bedeutet: „Ich drehe nach St. B.“; zwei
kurze Pfiffe: „Ich drehe nach B.B.“; drei kurze Pfiffe: „Kommen Sie, Durch-
fahrt ist frei“,
Tongku heifst der Platz etwa 8 km flußsaufwärts von der Peiho-Mündung,
wo jetzt das Löschen und Laden der Seeschiffe stattfindet. Tongku liegt am
linken Ufer des Flusses, dessen Breite hier 300 m nicht übersteigt, weshalb alle
Schiffe mit zwei Ankern vertäut liegen müssen.
Schiffe von 100 m Länge und 4m Tiefgang mit über 2000 Registertonnen
Nettoraum sind, nachdem sie theilweise aufserhalb der Barre gelöscht hatten, in
ij) Engl. Adm.-Karten No, 2653 und 2654: „Peiho or Peking River“, sheet I. II.