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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1900.
Der Hitze und Dürre des Augusts und Septembers folgte in Tientsin
1884/85 ein sehr gemäfsigter und ebenfalls trockener Herbst und Winter. Im
Oktober und November wurde nur Nachtfrost beobachtet; auch während des
gröfsten Theiles des Dezembers stand in den Mittag- und Nachmittagsstunden
das Thermometer über Null, und erst gegen Ende des Monats trat andauernde
Kälte ein, jedoch fiel die mittlere Temperatur im Dezember bis Februar nur
wenige Grade unter den Gefrierpunkt, da auch in diesen Monaten die Kälte
durch die Sonne bedeutend gemildert wurde. Der Flufs fror am 16. Dezem-
ber in der Gegend von Tientsin zu, und am 3. März kam das Eis wieder ins
Treiben.
Der Peiho ist in der Regel etwa Mitte Dezember als für die Schiffahrt
durch Eis geschlossen zu betrachten. Anfang Januar ist das Meer bis auf 5 Sm
vom Lande mit einer Eisfläche bedeckt, und gegen Ende dieses Monats hat das
Küsteneis eine Breite von 20 bis 30 Sm erlangt, bei einer Dicke von 0,6 bis
0,9 m, während Treibeis vor der Flufsmündung bis auf einen Abstand von
75 Sm angetroffen wird. Bei der Scha-lui-tien-Insel, 30 Sm 0%45S von dem
äußeren Ankerplatze vor dem Peiho, hindert die starke Strömung das Festsetzen
des Eises. Die ganze westliche Bucht des Golfes von Petschili bekommt eben-
falls einen Eissaum, allein nicht in einer solchen Breite wie bei dem- Peiho.
Trinkwasser, Allen China besuchenden Schiffen kann es nicht oft genug
anempfohlen werden, Wasser zum Trinken oder Kochen ohne sorgfältigste Aus-
wahl und Untersuchung des Wasserplatzes niemals vom Lande zu nehmen. Wenn
destillirtes Wasser nicht zu haben ist, muß das vom Lande genommene Wasser
stets vor dem Gebrauch für jeden Zweck abgekocht werden. Wegen der schmutzi-
gen Gewohnheiten der Chinesen sind alle Flüsse und Bäche unrein und ihr
Wasser gesundheitsgefährlich.
Die Petschili-Strafse.)
Die Strafse von Petschili liegt zwischen der Nordküste der Halbinsel
Schantung und der Südküste der Halbinsel Kwang-tung. Die 15 Miau-Tau Inseln
theilen die südliche Hälfte der Stralßse in mehrere Durchfahrten, von denen für
Jie Schiffahrt folgende, von Süden gerechnet, hauptsächlich in Betracht kommen:
Die Miau-Tau-Strafßse zwischen der Küste von Schantung und den Tschang-Schan-
inseln;. ferner der Tschang-Schan-Pafs zwischen diesen Inseln und der Insel
Howki, und die Kao-Schan-Durchfahrt zwischen den Inseln Howki und Kao-Schan.
Die Miau-Tau-Strafse wird meist nur von solchen Schiffen benutzt, die
entweder vor Tengtschou oder im Hope-Sund ankern wollen. Von Osten kom-
mend, mufs man Eiland-Huk östlich frei von Spit-Huk auf der Insel Tchang-
Schan halten, bis man die Nord-Huk der kleinen Insel Miau-Tau (in der Mitte
der Tschang-Schan-Inselgruppe) frei von der Schiff-Huk (Südwest-Huk von
Tschang-Schan) sieht. Auf diese Weise bleibt man frei von dem Sandsteert an
der Südspitze der Insel T'schang-Schan. Will man auf der Rhede von Tengtschou-
Fu ankern, so laufe man auf die Stadt zu, sobald die Huk Tengtschou WSW
peilt, und ankere auf etwa 10 m Wasser. Um das Strandriff an der Ostseite der
Rhede von Tschang-Schan zu vermeiden, darf man den Hügel auf der Low-Huk
nicht östlicher als 0S0*!/40 peilen.
Tengtschou-Fu gehörte ursprünglich zu den durch den Vertrag von Tientsin
geöffneten Häfen, wurde aber, weil es für den Seeverkehr ungeeignet ist, durch
Tschifu ersetzt. Die Stadt ist befestigt und hat eine kleine natürliche Hafen-
bucht, in der ganze Flotten von Dschunken dicht zusammen und geschützt gegen
alle Winde liegen; die Einfahrt des Hafens ist sehr flach, die Wassertiefen sind
vom Stande der Tide abhängig, dessen Unterschied bis zu 2 m beträgt. Im
Sommer wird Getreide verschifft, In der Stadt sind nur Getreide und Erbsen
zu bekommen.
Durchsteuerung der Miau-Tau-Strafse. Wenn man frei von dem Sand-
steert von Tschang-Schan ist, halte man sich an der Nordseite der Strafse auf
etwa 12m Wasser und vermeide, auf etwa 20 m Wassertiefe zu kommen, weil
das tiefste Wasser dicht an der Kante der Tengtschou-Bank liegt; um, diese Bank
\ Engl. Adm.-Karte No, 1392: „Pechili Strait“,