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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Ann. d. Hydr. ete., XXVIIL Jahrg. (1900), Heft VIIL 
AA 
Der Golf von Petschili. 
Aus dem Gelben Meere gelangt man durch die mit Inseln reich besetzte 
Strafse von Petschili in den Golf von Petschili, dessen nordöstlicher Theil Liau- 
Tung-Golf genannt wird. Die Entfernung vom Kap Schantung bis zur Petschili- 
Straße beträgt etwa 100 Sm, und die Entfernung von dieser Strafe bis zur 
Mündung des Peiho im innersten westlichsten Theile des Golfes von Petschili 
beträgt etwa 150 Sm. Die Entfernung von der Petschili-Straße bis zur Mündung 
des Liau-Ho, an der der Hafen Niutschwang liegt, beträgt ebenfalls etwa 150 Sm; 
die Liau- Ho - Mündung liegt im innersten nordöstlichen Theile des Golfes von 
Liau-Tung.*) . 
Witterung. Nach dem „Segelhandbuch für den Stillen Ozean“ (heraus- 
gegeben von der Direktion der Deutschen Seewarte) sind unsere Kenntnisse über 
die Witterungsverhältnisse an den Küsten des Golfes von Petschili noch recht 
mangelhaft. Doch kann aus den langjährigen Beobachtungen in Peking ein hin- 
reichend sicherer Schlufs auch auf diese Buchten gezogen werden, Im Sommer 
sind leichte veränderliche Winde aus dem südlichen Halbkreise des Horizontes 
und Windstillen, im. Winter Winde aus dem entgegengesetzten Halbkreise, von 
einer gröfseren Beständigkeit und Stärke und manchmal zum Sturme von N nach 
NW zunehmend, vorherrschend. Im Sommer ist das Wetter meistens schön, nicht 
selten kommen Regen und Gewitter vor — im Winter manchmal sehr kalt, mit 
gelegentlichen Schneefällen, jedoch überwiegend heiterem Himmel. Zur Zeit 
der Herbst-Tag- und Nachtgleichen ist das Wetter unbeständig; westliche Winde 
mit gelegentlichen Stürmen sind vorherrschend. Im Oktober fällt die Wasser- 
wärme um etwa 10°C; scharfe Nachtfröste treten ein. Ende Oktober treten 
schon im nördlichen Theile des Liau-Tung-Golfes Schneefälle ein und Ende No- 
vember vor der Peiho-Mündung. 
Während des achtmonatlichen Aufenthaltes in Tientsin vom August 1884 
bis April 1885 sind an Bord S. M. Kreuzer „Nautilus“, Kommandant Korv.-Kapt. 
Aschenborn, regelmäßige meteorologische Beobachtungen angestellt.‘ Aus 
diesen geht erstens hervor, dafs während der ganzen Zeit Windstillen häufig 
waren und demnächst in den Monaten November bis März die Winde von NNW 
bis N die vorherrschenden sind, während im August und September Winde aus 
dem südöstlichen Viertel des Horizontes am meisten vorkommen. Der Monat 
Oktober bildet die Uebergangszeit des Windes aus der südlichen Richtung des 
Sommers in die nördliche des Winters. Abgesehen von ganz geringen Aus- 
nahmen, sind die Winde aus dem südlichen Halbkreise leicht gewesen, und die 
Stärke 6 wurde nie übertroffen. Dagegen begannen gegen.Mitte Oktober die 
nördlichen Winde zuweilen mit gröfserer Stärke zu wehen, und nahmen sie von 
November bis in den März hinein oft. einen stürmischen Charakter an. Auch 
sind in dieser Zeit einige stürmische Nordost- und Ostwinde beobachtet worden. 
Als eine Ausnahme erlangte der Wind im September in einer Gewitterböe die 
Stärke 7, und zwar nur bei einer einzigen Beobachtung. Was die Dauer der 
stürmischen und böigen, meist aus NzW wehenden Winde anbetrifft, so nahmen 
diese mit dem Fortschreiten der Jahreszeit zu, und im November und Dezember 
sowie auch im März hielt dieses Wetter manchmal 24 Stunde an. Die stürmischen 
Winde aus N führten zuweilen grofse Mengen von Staub mit sich, was sich 
durch Aufsteigen braungelber Staubwolken am nördlichen Horizont ankündigte. 
Bei solchen Staubwolken wurden troiz des das Schiff nach oben abschließenden 
Mattendaches die Decks und selbst die Gegenstände in verschlossenen Räumen 
des Schiffes in kurzer Zeit mit einer Schicht feinen Staubes bedeckt. Die aus N 
einsetzenden. Stürme führten meist ein starkes Steigen des Barometers, am 
13. November beispielsweise 6,3 mm in vier Stunden, und große Trockenheit der 
Luft herbei. 
1) Engl. Adm.-Karte No. 1256: „Gulfs of Pechili and Liau ‘Pung“ 
Ann. 8. Uvdr. eate.. 1900. Haft VIIL
	        
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