336 - Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1900.
7. und 8. an der Ostsee heiter, während die Nordsee-Küste am 7, Gewitter und
Regenfälle hatte.
Die mit niedrigsten Barometerständen über Norddeutschland liegende
Depression wurde aber rasch ostwärts gedrängt, als sich hoher Luftdruck am 9,
von einem Maximum über dem Norwegischen Meere zunächst über Skandinavien
ausbreitete. Hierbei frischten die Winde aus dem Nordostquadranten an der
nördlichen Nordsee und der Ostsee am 9, meist zur Stärke 8 bis 9 auf, und es
wurde ein starkes Sinken der Temperatur herbeigeführt. Das Hochdruckgebiet
dehnte sich rasch über Centraleuropa aus und behauptete diese Erstreckung,
seinen Kern über dem Ozean südwärts verlagernd, bis zum 16. Nur am 10. hatten
die Ostsee und am 13. Rügen etwas Regen, im Uebrigen herrschte trockenes, am
1l. an der Nordsee, am 12. und 16. an der Ostsee und am 14, und 15. an der
ganzen Küste heiteres kühles Wetter ohne erhebliche Wärmeänderung.
Ein im hohen Norden vorüberschreitendes Minimum breitete sein Gebiet
am 17. über Skandinavien und weiterhin über Centraleuropa aus, und die Küste
blieb bis zum 2l. im Bereiche dieser später langsam nordostwärts zurück-
weichenden Depression. Während die östliche Ostsee am 17. noch heiteres
Wetter hatte, trat an der Nordsee bereits regnerische Witterung ein, und die
folgenden Tage bis zum 20. brachten der ganzen Küste, der 2l. noch der
preufsischen Küste Niederschläge. Ein über Südschweden fortschreitendes
Theilminimum führte am 19, ostwärts bis zur Oder und noch am 20, von Meck-
lenburg ostwärts stürmische Winde, Stärke 8 bis 9, herbei und hatte fast an
der ganzen Küste noch Schneefälle im Gefolge; die Temperatur erreichte ‘an
diesem Tage an der westdeutschen Küste die niedrigsten Werthe des Monats.
Das Hochdruckgebiet über dem Ozean hatte in diesen Tagen seinen Kern
langsam südwärts verlagert, und es hatte sich dann hoher Druck über Kontinental-
europa ostwärts ausgebreitet.
Eine die niedrigsten Barometerstände über dem Ozean zunächst im Westen
und späterhin im Nordwesten der Britischen Inseln zeigende Depression dehnte
ihr Gebiet am 21. bis 23. über Nord- und Centraleuropa bis nach den Alpen
aus, während sich das Hochdruckgebiet über Kontinentaleuropa nach Russland
verlagerte. Als dann ein neues Nord—Süd gestrecktes Hochdruckgebiet am 24.
bis 26. vom Ozean bis Centraleuropa vordrang, wich die Depression, von Norden bis
nach dem Mittelmeere reichend, ostwärts nach Russland zurück. Bei südöstlichen
Winden herrschte am 22. und 23. an der östlichen Ostsee heiteres Wetter, und
es traten hier an diesen Tagen wie zum Theil noch am 24, und 25. die höchsten
Temperaturen des Monats ein, während die Nordsee am 22, Regen hatte und die
Regenfälle sich am 23, bis 25. ostwärts bis zur Oder, zum Theil von Gewittern
begleitet, erstreckten.
Nachdem am 26. und 27, bei hohem Luftdruck über Centraleuropa vor-
wiegend trockenes und am 27, an der Nordsee heiteres Wetter bestanden hatte,
schritt am 27. bis 31. eine Depression von der nördlichen Nordsee her bei
hohem Luftdruck über Südwest- und Nordosteuropa nach Südosteuropa, während
sich in ihrem Rücken ein Hochdruckgebiet vom Ozean im Nordwesten über Nord-
europa und den Britischen Inseln ausbreitete, so dafs wieder Nordostwinde herbei-
geführt wurden. Die Temperatur erfuhr im Osten zunächst eine starke Abnahme,
und es hatte die westdeutsche Küste vom 27, bis 3l. tägliche Regenfälle, die
Ostsee-Küste ostwärts der Oder an den beiden letzten Tagen ausgebreiteten Nebel.
Bücherbesprechung.
Instruktion der Seewarte über die Behandlung der Kompasse und ihrer Deviation
an Bord eiserner Schiffe. Fünfte Ausgabe,
Diese kürzlich erschienene fünfte Ausgabe hat eine wesentliche Erweiterung dadurch er-
fahren, dafs dem Kompasse selbst, seiner Beschaffenheit und Konstruktion, seiner Prüfung, Aufstellung
und Behandlung an Bord mehr Raum gewidmet worden ist, als es bei den früheren Ausgaben der
Fall war. Die Erfahrung hat nämlich gelehrt, dafs von den Schiffsführern. und Schiffsoffizieren aus
Unkenntnifs der Eigenschaften, die ein guter Kumpafs haben mufs, in der Art seiner Behandlung
noch Vieles gefehlt wird. Es werden häufig plötzlich auftretende Abweichungen in der Deyiation,
die bei näherer Untersuchung meist nur ihren Grund in irgend einer fehlerhaften Beschaffenheit des
Kompasses selbst haben können, einer wirklichen Aenderung in der Deviation zugeschrieben. Ks
entstehen dadurch leicht Versetzungen des Schiffes aus seinem Kurse, die bei besserer Kenntnifs und
richtiger Behandlung des Kompasses selbst vermieden werden könnten.
Berichtigung.
- Auf Seite 288 dieses Jahrganges ist in der letzten Zeile als Preis des „Handbuches der
Französischen Westküste‘ 3.00 Mk. statt 1.50 Mk, zu setzen.