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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Votizen. 
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12. Gefährliche Nordströmung bei Socotra. Auf seiner Reise vom 
Rothen. Meere nach Pulo Pinang im Mai 1899 nahm der Dampfer „Dorothea 
Rickmers“, Kapt. H. Pape, da er noch östlichen Wind vorfand, den kürzesten 
Weg südlich von Socotra. Am:7, Mai war der Mittagsort 12° 14‘ N-Br und 
52°42' O-Lg, zwischen Abd al Kuri und den Brothers-Inseln. Es wurde dann 
der Kurs S76°O gesteuert, der ungefähr 25 Sm südlich von Socotra freiführte; 
anstatt aber, wie es nach der Loggerechnung der Fall sein sollte, nach 11° 16‘N-Br 
und. 56° 38’ O-Lg zu kommen, befand man sich am nächsten Mittage nach astro- 
nomischen Beobachtungen auf 12° 30‘ N-Br und 56° 40’ O-Lg. Der Strom hatte 
demnach das Schiff in 24 Stunden 74 Sm nach N2°O versetzt. Wahrscheinlich 
war die stärkste Strömung erst eingetreten, als der Dampfer die Länge des Ost- 
endes von Socotra erreicht hatte, sonst hätte er durch dieselbe in eine sehr ge- 
fährliche Nähe der Küste kommen können. Jedenfalls mahnt das Vorkommen 
solcher überraschender starker Strömungen in der Umgebung von Socotra zur 
größten Vorsicht. Der Wind war in dem fraglichen Etmal O0 bis SO 4, ‚meistens 
OSO, das Wetter schön, nur zeitweise böig. 
13. Tristan da Cunha, Die Bark „Ennerdale“, Kapt. Rud, Buller, 
kam auf ihrer Reise von Hamburg nach Townsville am 10. Juni 1898 bei 
schönem Wetter und leichtem Südwinde nabe unter die Insel Tristan da Cunha. 
Um 9 Uhr morgens sah man ein weißes Schiffsboot unter Segel auf das Schiff 
zukommen, weshalb beigedreht wurde. Das Boot führte 13 Mann, die man an- 
fänglich für eine schiffbrüchige Mannschaft hielt, die sich aber später als Be- 
wohner der Insel erwiesen. Sie führten Kartoffeln, Eier, Geflügel und Fleisch 
mit sich, um diese gegen anderen Proviant und Zeug umzutauschen, was auch 
geschah. Nach Aussage der Leute wohnten zur Zeit auf der Insel 17 Familien, 
zusammen 80 Personen. Um 11 Uhr vormittags brafste „Ennerdale“ wieder voll 
und setzte die Reise fort. 
14. Meteor. An Bord des Schiffes „J, C. Pflüger“, Kapt. Cl. Hoever, 
beobachtete man am 3. Mai 1899 um 8 Uhr 30 Minuten abends auf 5° 54‘ S-Br 
und 122° 27‘ W-Lg’ ein grofses glänzendes Meteor. Dasselbe erschien am öst- 
lichen Himmel etwa 20° über dem Horizont, im Sternbilde des Bootes, und be- 
wegte sich nach SO, wobei es für etwa 10 Sekunden in bläulichem Lichte er- 
strahlte. Darauf verlosch es ebenso schnell wieder. 
15. Wind- und Wasserhosen, Kapt. Cl. Hoever berichtet: „Am 
frühen Morgen des 15. Mai 1899, als wir mit dem Schiffe »J. C. Pflüger« auf 
der Reise von San Francisco nach Liverpool auf ungefähr 30° S-Br und 120° W-Lg 
mit steifem Winde aus WSW nach SS0O!/20 segelten, zeigte sich von S durch 
W bis NW fortwährend Blitzen, das bis 6 Uhr morgens anhielt. Darauf wurde 
der Wind leicht und die Luft klarte ab; nur im Horizont blieb der Himmel 
leicht bewölkt mit Cumuli. Nach 8 Uhr — Wind zur Zeit SW 3 — kamen in 
SW drohende dunkelblaue Wolken auf mit Regenschauern. Der erste zog: vor 
dem Schiffe über. Vor demselben her bewegten sich auf dem Wasser drei Stellen, 
auf welchen das Wasser aufwirbelte. Um 9 Uhr 30 Minuten vormittags kam ein 
zweiter Schauer auf, mit welchem der Wind auf S sprang. Wie die Böe näher 
kam, wurde eine große Wasserhose sichtbar, in der das Wasser heftig auf- 
wirbelte. Wir liefsen das Schiff abfallen, was uns zum Glück war, da die Böe, 
begleitet von heftigem Regen, mit der Stärke 10 einfiel. Wegen des fürchter- 
lichen Regens konnten wir nicht sehen, wo die Wasserhose blieb. Wahrschein- 
lich war dieselbe dicht hinter dem. Schiffe vorbeigegangen und hatte sich dann 
aufgelöst. Der Wind nahm bald wieder ab; um 2 Uhr nachmittags fiel jedoch 
von Neuem eine schwere Böe aus S ein, und es begann nun mit Winden aus 
den südlichen Vierteln eine längere Zeit stürmischen ‚schauerigen Wetters, be- 
yleitet von hohem wilden Seegang. Erst am 18. Mai, als das Barometer von 
746,2 mm, dem Stande am 13., allmählich auf 766,6 mm gestiegen war, trat 
ruhigeres Wetter ein.“
	        
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