398
Aunalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1900.
abnehmend, Barometer fallend. Nachmittags dicke Bank in WSW aufkommend,
mehrere Böen mit nur wenig Wind. Um 4 Uhr 30 Minuten fällt jedoch aus
einer drohenden Wolke, die aus SW heraufgezogen, plötzlich eine orkanartige
Böe von der Stärke 11 bis 12 aus Süd ein. Eben vor dem Hereinbrechen der-
selben fällt mit wenigen Regentropfen ein grofses Stück Eis an Deck. Es folgt
ein furchtbarer Sturm aus SSW mit heftigem Regen, Donnern und Blitzen und
sehr dunklem Wetter. Gegen 9 Uhr klart es etwas ab, aber es treten von
Zeit zu Zeit noch sehr schwere Hagelböen mit Gewittererscheinungen auf, Erst
am nächsten Morgen wird das Wetter besser, bleibt jedoch stürmisch bis zum
Ende des Tages.“
5. Sehr nördlicher Flug eines Albatros. Kapt. J. Wentorf von
der Bark „Este“ berichtet, dafs er am 25. Juli 1898, auf der Reise von Hamburg
nach Santos, auf 9° S-Br und 28° W-Lg. einen grofsen Albatros beim Schiffe
gehabt habe. Er habe einen solchen noch niemals in einer so nördlichen Gegend
gesehen. Der Wind war zur Zeit SO 5 bis 6. ;
Anm. d. Red. Vielleicht war der Albatros so nördlich gerathen, indem
er, Frafßfs suchend, wie es dieser Vögel und der Kaptauben Gewohnheit ist, ein
von Kap Horn kommendes Segelschiff ausnahmsweise weit nach Norden be-
gleitet hatte.
6. Meteor bei Tage. An Bord der Bark „Este“ sah Kapt. J. Wentorf
am 7, Juli auf 20,2° N-Br und 22,3° W-Lg, wie am Vormittage um 11!/» Uhr
bei hellem Sonnenschein eine Sternschnuppe mit langem Schweife in der Richtung
nach SW herunterfiel. Dieselbe war bereits nahe der Wasseroberfläche, als sie
vor dem Bug des Schiffes dem Beobachter aus Sicht kam.
7. Leuchtende Kugel. Nach dem Journal des Dampfers „Cordoba“,
Kapt. J. Kröger, beobachtete man am 2. April 1899 um 8 Uhr abends auf
20,5°S-Br und 39,2° W-Lg am Nordhimmel eine grofse Leuchtkugel von intensivem
grünen Lichte. Sie kam aus einer Höhe von ungefähr 40° und schien in nicht
sehr großer Entfernung vom Schiffe ins Wasser zu fallen.
8. Grofses Meteor. An Bord des Reichspostdampfers „Prinz Heinrich“,
Kapt. O0..Cüppers, beobachtete man am 17. März 1899 um 8 Uhr abends im
Hafen von Aden im Norden ein hellleuchtendes, ungewöhnlich grofses Meteor,
das etwa 10° über dem hinter der Stadt liegenden Berge auseinanderplatzte.
Die kleineren Stücke verlöschten, wie es schien, in der Luft, während ein gröfseres
Stück weiterfiel und im Horizont verschwand.
9. Trift einer Rettungsboje vom Dampfer „Bulgaria“, An Bord
des N. D. L.-Dampfers „Königin Luise“, Kapt. W. Reimkasten, sah man am
24. April 1899 um 10 Uhr 40 Minuten vormittags auf der Reise von New York
nach Bremerhaven auf 41° 50‘ N-Br und 44° 59 W-Lg eine Rettungsboje treiben,
gezeichnet „Bulgaria-Hamburg“. Nimmt man an, dafs die Boje bereits in dem
ersten schweren Sturme, der „Bulgaria“ in der Nacht vom 1. zum 2. Februar
auf 41,7° N-Br und 47,5° W-Lg betraf und schwer beschädigte, über Bord schlug,
so würde sich für die Trift derselben ungefähr N 86°0 111 Sm in 81 Tagen
ergeben.
10. Sichtweite des Piks von Teneriffa. Auf der Rückreise des
Dampfers „Taquary“, Kapt. H. Evers, von Brasilien sah man am 12. August 1899
um 3 Uhr 45 Minuten nachmittags den Pik von Teneriffa in mw. N0!40 auf
110 Sm Abstand. Der Wind war NO 2, der Himmel fast wolkenlos.
11. Zugvögel. Am 26. April 1899, als der Dampfer „Dorothea Rickmers“,
Kapt. H. Pape, auf der Reise von Hamburg nach Ostasien sich im Mittelmeer
auf 34,5° N-Br und 20° O-Lg befand, kamen abends sehr viele Mauerschwalben
angeflogen, die an Bord übernachteten. Gegen 5 Uhr am nächsten Morgen ver-
sammelten sie sich und flogen nordwärts. Zur selben Zeit hielten sich ver-
schiedene andere Landvögel, unter Anderen Turteltauben, an Bord und in der
Nähe des Schiffes auf. Der Ort, wo die Vögel zum Schiffe kamen, liegt ungefähr
140 Sm nördlich von Ben Ghasi, Tripolis. Der Wind war zur Zeit südwestlich,
leicht, das Wetter schön,