Knudsen, M.: Ein hydrographischer Lehrsatz.
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eiwa halb so grofs ist als die ganze von außen in die Ostsee einströmende
(diese 0,54 mal), erreicht das südliche Kattegat und theils die westliche Östsee,
wird aber mit dem von der Ostsee ausströmenden sülsen Wasser wieder. von
diesen Stellen weggeführt, ohne in die Ostsee selbst einzudringen.
Lassen wir nun B einen Querschnitt über die Mündung des Kattegats sein,
vom Skagener Riff bis an die Paternoster Scheeren, dann werden wir finden:
Ü = 2,75% w = 2,250 und = = 1,92
Das heifst, daß 2,75 mal so viel Wasser aus dem Kattegat in das Skagerrak
strömt als das Kattegat von der Ostsee empfängt, und aus dem Skagerrak strömt
4,5 mal so viel Wasser in das Kattegat, als das Kattegat der eigentlichen Ostsee
abgiebt, d. h. 3,5, so viel Wasser als die Ostsee vom Kattegat empfängt, kommt
vom Skagerrak in das Kattegat, wird aber in verdünntem Zustande wieder
zurückgetrieben. Es ist anzunehmen, dafs die ‚wirklich strömenden Wassermassen
“auch die von der Strömung im Skagerrak herrührenden) bedeutend gröfser sein
werden als hier berechnet, selbst ganz von den Schwingungen abgesehen, die in
kurzen Perioden in den Wassermassen vorgehen.
Da das Salzwasser, das durch den Öresund und durch den Querschnitt
Gjedser — Darsserort einströmt, Mischwasser ist, mufßs ein Theil desselben von
dem süßen Wasser der Ostsee selbst herrühren. Nehmen wir an, dafs das Wasser,
das von außen in das Skagerrak kommt (Bankwasser und 34 Wasser nach
Petterssons Terminologie), einen durchschnittlichen Salzgehalt von 33°%o hat,
da natürlich nur von den obersten Schichten im Skagerrak gesprochen wird, so wird
das Mischungsverhältnifs z zwischen diesem Wasser und dem Östseewasser be-
stimmt sein durch die Gleichnung 33a + 8,7 6 = (a-+ 5) 17,4, woraus
z = 0,56 oder sehr nahe */, A = 0,64 oder sehr nahe */s.
Von der Salzwassermenge, welche in die Ostsee einströmt, sind also etwa
zwei Drittel von der Ostsee selbst gekommen oder von der Menge sülsen Wassers,
das die Ostsee verläfst, wird ein Drittel nach der Mischung im Kattegat und in
dem westlichen Theile der Ostsee wieder zurückgeführt, und die Wassermenge,
die ganz von draufsen aus der Nordsee kommt und ganz in die Ostsee hinein-
geht, beträgt ein Sechstel der ganzen Wassermenge %, die in derselben Zeit
durch den baltischen Strom die Östsee verläfst.
Man wird demnach erkennen, dafs mit Hülfe unseres Satzes werthvolle
Aufschlüsse über die Strömungen eines Fahrwassers erhalten werden können,
Die Berechnungen sind äufserst einfach und übersichtlich, so daß man mit
Leichtigkeit sieht, welche Ungenauigkeiten im Resultate ein Fehler in den ge-
gebenen und gemessenen Gröfsen hervorbringen wird. Vollständig richtig sind
doch die aufgestellten Grundgleichungen allerdings nicht.
Es sei dS ein Element einer geschlossenen Fläche, die sich ganz oder
theilweise im Wasser findet, z£ bedeute die Stromstärke, d. h. die Wassermenge,
welche in einer Sekunde durch‘ 1 cm? senkrecht auf der Stromrichtung geht;
diese :Wassermasse habe den Salzgehalt s, und v sei der Winkel zwischen der
Stromrichtung und der Flächennormale (welche positiv nach aufßsen gerechnet
wird). Bedeutet dt schliefslich ein Zeitelement und 7 einen langen Zeitraum,
so können die Grundgleichungen geschrieben werden:
1 (7 S
fa cos vdS=—= 0
and
FT
1 fa [45 + 000008 = 0
Diese Gleichungen beruhen auf drei Voraussetzungen, nämlich: 1. dafs die
Wassermenge innerhalb der geschlossenen Fläche dieselbe zur Zeit 7’ ist wie
zum Zeitpunkte 0; 2. dafs die Salzmenge innerhalb der geschlossenen Fläche im
Zeitpunkte 7 dieselbe ist wie im Zeitpunkte 0, und 3. dafs das Salz sich nicht
durch die Fläche bewegt, ohne dafs eine entsprechende Wassermenge mitfolgt.