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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Knudsen, M.: Ein hydrographischer Lehrsatz. 
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i und w bedeuten die Wassermenge, welche in der Zeiteinheit in den durch die Pfeile 
bezeichneten Richtungen durch den Querschnitt 4 strömt, während & und w’ 
entsprechende Bedeutungen für den Schnitt 3 haben. 
Der mittlere Salzgehalt der Wassermasse % ist s; auf eine ähnliche Weise 
verhält sich s‘ zu , z zu w und z‘ zu w‘. Nehmen wir nun an, dafs die Menge 
Wasser, die sich zwischen A und B findet, lange Zeit durchschnittlich weder ver- 
mindert, noch vermehrt wird, und dafs dasselbe von der Menge Salz gilt, die 
sich zwischen 4 und B findet, dann- bekommen wir folgende zwei Gleichungen: 
i—t —u +wW =0 
28 — NY —uzZz-HWZ =— 0 
Setzen wir aufserdem voraus, dal die Salzmenge auf der einen Seite der 
Querschnitte sich nicht verändert, so spaltet sich die letzte Gleichung wieder in 
zwei, so dafs wir jetzt das System erhalten: 
i—Ü —u +W =0 
Is — UZ = 0 
— VS +wz' = 0 
Hieraus können wir nun #, w und w‘, durch £ und die Salzgehalte aus- 
gedrückt finden, wie folgt: 
. Z— 8 Z' 
m FR — 
zt 
8 
2) 
46 
hm 3 8’ 
Sn 
(3) 
Als Beispiel der Anwendung dieses Satzes wollen wir die Strömungen be- 
trachten, welche entstehen, wenn ein Flufs sich in das Meer ergiefst. Wir legen 
dann den Schnitt A so hoch in den Fluß hinauf, dafs das Salzwasser nicht über 
den Boden hin da hinauf zu dringen vermag. Folglich mifst £% die Wassermenge, 
die der Flufs jede Sekunde durchschnittlich ins Meer führt. In den Gleichungen 
haben wir dann s = 0, folglich wird 
#— —— _ it und ws 
Al 8‘ zn RR’ 
Indem das süße Flufswasser sich über das Meerwasser verbreitet, wird es 
damit vermischt, so dafs der Salzgehalt der Oberfläche seewärts zunimmt. In 
einer Bogenlinie, welche die Flußsmündung von Küste zu Küste umschliefst, 
nehmen wir an, dafs der Salzgehalt an der Öberfläche s‘= 32°%0 beträgt. Durch 
diese Linie legen wir den Schnitt ZB, als einen vertikalen Schnitt, und uehmen 
an, dafs der Salzgehalt am Boden z'= 33° oo beträgt. (Der höchste Werth des 
Salzgehaltes in einem Vertikalschnitte.) Wir erhalten dann: 
U = nn =— 33% und w = 32% 
Hier haben wir indessen s’ zu niedrig und z' zu hoch gerechnet, weshalb 
wir # zu klein gefunden haben. Hin genauerer Werth für £’, aber stets eine 
untere Grenze, ist zu erhalten, wenn man die Länge des Schnittes B von Küste 
zu Küste mifßst. Kennt man diese Länge und einen annähernden Werth für #', 
die Menge Wasser, welche in einer Sekunde durch den Schnitt hinausläuft, dann 
kann man berechnen, wie tief der.nach aufsen gehende Strom sich wenigstens 
erstrecken mul, wenn die ganze Wassermasse mit der Schnelligkeit des Ober- 
flächenwassers läuft. Aus Messungen des Salzgehaltes im Vertikalschnitte 5 kann 
man dann einen Mittelwerth für s‘ finden, der größer ist als der vorige für die 
Oberfläche benutzte, und durch Einsetzung dieses neuen Werthes in die Gleichungen 
wird man größere Werthe für ’ und w‘ finden, aber doch immer untere Grenz- 
werthe. Die genaue Bestimmung von # und w‘ erfordert indessen eine Be- 
stimmung der mittleren Stromstärke im Schnitte B, eine Bestimmung, die nur in 
den seltensten Fällen zu haben sein wird; aber bei Ermangelung derselben giebt die 
zuerst berechnete eine brauchbare Annäherung. Man mufs sich doch stets erinnern, 
dal bei dieser Berechnungsweise nur ein unterer Grenzwerth herauskommt, da
	        
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