Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Jul
1anf
Eine wiedergefundene Bank zwischen den Kap Verdischen Inseln
und der Festlandsküste.
Herr Kapt. R. Pätzelt, Führer des Dampfers „Maceio“ der Hamburg—
Südamerikanischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft, berichtet der Direktion der See-
warte in einem aus Santa Cruz vom 11. April d. J. datirten Schreiben Folgendes:
„Während unserer Reise von Montevideo nach Tenerifla fiel mir am
7. April während mehrerer Stunden die heilgrüne Farbe des Wassers auf. Wir
lotheten und fanden 65 Faden Wassertiefe mit grauem Sand. Die englische
Admiralitätskarte No. 1226 giebt 40 Sm östlich davon 1730 Faden an. Nach
meiner Ansicht befindet sich hier auf 19° 23‘ N-Br und 20° 33’ W-Lg eine Bank
von großer Ausdehnung in südwestlicher Richtung.“
Diese sehr interessante Meldung verdient bei allen in der fraglichen
Meeresgegend verkehrenden Schiffen Beachtung zu finden, damit möglichst bald
die genaue Ausdehnung der flachen Bank festgestellt werde; die Meldung ist um
so wichtiger, weil nach Ausweis von Findlay’s Directory (North Atlantic
Ocean, S. 899) vom Jahre 1895 in der Liste der reported rocks, die nicht
existiren sollen, unter der Bezeichnung „Bom Felix Shoal“ eine Untiefe, auf der
nur 4 Faden Wasser gelothet worden sein sollen, aufgeführt wird iu der
Position 19° 20‘ N-Br und 20° 37‘ W-Lg, welche also gut mit der Angabe von
Kapt. Pätzelt übereinstimmt.
Man sieht, dafs die Bom Felix Shoal nach dieser neuen Meldung jedenfalls
existirt, und es erscheint daher auch das Vorhandensein der 4 Faden-Stelle
durchaus nicht unmöglich,
Bekanntlich ist die Meeresgegend zwischen den Azoren und der Küste
von Marokko einerseits sowie zwischen den Canaren und der Südküste von
Portugal andererseits sehr reich an solchen unterseeischen flachen Bänken, die
meist ganz geringe horizontale Ausdehnung haben; es sei an die Gettysburg-,
Josephinen-, Seine-, Dacia-Bank u. a. m. erinnert. Aber auch für die Gegend
zwischen den Kap Verdischen Inseln und dem afrikanischen Festland scheinen
solche steil aus der Tiefsee bis nahe an die Oberfläche heranreichende
Erhebungen ein charakteristisches Vorkommniss zu bilden; denn in großer
relativer Nähe von der durch Pätzelt neu gemeldeten Untiefe, nämlich auf
18° 57’ N-Br und 18° 15‘ W-Lg, ist von der „Doric“ 1888 eine Lothung mit
36 Faden Grund gemacht, während in unmittelbarster Nachbarschaft dieser Stelle
ein Kabeldampfer der „India Rubber, Gutta Percha and Telegraph Works
Company“ in London 1497 Faden gelothet hat. Herr M. H. Gray von dieser
Kabelgesellschaft schreibt darüber (unter dem 14, Juni 1898 an Dr. Schott),
daß er beim Passiren über die „Doric“-Untiefe das Wasser sehr unruhig und
von schmutzig grüner Farbe beobachtet habe.
In beiden Fällen betrug also die gemeldete Wassertiefe der flachen Stellen
ungefähr 100 bis 120 m.
Ein hydrographischer Lehrsatz.
Von Martin Knudsen in Kopenhagen,
Wenn das Wasser aus einem Flusse oder einem See in das Meer strömt,
verden grofse Wassermassen dadurch in Bewegung gesetzt und Meeresströmungen
hervorgerufen. Durch Messungen
des‘ Salzgehaltes allein kann man
nun einen unteren Grenzwerth für
die Wassermassen finden, die in der
Zeiteinheit (einer langen Zeit) durch
jeden Querschnitt aus- und durch
jeden Querschnitt einströmen, im
Verhältnifs zu der Wassermasse, die
in der Zeiteinheit in einer bestimmten
Richtung durch einen bestimmten
Querschnitt strömt.
A und B seien zwei Querschnitte
in dem betrachteten Fahrwasser;