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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Dinklage: Berichte über schwere Stürme, 
303 
„Ich weils nicht,“ schreibt Kapt. Grapow, „wie es möglich ist, daß 
dieses Sturmwetter so lange anhält. Das Centrum des Sturmfeldes mufs beinahe 
still stehen, denn jedesmal, wenn ich den Kurs wieder aufnehmen lasse, laufen 
wir immer wieder in denselben Orkan hinein und müssen beidrehen. An ein 
Lenzen ist in dieser furchtbaren Südwestsee nicht zu denken, denn dabei nimmt 
das Schiff solche Brechseen über, dafs die Deckslast gefährlich wird. Ich hätte 
sie schon längst über Bord geworfen, wenn nicht 6 Tonnen schwere Balken 
darunter wären. Ich weiß nicht, wie dies noch werden soll; es sieht schlimm 
aus, schon seit 13 Tagen jagt ein Orkan den anderen. Wenn wir dieses Wetter 
überstehen, ohne Malheur zu haben, will ich Gott danken. Nur einmal in meiner 
Fahrzeit habe ich einen ähnlich schweren Sturm durchgemacht. Ich werde nie 
wieder eine Decksladung um das Kap Horn nehmen.“ 
Am nächsten Tage, dem 5. Oktober, stürmte es wieder aus WSW bis SSW 
mit Windstärken bis 9 und 10, dann folgten mäfsigere Winde, die am 8. und 10. 
auch noch einmal stürmisch wurden, aber nicht in dem Mafse, dafs das Schiff 
seine Fahrt deshalb zu unterbrechen brauchte. Am 18, Oktober erreichte „Prompt“ 
die Höhe von Kap Horn. 
Zur näheren Schilderung des Unwetters möge hier noch ein Journalauszug 
für die schlimmsten Tage folgen. Das Barometer pumpte leider so sehr, dafßs 
genauere Ablesungen nicht gemacht werden konnten, und sind letztere deshalb 
hier nicht mit aufgeführt worden. 
Bark „Prompt‘, Kapt. M. Grapow, 1899 September 23 bis Oktober 6. 
Datum 
1899 
Sept. 23 | 
Sept, 24 
Sept. 25! 
Sept. 26 \ 
Uhrzeit‘ 
S-Br. ' 
W-Le 
4h a 
8ha 
Mittag 135° 8’ | 111° 45] 
4 pP 
ähp 
Mittern.! 
4hz 
Bha 
Mittag 37° 23‘ 1 109° 14’ 
4b p 
hp 
Mittern. 
4ha 
aha | 
Mittag 
139° 23 
107° 9.4‘ 
Ah 
p 
sh 
DD 
Mittern 
4b a 
Mittag | 40° 14' 
106° 37’ 
8ahp | 
Wind 
Wetter 
NO7 
NO6 
NO8 
NO 9 
NOzN 9 
NOzN 9 
2 
a 
6a 
o 
oq 
NOzN 9—8 
NOzN 8 
NNO 8—9 
NO/N 10 
NOzN 10 
o4q 
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sua 
vu qr 
NNO 11 
N 11 
ouqr| 
uqr 
N 12 
NzW 11 
uqr 
NNO 10—6 
oqr 
oaqr 
NNO2 
WSW 2 
OO ar 
WNW 2 
NW5 
CC 
ü 
NWzN8—4 
| gr 
Bemerkunzen 
Harter Wind. 
Etwas flauer. 
Voller Sturm. 
Zunehmend. Führten gereffte Obermnarssegel und Grofssegel, 
Dicke Luft, Staubregen, 
Harte Böen. 
Anhaltender Sturm mit dicker Luft. 
Sturm so zunehmend, dafs die Fock festgemacht werden mufs. 
Dieke Luft aus SO aufkommend. Orkanartige Böen, Liefen 
vor Untermarssegeln. 
Sehr harter Sturm, graue Luft, Regen. Das Schiff tobt 
fürchterlich und nimmt viel Wasser über. 
Lenzten vor Untermarssegeln. Wetter immer schlechter. 
Ganze Seen über Deck. 
5b drehten bei vor Grofsuntermarssegel. Voller Orkan. Die 
Südwestsee ist so Kkolossul, dafs das Schiff untertaucht. 
Konnten nicht mehr lenzen, weil die Deckladung im über- 
brechenden Wasser hochtrieb. 
Der Orkan brüllt mit fürchterlicher Gewalt. Das Schiff wird 
mit der Leereling über 4 Fufs unter Wasser gedrückt. 
Wilde See aus NO, N, W und SW. 
Furchtbare Böen, inzwischen mäfsiger. 3h 30" plötzlich flau. 
Nebelige Luft. 
Steuerten Kurs. Hatten alle Hände voll zu thun, die Decks- 
last zu befestigen. 
Mallung. 
Mallung. 
Arbeiteten mit allen Mann, die Deckslast zu befestigen. Wind 
frischt auf, Klar. 
Stürmische Böen mit Regen. In SO und SW eine Wolkenhank.
	        
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