Dinklage: Berichte über schwere Stürme,
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„Ich weils nicht,“ schreibt Kapt. Grapow, „wie es möglich ist, daß
dieses Sturmwetter so lange anhält. Das Centrum des Sturmfeldes mufs beinahe
still stehen, denn jedesmal, wenn ich den Kurs wieder aufnehmen lasse, laufen
wir immer wieder in denselben Orkan hinein und müssen beidrehen. An ein
Lenzen ist in dieser furchtbaren Südwestsee nicht zu denken, denn dabei nimmt
das Schiff solche Brechseen über, dafs die Deckslast gefährlich wird. Ich hätte
sie schon längst über Bord geworfen, wenn nicht 6 Tonnen schwere Balken
darunter wären. Ich weiß nicht, wie dies noch werden soll; es sieht schlimm
aus, schon seit 13 Tagen jagt ein Orkan den anderen. Wenn wir dieses Wetter
überstehen, ohne Malheur zu haben, will ich Gott danken. Nur einmal in meiner
Fahrzeit habe ich einen ähnlich schweren Sturm durchgemacht. Ich werde nie
wieder eine Decksladung um das Kap Horn nehmen.“
Am nächsten Tage, dem 5. Oktober, stürmte es wieder aus WSW bis SSW
mit Windstärken bis 9 und 10, dann folgten mäfsigere Winde, die am 8. und 10.
auch noch einmal stürmisch wurden, aber nicht in dem Mafse, dafs das Schiff
seine Fahrt deshalb zu unterbrechen brauchte. Am 18, Oktober erreichte „Prompt“
die Höhe von Kap Horn.
Zur näheren Schilderung des Unwetters möge hier noch ein Journalauszug
für die schlimmsten Tage folgen. Das Barometer pumpte leider so sehr, dafßs
genauere Ablesungen nicht gemacht werden konnten, und sind letztere deshalb
hier nicht mit aufgeführt worden.
Bark „Prompt‘, Kapt. M. Grapow, 1899 September 23 bis Oktober 6.
Datum
1899
Sept. 23 |
Sept, 24
Sept. 25!
Sept. 26 \
Uhrzeit‘
S-Br. '
W-Le
4h a
8ha
Mittag 135° 8’ | 111° 45]
4 pP
ähp
Mittern.!
4hz
Bha
Mittag 37° 23‘ 1 109° 14’
4b p
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Mittern.
4ha
aha |
Mittag
139° 23
107° 9.4‘
Ah
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sh
DD
Mittern
4b a
Mittag | 40° 14'
106° 37’
8ahp |
Wind
Wetter
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NO6
NO8
NO 9
NOzN 9
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2
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NOzN 9—8
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NNO 8—9
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WSW 2
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WNW 2
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NWzN8—4
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Bemerkunzen
Harter Wind.
Etwas flauer.
Voller Sturm.
Zunehmend. Führten gereffte Obermnarssegel und Grofssegel,
Dicke Luft, Staubregen,
Harte Böen.
Anhaltender Sturm mit dicker Luft.
Sturm so zunehmend, dafs die Fock festgemacht werden mufs.
Dieke Luft aus SO aufkommend. Orkanartige Böen, Liefen
vor Untermarssegeln.
Sehr harter Sturm, graue Luft, Regen. Das Schiff tobt
fürchterlich und nimmt viel Wasser über.
Lenzten vor Untermarssegeln. Wetter immer schlechter.
Ganze Seen über Deck.
5b drehten bei vor Grofsuntermarssegel. Voller Orkan. Die
Südwestsee ist so Kkolossul, dafs das Schiff untertaucht.
Konnten nicht mehr lenzen, weil die Deckladung im über-
brechenden Wasser hochtrieb.
Der Orkan brüllt mit fürchterlicher Gewalt. Das Schiff wird
mit der Leereling über 4 Fufs unter Wasser gedrückt.
Wilde See aus NO, N, W und SW.
Furchtbare Böen, inzwischen mäfsiger. 3h 30" plötzlich flau.
Nebelige Luft.
Steuerten Kurs. Hatten alle Hände voll zu thun, die Decks-
last zu befestigen.
Mallung.
Mallung.
Arbeiteten mit allen Mann, die Deckslast zu befestigen. Wind
frischt auf, Klar.
Stürmische Böen mit Regen. In SO und SW eine Wolkenhank.