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Annalen der Hydrographie und
Maritimen Meteorolorie, Juli 1900.
Berichte über schwere Stürme
nach den in letzter Zeit bei der Seewarte eingegangenen
meteorologischen Schiffsjournalen.
Von L, E, Dinklage,.
(Fortsetzung.)
2. Aus dem Südlichen Stillen Ozean.
D. 5281. Bark „Prompt‘‘, Kapt. M. Grapow, 1899 September 23 bis Oktober 6
zwischen 35° S-Br, 112° W-Lg und 53° S-Br, 85° W-Lg.
Die Bark „Prompt“, die Ende Juli 1899 ihre Reise von Puget Sound
nach Hamburg auftrat, verlor am 8. September auf 19° S-Br und 120° W-Lgy den
Südostpassat. Sie hatte dann leichte umlaufende Winde, oft von Stillen unter-
brochen, die ihre Fahrt sehr verzögerten und sie erst am 21. September nach
30° S-Br in 114° W-Lg gelangen liefsen. Hier trat alsbald eine gründliche
Aenderung des Wetters ein. Eine Reihe von rasch aufeinander folgenden und
oft sehr schweren Stürmen begleitete die Bark ganz bis Kap Horn; es war ein
Wetter, wie es selbst in dieser stürmischen Region nur selten vorkommt.
Der erste Sturm begann am 23. September — Mittagsort 351° S-Br,
111,8° W-Lz — mit zunehmendem Winde aus NO, mit Böen und bedecktem
Himmel und steigerte sich am Abend bereits bis zur Stärke 9 mit harten Böen
und Staubregen. Es wehte dann aus derselben Richtung weiter den ganzen
folgenden 24, hindurch. In der Nacht wuchs der Sturm aus NOzN zur Stärke 11
an. Am Morgen des 25. wurde der Wind, indem er bis NzO drehte, zum vollen
Orkan. Das Barometer, das zu Anfang des Wetters am Mittag des 23. September
einen hoben Stand von 772mm (unred.) gehabt hatte, war erst langsam, dann
rascher bis 748 mm am Mittage des 25. gefallen und blieb dann auf 746 bis
742 um die nächsten zwei Tage stehen. Der Wind wurde inzwischen am Nach-
mittage des 25. September, ohne die Richtung zu ändern, ganz flau bis NNO 2.
Um 10"p lief er um nach WSW, drehte aber während der Nacht und aın Morgen
des 26. September wieder nach W und NW zurück. Bis Mittag blieb es flau;
dann kamen wieder stürmische Böen mit Regen. Am 27. gegen Mittag trat
endlich nach Abflauen das entschiedene Umlaufen des Windes von NNW 9 nach
SWS ein.
Obgleich das Baromeier jetzt ziemlich rasch aufging, hielt der stürmische
Wind von der Südseite volle zwei Tage an, ehe er sich am Nachmittage des
29. September wieder zurück nach NW drehte. Die Richtung des Windes
schwankte zwischen S und W, die Stärke zwischen 6 und 10. Kr wehte stets
in harten Puffen, die vereinzelt die Stärke 11 annahmen, mit Regen und einer
sehr wilden See. Die Bark war inzwischen bis 44,5° S-Br und 99,3° W-Lg fort-
geschritten. Am nächsten Tage, dem 30. September, wuchs der nordwestliche
Wind, der Tays vorher bei einem höchsten Luftdruck von 769 mm eingesetzt
hatte, bei fallendem Barometer wieder zum Sturm von Stärke 10 an. Am
1. Oktober von 10*a bis 6"p, als der Wind nach dem niedrigsten Barometer-
stande von 747 mm mehr nach links gedreht hatte, raste aus W bis WSW aber-
mals ein voller Orkan mit furchtbaren Regen-, Schnee- und Hagelböen und einer
himmelhohen, aber sehr regelmäfsigen See.
Allmählich abnehmend bis zur Stärke 7, stürmte es weiter bis zum Mittage
des 2. Oktober, als „Prompt“ sich auf 50,4° S-Br und 90,58° W-Lg befand. Das
Barometer war wenig gestiegen und fing nun von Neuem an zu fallen. Damit
begann der Wind, indem er zuerst nach WNW krimpte, dann aber wieder auf
W und SW ging, ein neues schauerliches Sturmwettier. Von 10" p am 2. bis
4 p am 3. Oktober stürmte es, ohne auszusetzen, mit der Stärke 11 bis 12. Nach
kurzem Abflauen bis zur Stärke 7 setzte der Wind, nachdem er sich von SW
nach W zurückgedreht, noch einmal mit orkanartiger Wuth ein und wehte mit
der Stärke 11 bis 12 den ganzen Tag von 6a bis 8: p. Mittagsort am 4. Ok-
tober 52,3° S-Br und 89,5° W-Lg.