accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Herrmann, J.: Valparaiso. 
902 
oft das Land so einhüllt, dafs keine Landmarke zu erkennen ist, geschieht es 
zuweilen, dafs sogar Dampfer, von Süden kommend, an dem Hafen vorbeilaufen 
und ihren Irrthum erst merken, wenn der über die verhältnifsmäfsig niedrige 
Dunstschicht hervorragende Gipfel des Sattelhügels nördlich von Valparaiso in 
Sicht kommt. Diese dichte, fast weiß aussehende Dunstschicht verschwindet ge- 
wöhnlich gegen 8 Uhr morgens. 
Es empfiehlt sich, bei der Curaumilla - Huk Land zu machen, deren vor- 
springende und gut kenniliche Gestalt für von Süden kommende Schiffe keinen 
Zweifel am Schiffsort aufkommen läfst. Morgens und während der ersten Stunden 
des Vormittags dürfen Segelschiffe nicht zu dicht unter Land-laufen, da sie dann 
meistens den Wind verlieren; Strom und Dünung setzen, besonders bei westlichen 
Winden, stark auf die Küste zu. Die Strömung setzt im Allgemeinen nordwärts 
längs der Küste; im südlichen Winter jedoch, nach Nordern, trifft man südwärts 
setzende Strömung an, die zuweilen eine Geschwindigkeit von 1 Sm erreicht. 
Sobald man die rothe Heultonne, die an der Nordwestkante der Buey - Klippe 
liegt, passirt hat, wird man die im Hafen verankerten Schiffe sehen und kann 
darauf zusteuern. Segelschiffe dürfen hierbei nicht zu dicht unter Land gehen, 
da sie bei eintretender Windstille leicht von der Dünung und Strömung auf die 
Klippen getrieben werden können, wie das Beispiel der Bark „Potsdam“ zeigt, 
die auf diese Weise im Januar 1891 auf der Baja-Klippe verloren ging. Nach- 
mittags weht in der Bucht von Valparaiso gewöhnlich eine frische südliche bis 
westliche Briese mit einzelnen steifen Puffen, während der Wind weiter draufsen 
leichter und stetig ist; Segelschiffe müssen dann bei Zeiten kleine Segel machen. 
Wenn der Wind zu steif weht, ist es rathsam, etwas zu warten. Die Windstärke 
erreicht gewöhnlich gegen 4 Uhr nachmittags ihre gröfste Stärke und nimmt 
dann rasch ab, so dafs es um 8 Uhr meist wieder still ist. Nachts findet man 
meist einen leichten östlichen bis nördlichen Zug, oder es ist ganz still. Die 
Seebriese setzt dann wieder zwischen 9 und 10 Uhr morgens ein. 
Nähert man sich während des südlichen Winters dem Hafen von Valparaiso 
mit nördlichen Winden, und die Anzeichen (stärkere Bewölkung, nördliche Dünung, 
besonders sichtige Luft, so dafs der Sattelhügel deutlich sichtbar ist, und fallendes 
Barometer) deuten auf einen Norder, so sollten Segelschiffe draufsen beidrehen 
und warten, bis das stürmische Wetter vorbei ist. 
Bei unsichtiger Luft oder. nachts darf man in der Nähe des Landes nicht 
das Lothen vernachlässigen; man wird mit dem Tiefseeloth in einer Entfernung 
von 2 bis 6 Sm, an einzelnen Stellen sogar bis 12 Sm, von der Küste schon 
Lothungen bekommen. Nachts ist ferner zu berücksichtigen, dafs das Angeles- 
Leuchtfeuer südlich von der Peilung NO von dem hohen Lande südlich vom 
Leuchtthurm verdeckt wird. Das Curaumilla - Feuer ist nach verschiedenen Be- 
richten noch weiter zu sehen als 24 Sm. 
Die Schleppdampfer kommen bei Tage gewöhnlich bis aufserhalb der 
Angeles - Huk den Segelschiffen entgegen, ebenso die Lootsen, und bringen sie 
auf ihren Platz. Früher lagen immer Boote bei der Curaumilla-Huk und lootsten 
die Schiffe zu jeder Zeit gegen ein geringes Entgelt auf den. Ankerplatz. Seit 
jedoch die Lootsen von Valparaiso den Schiffen bis aufserhalb des Hafens ent- 
gegenfahren, ist diesen Leuten das Lootsen verboten worden.‘ 
Leuchtfeuer. 1. Ein weißes festes Feuer mit weißen Blinken, das 16 Sm 
weit sichtbar ist, brennt 55m über Hochwasser auf einem 15m hohen runden 
weilsen Thurme mit grüner Laterne auf der Angeles-Huk. Der Thurm steht an 
der Nordecke eines Gebäudes. Das Feuer zeigt alle zwei Minuten einen Blink, 
dem eine kurze Verdunkelung vorangeht und folgt, und ist in den Peilungen 
nördlicher als N 45°0 vom Lande verdeckt. 
Nebelsignale werden mit einer Nebelsirene gemacht, und zwar jede 
Minute ein Ton von fünf Sekunden Dauer. Die Hörweite des Signals ist 5 Sm. 
2. Ein rothes, blaues und weifses Blinkfeuer, das alle 16 Sekunden einen 
Blink zeigt, brennt 12 m über Hochwasser auf einer 9,2 m hohen eisernen Säule 
auf dem Kopfe der Landungsbrücke (Muelle Prat). Die Blinke, zwischen denen 
Verdunkelungen liegen, sind abwechselnd roth; weifs und blau. 
Lootsenwesen. Wenn bei der Curaumilla-Huk die Lootsenflagge gesetzt 
wird, kommt ein Lootse, jedoch nur tagsüber und bei gutem Wetter, dem Schiffe 
bis aufserhalb der Angeles - Huk in einem Walboot entgegen. Bis zum äufseren
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.