Zur Küstenkunde von China.
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Holzrahmen als Toppzeichen, recht voraus bezw. etwas an St. B., und. passire
3zie auf etwa 1,5 hm an B.B. (beim Aufwärtsdampfen). Während der weiteren
Fahrt bis Canton und bis zu dem Ankerplatz, gegenüber der Insel Shameen
hält man sich in der Mitte des Flusses, nachdem man zwischen den beiden
Leuchtbojen nordöstlich von Macao Fort durchgefahren ist. Nach Aussage
des Lootsen beträgt die gröfste Stromstärke im Kanton - Flusse zur Zeit des
Hochwassers während der Sommermonate für den Fluthstrom 3 bis 3!/a Sm, für
den Ebbstrom 3'/% bis 4 Sm bei Springzeit,
Die während der Anwesenheit S. M. S. „Iltis“ beobachtete‘ gröfste Strom-
stärke betrug 1,8 Sm hei Ebbe,
IN. Von Hongkong nach Kobe.
S. M. S. „Iltis“ hatte die Reise am 3. März d. J. anzutreten, Da das kurze
Schiff bei grober See sehr heftig stampft und dabei zu grofsen Fahrtverlust er-
leidet, so war es ausgeschlossen, die Reise auf dem direkten Wege gegen den
starken Nordostmonsun zurückzulegen. Es wurde daher der in der „China Sea
Directory“, Band III, Seite 38, vorgeschlagene Weg dicht unter der chinesischen
Küste eingeschlagen, um vom Chusan-Archipel an, wenn möglich, mit Schratsegeln
beim Winde nach der japanischen Küste hinüberzuliegen.
Die Fahrt zwischen den Inseln und Riffen dicht unter der Küste bietet
auch ohne besondere Ortskenntnisse keine grofsen Schwierigkeiten, sie ist aber
navigatorisch sehr interessant. Man fährt häufig über Stellen, wo keine Lothungen
in den Karten aufgezeichnet sind; aber der Umstand, dafs genau dieselbe Route
jährlich von sehr vielen Dampfern befahren wird, giebt einen hohen Grad von
Sicherheit, dafs keine unentdeckten Gefahren mehr vorhanden sind. Man muß
sich dann allerdings ziemlich sorgfältig an die im Segelhandbuch vorgeschlagene
Route halten.
Unter Land ist der Wind meist flau, das Wasser jedenfalls sehr ruhig.
Man darf sich durch solche Umstände aber nicht verleiten lassen, in See zu
gehen, denn es kann unter der Küste dauernd Windstille herrschen, während
etwa 20 bis 25 Meilen in See stürmischer Nordostmonsun weht.
Die Route hat den Nachtheil, daß man in der Regel nachts ankern mufs,
wenn kein Mondschein vorhanden ist. Bei Mondlicht kann man mit Ausnahme
der Fahrt durch die Haitan - Straße die Reise ruhig fortsetzen. Besondere Be-
achtung ist den Gezeitenströmungen zu schenken. Der Fluthstrom setzt
stark in die zahlreichen Buchten und Flußmündungen hinein, der Ebbstrom
ebenso heraus,
Vom Chusan -Archipel wurde Kurs ONO nach der japanischen Küste ge-
nommen. Der Wind frischte im Abstande von 20 bis 25 Sm vom Archipel sehr
bald auf und wehte zwei Tage lang stürmisch (Stärke 8 bis 9, in Böen 10) aus
NzO und N und ging am zweiten Tage in der Nähe der japanischen Küste auf
NNW bis NW.
An der steigenden Wassertemperatur von 9° auf 12° bis 17,3° konnte
die Zeit, während der der durch die Korea-Strafse setzende Arm des Kuro siwo
durchschnitten wurde, genau bestimmt werden. Während dieser Zeit, von abends
8 Uhr bis morgens 6 Uhr, wurde wegen dieses Stromes entsprechend abgehalten.
Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dafs der Strom nicht nach Norden,
sondern direkt mit der Stärke von 1,5 km nach Süden gesetzt hatte; jedenfalls
als Driftströmung infolge des stürmischen Nordwindes.
IV. Besondere Einzelheiten.
1. Die nördlich von der Haitan-Huk angegebenen Moorings für Fischnetze
sind nicht vorhanden, sondern scheinen weiter nördlich der Chunno - Bai verlegt
zu sein. An ihnen kann man — längs der ganzen Küste — am besten die
Richtung und Stärke des Gezeitenstromes erkennen.
2. Die Passage westlich von der Lamyit-Insel zur Ansteuerung der Südeinfahrt
in die Haitan - Strafse bietet. keinerlei Schwierigkeiten, dabei sehr guten Schutz
gegen die See. S.M. SS, „lltis“ fand einen sehr guten Ankerplatz bei der Kerr-
Insel in nachstehender Peilung:
White-Insel-Westhuk . . . SWzW'4W.
South Kerr-Insel . . S0O3/40, auf 8 m Niedrigwasser.