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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Ann. d. Hydr. ete., XXVIIL Jahrg. (1900), Heft VIL 
3 
Ant 
Zur Küstenkunde von China. 
Aus dem Reiseberichte S. M. S. „/itis“, Kommandant Korv.-Kapt. Lans. Februar uud März 1900, 
(Hierzu Tafel 10.) 
]. Yon Hongkong nach Macao und in .die Mündung des Westflusses. 
Nach Verlassen des Hafens von Hongkong wurde durch die Sulphur- 
Durchfahrt mit SW%4W-Kurs die Insel Chung angesteuert, zwischen dieser und 
der im Wasser stehenden Bake (deren Laterne nachts sehr unregelmäfsig brennen 
zoll) hindurchgesteuert und darauf längs der Südküste der Lantau-Insel, die Süd- 
westhuk derselben recht voraus oder etwas an B.B. lassend, gesteuert, Von 
dieser Huk steuert man dann Macao-Leuchtfeuer mit W!'/4S-Kurs an. Die vor- 
bandenen Karten 1180, 2562 und 2212 und der Plan über Macao stimmen nach 
Lage‘ der Inseln und nach den angegebenen Wassertiefen nicht mehr mit der 
Wirklichkeit überein. Selbst für Kanonenboote mit dem Tiefgang S. M. S. „Iltis“ 
(3,5 m) ist es mit Schwierigkeit verbunden, in den Innenhafen von Macao ein- 
zulaufen, da der Wasserstand an der Barre bei Niedrigwasser höchstens 7 Fufs 
und bei nördlichen Winden der Fluthunterschied höchstens 4 Fufßs beträgt. Der 
Boden ist allerdings ein so weicher, fast flüssiger Schlick, dafs ein Schiff ohne 
Gefahr 2 bis 3 Fufs tief hindurchdampfen kann. 
Als beste Einsteuerungsmarke für das Einlaufen in den Innenhafen gilt 
der rechte Abhang der nördlichsten kleinen Malo-chau-Insel am hohen südlichen 
Abhang der Patera- Insel (die kleine Insel ist leicht erkennbar durch einen 
Flaggenmast und mehrere kleine weiße Gebäude auf dem linken Abhang). Auf 
diesem Kurse (W’%/4S) beginnt die Barre kurz vor dem Passiren des Macao- 
Leuchtthurms und endigt, wenn die alte Kathedrale eben freikommt von einem 
auf dem südlichen Abhange stehenden weißen Gebäude. Das weitere Einlaufen 
bis zum Ankerplatz bietet dann keine Schwierigkeiten; wenn man die Südhuk 
von Macao in einem Abstande von 2 hm rundet. S. M. S. „Iltis“ ankerte in 
folgender Peilung: Südhuk Patera-Insel in SWzW*/@W, Südhuk Macao-Insel in 
03/4S auf 5 m Niedrigwasser. 
Die vorgenommenen Strommessungen ergaben eine gröfste Stärke von 0,8Sm 
in der Stunde bei Fluth und zwar etwa 1 Stunde nach Niedrigwasser und 1,2 Sm 
in der Stunde bei Ebbe etwa 1 Stunde nach Hochwasser. Auf dem in der Karte 
mit Pedra Areca bezeichneten Felsen ist eine rothe Boje ausgelegt. Zur Fahrt den 
Westflufßs aufwärts war ein chinesischer Lootse von einem der Flulsdampfer, die 
zwischen Canton und dem Westflufs verkehren, engagirt. Seine Aussagen haben 
sich als sehr unzuverlässig erwiesen. Die Ansteuerung des Westflusses, wie sie 
vom englischen Kanonenboot „Tweed“ 1897 in der Segelanweisung beschrieben 
ist, kannte der Lootse nicht, derselbe wollte vielmehr nur den Weg nördlich 
der. Taipa-, Macarira- und Mong-chau-Inseln genommen haben. In diesem Fahr- 
wasser war allerdings bei Hochwasser nicht unter 4 m Wasser. 
Die Skizze (Tafel 10) enthält die auf Niedrigwasser berechneten Tiefen. 
Auf der in Karte No. 2562 mit 3 Fuß bezeichneten Stelle südlich von 
der Südosthuk von Patera-Insel liegt eine roth und schwarz karrirte Boje mit 
schwarzem, halbkreisförmigem Toppzeichen, und etwas nordöstlich davon sind 
Fischbuhnen ausgelegt, die auf beiden Enden weilse Laternen tragen. Kbenso 
waren südlich von Hangun und bei Massie-Huk Fischbuhnen ausgelegt. Die 
aördlichste der Mong-chau-Inseln wurde etwa auf 0,5 Sm passirt, dann achteraus 
genommen und so in den Westflufs eingesteuert. Als Leitmarke für die Fahrt 
durch den Broadway, von Maon shan an wurde der weiße niedrige Thurm auf 
der Westhuk von Mong chau iu einem Sattel der dahinter liegenden Berge der 
Insel Wungkum festgestellt (siehe Tafel 10). Querab von der Insel Moto wurde 
30 flaches Wasser gefunden, dafs S. M. S, „Iltis“ mit 3,5 m Tiefgang es nicht für 
rathsam hielt, die Fahrt stromaufwärts fortzusetzen, zumal auch der Lootse die 
tiefe Rinne nicht kannte. 
Die in der englischen Karte No. 2562 angegebene tiefe Rinne von 27 Fufs 
war nicht aufzufinden. 
Ann, d. Hydr. ete.,. 1900. Heft YVIL
	        
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