Anmnalen der Hydrographie und Maritinen Meteorologie, Januar 1900
Beobachtungen im Aequatorial- Gegenstrom des Stillen Ozeans.
Von L. E. Dinklage.
Das Schiff „Caesarea“, Kapt. A. Cords, machte auf einer Reise von
Nagasaki nach Taltal, die es im nördlichen Sommer 1898 ausführte, den Durch-
stich durch die Passatgebiete auf dem Wege nach Süden in ungefähr 150° W-Lg,
wobei es östlich von den Hawaii- und westlich von den Gesellschafts - Inseln
passirte. Der Nordostpassat, der meistens aus der Ostrichtung wehte, begleitete
das Schiff bis 10° N-Br. Es folgten sieben Tage mit Stille und Mallung, welche
letztere ebenso viel von der östlichen als der westlichen Seite kam und ins-
besondere von einem Südwestmonsun, wie derselbe zur fraglichen Jahreszeit auf
der Ost- wie auf der Westseite des Stillen Ozeans auftritt, keine Spur zeigte.
Trotzdem änderte sich die Strömung, die bis 10° N-Br etwa 12 Sm im Etmal
westlich gesetzt hatte, mit dem Aufhören des Passates nach einer östlichen
Richtung, und obgleich der treibende südwestliche Wind fehlte, erreichte diese
Strömung, der Aequatorial - Gegenstrom, für mehrere Tage einen Betrag von
durchschnittlich 38 Sm im Etmal, Seine Südgrenze lag auf 5° bis 4° N-Br, wo
der Südostpassat einsetzte. Mit dieser Aenderung schlug auch die Strömung, als
3üd- oder eigentlicher Aequatorialstrom, wieder nach einer westlichen Richtung
um. Die stärkste Versetzung derselben von 43 Sm im Etmal fand auf nördlicher
Breite statt, südlich der Linie nahm die Stärke rasch ab.
Während „Caesarea“ sich am 19. August auf 7,1° N-Br und 150,1° W-Lg
im Gürtel der Aequatorkalmen und der östlichen Strömung befand, machte
Kapt. Cords die auffällige Wahrnehmung, daß eine über das Heck geführte nach-
schleppende Fischleine, wenn das Schiff infolge der Windstille ohne Fortbewegung
war, nicht auf und nieder hing, sondern nach der Westsüdwestrichtung zeigte.
Sie nahm diese Richtung aber nicht gleich in der Oberfläche des Wassers an,
sondern erst in einer Tiefe von ungefähr 7,2 bis 9m (4 bis 5 Faden). Bis zu
dieser Tiefe hing die Leine über dem Heck ziemlich senkrecht. Dieselbe Beob-
achtung wurde am 21, August auf 6,4° N-Br und 147,1° W-Lg bei totaler Wind-
stille gemacht.
Nach seiner Bemerkung im Journal war der Kapitän darüber im Zweifel,
5b er zur Erklärung der Erscheinung eine westliche, der Oberflächenströmung
entgegengesetzte Unterströmung annehmen solle oder nur ein Stillstehen der
unteren Wasserschichten, während die obersten sich nach Osten bewegten. Wir
ylauben, dafs die letzte Annahme zur Erklärung genügen dürfte. Wenn das
Schiff, wie die Beobachtungen ergaben, mit der obersten Wasserschicht 38 Sm
im Etmal nach Osten versetzt wurde, so war diese Geschwindigkeit gewifs hin-
reichend, um den Anschein zu erwecken, als ob die Leine in der stillstehenden
Tiefe durch eine Strömung rasch nach Westen geführt würde. Die auffällige
Thatsache, daß der Aequatorial-Gegenstrom sich auf die oberste
Wasserschicht von 7 bis 9m Tiefe beschränkt, welche sich hier zu er-
geben scheint, verdient gewifßs eine weitere Untersuchung, zu der wir alle Mit-
arbeiter der Seewarte auffordern möchten. Vielleicht zeigt sich die Erscheinung
vornehmlich an Stellen, wo der Antrieb der südwestlichen Winde fehlt und der
5stliche Gegenstrom ein blofser Neerstrom ist, durch welchen das mit dem
gelegentlichen Vordringen des Südostpassates nach Norden in den Aequatorial-
3atrom gezogene, vorher stillstehende Oberflächenwasser des Kalmengürtels von
Westen her sich ersetzt. Wahrscheinlich hat auch das Südlichholen des Südost-
passats beim Ueberschreiten des Aequators und die Ablenkung der entstehenden
Trift nach rechts auf nördlicher Breite etwas mit der Entstehung der östlichen
Wasserbewegung zu thun.!) Es möge hier beiläufig noch bemerkt werden, da[s
die durch die Erdrotation bewirkte Ablenkung der Strömung, auf nördlicher
Breite nach rechts, auf südlicher nach links, auch wohl die Ursache der auf-
fälligen Temperaturerniedrigung ist, welche besonders auf der östlichen Hälfte des
ı) Auf diesen Umstand als Ursache des Entstehens des Acquatorial-Gegenstromes ist bereits
in „Zur Mechanik der Meeresströmungen an der Oberfläche der Ozeane“ von P. Hoffmann, da-
mals Korvetten-Kapitän, Berlin 1884, hingewiesen worden. Siche daselbst Seite 15, 33 und 45.
DD) Verf