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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Grossmann: Die Wetterprognose auf Grund der täglichen Wetterkarten. 277 
Nach den vorstehenden Ausführungen bedarf es keiner weiteren beson- 
deren Widerlegung des folgenden Satzes von Dr. Klein, dafs die angeführten 
Gründe, welche den praktischen Werth der synoptischen Wetterkarten für Tages- 
prognosen so gering erscheinen lassen, dagegen den Werth einer genauen Kennt- 
nifs des Wolkenhimmels und seiner Veränderungen für die Vorausbestimmung des 
Wetters auch theoretisch zeigen. Die in den Vordergrund gestellte Abhängigkeit 
der Druckumänderungen in den tieferen Schichten von den Druckumlagerungen in 
der Höhe mufs erst im Einzelnen klargelegt werden, um für die Wettervorhersage 
von Nutzen zu sein; wegen der Bedeutung der Temperatur der Atmosphäre 
dürften einfache Beziehungen wenig wahrscheinlich sein. 
Wenden wir uns nun zu der Möglichkeit einer Wettervorhersage auf 
mehrere Tage voraus, so finden wir bei Dr. Klein auch die‘ Ansicht vertreten, 
dafs eine solche nur auf Hochdruckgebiete, als das stabilere Element in der 
Druckvertheilung, zu gründen sei, und wir finden im Wesentlichen die gleichen 
in Betracht zu ziehenden Haupttypen für die Lage der Maxima wie in der an- 
geführten Arbeit von Professor van Bebber. Ein wesentlicher Unterschied be- 
steht nur darin, dafs Dr. Klein lediglich die Möglichkeit einer solchen Prognose 
für den Fall ins Auge fafßst und unter gewissen Bedingungen zulassen will, dafs 
der Ort vom Hochdruckgebiet eingeschlossen sei; doch auch in diesem Falle sei 
die Prognose wegen der im Einzelfall häufig vom durchschnittlichen Charakter 
abweichenden Witterung ufisicher, die Prognose könne höchstens auf Fortdauer 
der bestehenden Witterung lauten, und insbesondere sollen die Wetterkarten fast 
nie den Wetterumschlag voraussehen lassen, so dafs von solcher Wettervorher- 
sage auf mehrere Tage voraus nichts zu erwarten sei. Ebenso wenig lasse sich 
erreichen, wolle man bei ausgesprochenem Vorherrschen tiefen Luftdruckes über 
Mitteleuropa auf längere Fortdauer der veränderlichen Witterung schliefsen, da 
auch innerhalb solcher Gebiete das Wetter recht verschieden sei. Professor van 
Bebber dagegen fafst die weitgehendere Bedeutung jener typischen Hochdruck- 
lagen ins Auge, wie sie neben der Witterung in dem von ihnen bedeckten 
Gebiete ebenfalls die Witterung ihrer Umgebung, insbesondere durch die Be- 
stimmung der Zugrichtung der Depressionen, beeinflussen. Bei hohem Luft- 
äruck über Südeuropa, der meist über der Nordhälfte Europas ostwärts fort- 
schreitende Depressionen als Begleiterscheinung. hat, würde beispielsweise die 
für mehrere Tage voraus gegebene Prognose auf unbeständige Witterung, Wechsel 
von gutem und schlechtem Wetter zu lauten haben. Die von van Bebber aus- 
geführte Untersuchung legt jedenfalls dar, welche Dauer man, abhängig von der 
Jahreszeit, für die verschiedenen Haupttypen der Maximalagen im Mittel zu er- 
warten hat, und gewährt den Vortheil, dem mit den Wetterkarten weniger Ver- 
trauten, abgesehen von Wetterlagen weniger ausgesprochenen Charakters, zu einem 
gewissen leichten Ueberblick über die Wetterlage zu verhelfen. Wie hier, so 
finden wir auch in seinen übrigen Arbeiten das Streben, ein allgemeineres Ver- 
ständnifs für die Wetterkarten herbeizuführen und solches als wesentliche Be- 
dingung für ein erspriefsliches Wirken der Wetterprognose für die Landwirth- 
schaft hingestellt. Die Prognose auf längere Tage voraus hängt naturgemäfs in 
ihrem Erfolge im gegebenen Falle von der richtigen Vorausbeurtheilung des 
Aufhörens der typischen Wetterlage ab und wird entsprechend zu vielen Fehl- 
schlägen führen müssen. 
Um auf dem Gebiete der Weitervoraussage weitere Fortschritte herbeizu- 
führen, erscheint es besonders wichtig, auf der von van Bebber gegebenen 
Grundlage fußsend, mittels der Wetterkarten systematisch zu untersuchen, durch 
welche besonderen Drucklagerungen sich die typischen Maxima längerer Dauer 
zu entwickeln und welche. Druckumlagerungen ihr Ende herbeizuführen pflegen 
und wie diese Verhältnisse für die entsprechenden Maxima von kurzer Dauer 
liegen, um einige möglichst zuverlässige Anhaltspunkte für die Beurtheilung der 
Dauer dieser Hauptwetterlagen zu gewinnen. Diese Untersuchung dürfte als 
eine der nothwendigsten und dringendsten Aufgaben zu bezeichnen . sein, um 
einen praktischen Nutzen der Wettervorhersage für die Landwirthschaft herbei- 
zuführen und müfste vor Allem bei Gelegenheit der Organisation einer für die 
Landwirthschaft bestimmten Prognosencentrale ins Auge zu fassen sein.
	        
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