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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

276 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1900.” 
tungen, so dafs dieser Theil der Prognose vom 13. kaum als ganz unrichtig be- 
zeichnet werden dürfte. 
Für den 13. Februar führt Dr. Klein weiter aus: „Das Studium der Luft- 
druckvertheilung für 2 Uhr nachmittags liefs nichts Sicheres (über eine Wetter- 
änderung) erkennen, und ebenso wenig war das wirklich kommende Wetter 
daselbst (auf der Seewarte) aus einer dritten Tageskarte, welche die Luftdruckver- 
theilung um 8 Uhr abends darstellt, zu entnehmen, Die Seewarte verblieb also 
noch der Meinung, dafs keine grofse Aenderung der Wetterlage für den 14. Fe- 
bruar zu erwarten sei, vor Allem kein starker Wind.“ Dem entgegen muf[s be- 
hauptet werden, dafs allerdings aus der Karte vom Abend des 13. die Aenderung 
des Wetters ersichtlich war und für Dr. Klein gar kein Anhalt zu obiger Unter- 
stellung vorliegen kann, Wenn zu dieser Zeit keine Sturmwarnung erlassen 
wurde, so ist zu berücksichtigen, in wie hohem Grade Sturmwarnungen ohne 
nachfolgenden Sturm das Ansehen der Sturmwarnungen erfahrungsmäfsig herab- 
drücken und wie aus diesem Grunde grundsätzlich ein gewisses Zaudern geboten 
ist; liefßs die weitere Entwickelung am Abend wohl ein Auffrischen vermuthen, 
so führte doch erst das wenig vorauszusehende starke Steigen des Druckes über 
Skandinavien in seiner Wechselwirkung mit der Deutschland durchquerenden 
Depression den Sturm herbei. 
Nach Dr. Klein ereignete sich wieder zwei Tage später „ein völliges 
Fehlschlagen der Prognose der Seewarte.“ „Am 15. Februar war nach Ansicht 
der Seewarte keine Andeutung von schweren Stürmen für die deutsche Küste 
vorhanden.“ Am Morgen des 15. lag ein Hochdruckgebiet von Nordeuropa über 
Centraleuropa nach dem. westlichen Mittelmeer ausgebreitet, während ein tiefes 
Minimum südwestlich von Irland erschienen war, das einen Ausläufer nach der 
Biscaya-See zeigte. Dafs dieser Ausläufer ein Auffrischen an der westdeutschen 
Küste herbeiführen werde, wurde in der am 15. für Nordwestdeutschland auf- 
gestellten Prognose auf „ziemlich trübes Wetter mit auffrischenden, meist süd- 
östlichen Winden ohne erhebliche Wärmeänderung, stellenweise Schneefälle“ zum 
Ausdruck gebracht. Diese Prognose traf, entgegen Dr. Kleins Beurtheilung, 
bis auf die Temperatur und, bis auf die Windrichtung, meist auch für den 
Süden Deutschlands zu, für den sie auch Geltung haben sollte; nur für den Osten 
erwies sich die Prognose des 15, als verfehlt, da sich die Depression weiter, als 
erwartet worden war, nach Osten hin ausgebreitet hatte. Die von Dr. Klein 
gegebene Beurtheilung der Wetterlage vom 15., dafs das Hochdruckgebiet über 
Centraleuropa den Einfluß des Sturmwirbels bei Irland von den deutschen Küsten 
abhalten werde, war von der Seewarte nicht getheilt worden, indem diese in 
ihrer Wettervorhersage vom 15, die vermuthete Einwirkung des nach der 
Biscaya-See reichenden Ausläufers zum Ausdruck brachte. 
Bieten sich in der langen Reihe von Prognosen sicherlich leider viele 
Fälle völligen Fehlschlagens und konnte es demnach wahrlich nicht darauf an- 
kommen, einige als ganz verfehlt bezeichnete Prognosen in ein besseres Licht 
zu stellen, so schien diese Darlegung doch nützlich, indem sie zur richtigen 
Würdigung des von Dr. Klein über die heutigen Prognosen gefällten Urtheiles 
beiträgt. Bei dieser Gelegenheit sei noch besonders hervorgehoben, wie überaus 
bedenklich es erscheinen mufs, einzelne Fälle herauszugreifen, um den Werth 
von Prognosen zu kritisiren; es sei nur daran erinnert, dafs auf diesem Wege 
die Prognosen von Falb zu Ansehen gelangen konnten! 
Wenn Dr. Klein in seiner Verurtheilung der heutigen Wetterprognose zu 
dem Satze gelangt: „Es ist daher unzulässig, von einer weiteren Ausdehnung 
des täglichen wettertelegraphischen Materials eine Verbesserung der Prognosen 
zu erwarten, wenigstens in absehbarer Zeit“, so ist hiergegen entschieden KMin- 
spruch zu erheben. Wenn es möglich wäre, rechtzeitige Nachrichten über die 
Luftdruckvertheilung über dem Ozean westlich der Britischen Inseln zu erhalten, 
so wäre damit sehr viel gewonnen; in besonderen Fällen werden Nachrichten von 
Island und den Azoren, von der Iberischen Halbinsel von grofsem Werth sein 
können. Die von Südosteuropa einlaufenden Nachrichten sind noch so spärlich, 
dafs die Entwickelung sich zeitweise nicht genau verfolgen und beurtheilen läfst; 
am Nachmittag würden Nachrichten aus Frankreich und Mittelskandinavien und 
zeitweise auch vom Südosten unbedingt großen Werth für die Prognose besitzen.
	        
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