Grossmann: Die Wetterprognose auf Grund der täglichen Wetterkarten, 275
gründung wenig verständlich erscheinen. Wir wollen hoffen, dafs die Erweiterung
unserer Kenntnisse über die Druckvertheilung in der Höhe und deren Beziehungen
zu der im Meeresniveau beobachteten dahin führen möge, Licht über die schwierigsten
Faktoren der Wetterprognose, die Intensitäts- und Geschwindigkeitsänderungen
der individuellen Druckgebilde, zu verbreiten. Da jedoch neben der Druckver-
theilung in der Höhe noch in ebenso hohem Grade die Temperaturverhältnisse
der zwischenliegenden Luftsäule für die Druckvertheilung im Meeresniveau be-
stimmend in Betracht kommen, so steht kaum zu erwarten, dafs sich einfache
Beziehungen zwischen den Umgestaltungen der Isobaren in der Tiefe und in der
Höhe ergeben werden. Zur Zeit kennen wir weder die Druckvertheilung in der
Höhe, noch diese Beziehungen und müssen uns daher für die Zwecke der Prognose
mit unseren Wetterkarten begnügen. Gelegentlich werden wir unser Urtheil über
die Bewegung herannahender Minima durch die Beobachtung des Cirrenzuges zu
ergänzen suchen, doch aus den dargelegten Gründen auf solche Beobachtungen
nur in geringerem Grade Gewicht legen können. Wenn die Behauptung von
Dr. Klein sich allgemein bewahrheiten sollte, dafs derjenige, der den Himmels-
zustand genau berücksichtige, die Art und Weise, wie die Bewölkung sich ein-
stelle und verschwinde, besonders aber das Auftreten und die Zugrichtung der
Cirren beachte, den Witterungsumschlag mit gröfserer Sicherheit voraussehen
könne als dies unsere Wetterkarten gestatten, so würden wohl einfache Beziehungen
zwischen den Umlagerungen in der Höhe und am Erdboden bestehen müssen;
solches wäre erwünscht, müfte aber erst nachgewiesen werden. Leider mufs
behauptet werden, dafs die intensiven Wolkenstudien von Clement Ley u. A,
zu besonders nutzbringenden Resultaten für die Wetterprognose und Sturm-
warnungen nicht geführt haben,
Wie müfßig, wird die Mehrzahl der Leser urtheilen, erscheint doch ein
Streit über die Richtigkeit der Grundlagen der heutigen Wetterprognosen, da
doch deren Erfolg oder Mifserfolg allein schon die Entscheidung abgeben müfste!
Ganz richtig — wenn nicht die Entscheidung über den Erfolg einer Prognose
eine so schwierige wäre, dafs ruhige und objektiv gewollte Urtheile über den
Erfolg einer Prognose nur zu leicht entgegengesetzt lauten, Wie weit solche
Urtheile auseinander zu gehen vermögen und wie die Beurtheilung der Wetter-
lage seitens einer Prognosencentrale anderweit Mifsdeutungen ausgesetzt sein kann,
möge die folgende Erörterung der von Dr. Klein gelieferten Beurtheilung einiger
Wetterprognosen der Seewarte vom 12. bis 16. Februar d. J. darlegen.
Die am 12. Februar d. J. von der Seewarte für ganz Deutschland ge-
stellte Prognose auf „wärmeres, vorwiegend trübes Wetter mit Niederschlägen
und schwacher Luftbewegung“ wurde von Dr. Klein als nicht richtig bezeichnet;
die Luftbewegung war am 13. fast überall schwach, das Wetter trüb bis wolkig
mit Ausnahme des Gebietes von der Helgoländer Bucht nach Schlesien hin, wo
im Laufe des Tages Aufklaren eintrat; Niederschläge wurden für den 13. fast
von allen Stationen gemeldet, und im Süden war das Wetter an diesem Tage
wärmer, im übrigen Gebiet am Nachmittag und Abend, mit Ausnahme der Küste,
meist etwas wärmer -— nach anderer Auffassung wäre die Prognose demnach als
wesentlich richtig aufzufassen.
Für den 14. Februar erliefs die Seewarte für Nordwest- und Ostdeutsch-
land die Prognose „Ruhiges, theilweise heiteres Wetter mit wenig veränderter
oder steigender Temperatur, keine oder geringe Niederschläge“ und für Süd-
deutschland „Meist etwas wärmeres und trübes Wetter mit schwacher Luft-
bewegung, stellenweise Niederschläge“; diese Prognose für Süddeutschland ist
Dr. Klein entgangen, und nach seiner Beurtheilung war die Prognose für den
14. wiederum unrichtig. Es lag hier der Fall vor, dafs ein am Abend des 13,
vor dem Kanal erscheinendes tiefes Minimum am Nachmittag noch nicht voraus-
gesehen wurde und dieses Minimum am 14. rasch ostwärts nach Ostdeutschland
schritt. Auf seiner Nordseite traten über Nordwestdeutschland vielfach starke
bis stürmische Nordostwinde mit trübem Wetter und Schnee auf; war auch die
Temperatur über Nordwest- und Ostdeutschland, der Prognose entsprechend, im
Allgemeinen am Morgen wenig verändert oder etwas gestiegen, so war doch die
Prognose für dies Gebiet meist verfehlt; im Süden herrschte jedoch am 14. trübes,
am Morgen meist wärmeres, am Abend etwas kälteres, doch im Tagesmittel etwas
wärmeres Wetter, mit Niederschlägen bei starken Winden aus westlichen Rich-