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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Wendt: Bestimmung des Schnittpunktes zweier Marcq St. Hilaireschen Standlinien. 273 
Das Verfahren ist ganz eindeutig, macht eine Figur entbehrlich, ‚benutzt 
nur die Gradtafel. und ist leicht im Gedächtnifs zu behalten. 
Beispielk Als Höhenunterschiede seien gefunden; 
S10°W 6,3‘ und S55°0 9,4 
Für u = 65° und d = 6,3 ergiebt die Gradtafel: 
b= — 27 
4h, = 94 
Unterschied = 6,7 
Für u = 65° und a = 6,7 ergiebt die Gradtafel: 
d= 74 
An 8‘ ist also zu koppeln S10°W 6,3 und S80°O 7,4 Sm. 
Die Wetterprognose auf Grund der täglichen Wetterkarten, 
Von Dr. Grossmann, Hamburg: 
In einem Aufsatz „Wetterprognosen auf mehrere Tage und die täglichen 
Wetterkarten“ („Gäa“, XXXVI. Jahrgang, 1900) stellt sich Dr. H. J. Klein „die 
Aufgabe, zu untersuchen, ob und unter welchen Umständen es überhaupt möglich 
ist, Wetterprognosen auf wissenschaftlicher Basis für längere Zeit als 24 Stunden 
im Voraus aufzustellen“, Anlafs hat anscheinend die übrigens nicht angeführte 
neueste Untersuchung von Professor van Bebber: „Wissenschaftliche Grundlage 
einer Wettervorhersage auf mehrere Tage voraus“ im „Archiv der Seewarte“, 
Jahrgang XXIII, 1899, geboten. 
Dr. Klein: beschäftigt sich zunächst mit den auf den meteorologischen 
Centralstellen üblichen, auf die Wetterkarten gegründeten Prognosen für den 
nächsten Tag und gelangt zu einem in so hohem Grade absprechenden. und 
scheinbar auf.die neuesten Erfolge der Wissenschaft fest gegründeten Urtheil 
über diese Art der Wettervorhersage, dafs der mit dem Gegenstand nicht ein- 
gehend vertraute Leser verwundert zu der Frage gelangt, wie es bei einer solchen 
Sachlage denn noch möglich sei, daß man daran festhalte, auf die in den Wetter- 
karten gegebene Luftdruckvertheilung Prognosen und Sturmwarnungen zu gründen. 
Sollen doch nach Dr. Klein die heutigen Meteorologen. von deren Werthlosig- 
keit durchdrungen sein, und soll doch diese ursächlich durch Dr. Hergesell 
mittels seiner Resultate aus den internationalen Ballonfahrten nachgewiesen 
worden‘ sein, so dafs nun alle Einreden verstummen müfsten. Sollten hiernach 
die Schlüsse auf Grund der Wetterkarten doch, illusorisch sein und sollte von 
den trotzdem richtigen Prognosen ein Theil lediglich auf Zufall beruhen! Dafs 
wir nicht längst mit dem Bestehenden gebrochen, dürfte unter solchen Umständen 
berechtigterweise allgemeine .Verwunderung erregen und soll nach Andeutungen 
von Dr. Klein wesentlich auf die „Reklame einiger dafür speciell interessirter 
Meteorologen“, die „in populären Schriften mit grofser Wichtigkeit die Grund- 
sätze der heutigen Wetterprognose“ lehren, zurückzuführen sein. 
Vielleicht liegt die Sache etwas anders! 
Folgen wir den Ausführungen von Dr. Klein. Die durchgreifendsten 
Wetterumgestaltungen sind von den barometrischen Depressionen — kurz den 
Minima — abhängig, deren Bewegung die Gestaltung der Wetterlage bedingt. 
Das Auftreten der Minima ist ein rein zufälliges; sie entstehen unerwartet und 
verschwinden wieder nach längerem oder kürzerem Laufe, und ebenso sind ihre 
Bahnen von Bedingungen abhängig, die wir nicht kennen. Auf den von van 
Bebber aufgestellten Zugstrafsen, die nur mittlere Ergebnisse, von denen der 
einzelne Fall erheblich abweicht, darstellen, bewegen sich nicht die Hälfte aller 
Minima, und aufserdem wechseln die. Geschwindigkeiten der Minima wie ihre 
Tiefen. Dazu kommt noch die Bildung der. Theilminima, die sich. häufig zu 
Sturmwirbeln entwickeln und erlahmend auf die Hauptminima einwirken. Ist 
hiernach schon die heutige Prognose auf scheinbar ganz unkontrolirbare Gebilde 
im Wesentlichen basirt, so kommt aber noch die Hauptschwierigkeit: Unsere 
Ann. d. Hydr. ete.. 1900. Haft VI.
	        
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