Konkurrenz-Prüfung von Marine-Chronometern ’im Winter 1899—1900, 271
Es. wird nicht ohne Interesse sein, schliefslich noch einen Rückblick. auf
die Ergebnisse früherer Konkurrenz-Prüfungen.zu thun und .sie mit denjenigen
der soeben beendigten zu. vergleichen;. hierbei kommt in erster Linie die pro-
centische Vertheilung der Chronometer auf die einzelnen Klassen in. Betracht.
Diese fand seit der 11. Konkurrenz-Prüfung in folgender Weise statt:
I I IV v
289% 5%9 19% © 14%0
+A 7 27 9
30 a
a
353
333
345
409
361
388
334
403
380
380
427
405
396
a
wo.
21.
22,
99.
6
19
A 26
38 7
42 12
54 20
5
in
48
37
99
7.
ß
2
0
Zu der vorstehenden Zusammenstellung ist zu bemerken, dafs hierbei die
seit der 22. Konkurrenz-Prüfung eingeführten Beurtheilungsnormen zu Grunde
gelegt wurden und dafs der Kürze wegen unter „Klasse V“ diejenigen Chrono-
meter zusammengefafst sind, bei welchen eine Ueberschreitung der für die vier
Prüfungsklassen vorgeschriebenen charakteristischen ‚Zahlen stattgefunden hatte.
(Siehe den Anhang zum Bericht der letzten, 22. Konkurrenz-Prüfung, Annalen 1899,
Seite 340.)
Die vorstehende Uebersicht läfst erkennen, dafs im Allgemeinen. eine Ver-
größerung der Procentzahlen für die beiden ersten Klassen im Laufe der Jahre
stattgefunden hat. Dieses günstige Ergebnifs ist jedenfalls in erster Linie der
erhöhten Geschicklichkeit der Feinsteller in der letzten Zeit zu verdanken.
Andererseits hat hierzu nach der Ansicht des Unterzeichneten nicht unwesentlich
der Umstand beigetragen, dafs während der letzten Jahre eine gröfsere Anzahl
Chronometer eingeliefert wurden, welche mit der neueren, vortrefflich wirkenden
Hülfskompensation für Kälte von Kullberg versehen waren. Die Vortheile
dieser Anordnung bestehen erstens darin, dafs die Feinstellung leichter ausgeführt
werden kann als bei der Mehrzahl der übrigen Hülfskompensationen, weil hier
die für die Kälte erforderlichen Korrektionen in sehr geringem Mafse die zuerst
hergestellte Feinstellung für höhere und mittlere Temperaturen beeinflussen;
zweitens zeigt die Erfahrung, dafs diese Anordnung sehr stabil in ihrer Wirk-
samkeit ist,
Noch etwas deutlicher als durch die vorstehende procentische Zusammen-
stellung tritt der soeben erwähnte Fortschritt in der Gesammtleistung durch
folgende Betrachtung hervor. Bezeichnet man die oben gegebenen Procentzahlen
für die einzelnen Klassen mit pı, Po» Pa; Pay Ps und giebt man zur Beurtheilung
Gesammtleistung diesen Werthen die Gewichte 5, 4, 3, 2, 1, so stellt die
umme ©
X = 5p, +4 -+3p. +2, + P-
eine Relativzahl für die Gesammtleistung in jeder Prüfung dar. Es liegt natür-
lich, wie bei jeder Klassificirung,. eine gewisse Willkür in einer solchen Beur-
theilung. — In dieser Weise. wurden die Relativzahlen X erhalten, welche sich
in der letzten Kolumne der oben gegebenen Tabelle finden.
Der verhältnifsmäfsig günstige Werth, welcher sich für die 21. Prüfung
ergiebt, ist wohl theilweise dem Umstand zuzuschreiben, dafs damals wegen des
milden Winters die Untersuchung bei den tiefen Temperaturen nicht vollständig
streng durchgeführt werden konnte. — Andererseits zeigt die obige Zusammen-
stellung sehr deutlich, dafs fast jedesmal, wenn gröfßsere Ankäufe seitens der
Kaiserlichen Marine stattgefunden hatten, ein kleiner Rückschritt in der Ge-
sammtleistung eingetreten ist (z. B. nach der 18. und 22. Prüfung). Die
Erklärung‘ für diese Erscheinung ist, wie auch bei früheren Beurtheilungen
hervorgehoben wurde, hauptsächlich darin zu suchen, dafs in diesen Fällen
die Vorräthe .der Fabrikanten an älteren Chronometern erschöpft waren und
deshalb vorwiegend neue Instrumente eingereicht werden - mufßsten, welche