262 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1900.
von einem Taifun überfallen wurde, ist die „Najade“. Das Schiff hatte, nachdem
es auf dem Wege durch die China-See bis etwa 11° N-Br von einem ziemlich
beständigen Südwestmonsun geführt worden war, sehr veränderliche, bald östliche,
jald westliche, oft. von Stillen unterbrochene Winde. Insbesondere herrschten
an den letzten beiden Tagen vor dem "Taifun, am 4. und 5. Oktober, ganz flauer
südwestlicher Wind und Stille. Der Luftdruck war 756 bis 757 mm. Das Schiff
befand sich westlich, unweit von Kap Bojeador, an der Nordwestspitze von
Luzon. Kapt. Hasselmann hatte diese Stellung aufgesucht, um weiter den
Weg im Osten von Formosa zu nehmen.
Der 6. Oktober —— Mittagsort 19,3° N-Br und 120° W-Lg — begann auch
mit sehr flauer westlicher Briese. Gegen 5" a wurde‘ der Wind sehr unregel-
mäßig; er sprang in einer heftigen Böe unter strömendem Regen von S nach
NW, gegen Mittag flog er in einer ebenso heftigen Böe mit Regen wieder von
NNW nach SW herum. Hohe nördliche See; das Schiff stampfte schwer und
aahm viel Wasser an Deck. Es führte die vollen Marssegel und die Fock. Von
SW. drehte sich der Wind nachmittags ziemlich schnell, aber nicht sprungweise,
durch S, SO und O ganz bis NO und wuchs rasch zum schweren Sturm an. Um
3 Uhr abends NO 11, von 10 Uhr bis 4 Uhr morgens am 7. voller Orkan
(11 bis 12) aus O, strömender Regen, Blitzen. Um 3 Uhr morgens fiel das
Barometer, das vorher sich sehr gleichmäfsig auf 757,5 mm gehalten hatte, schnell
auf 753,4 mm, kam dann aber innerhalb einer Stunde auf seinen vorigen Stand
zurück. Nach 4"a nahm die Stärke des Windes, der sich abermals zuerst nach
NNO und dann gegen Mittag wieder nach OSO gedreht hatte, ziemlich rasch
ab, doch stürmte es noch den ganzen Vormittag mit der Stärke 10, bei dunkler
Luft, Regen und sehr hoher wilder See, Das Schiff lag auf St. B.-Halsen bei-
gedreht, was schon die Nähe des Landes erforderte. Am Nachmittage flaute der
Wind aus SO bis S zur Stärke 3 ab. Am nächsten Tage folgte steif einsetzender
Nordostpassat. Mittagsort am 7. Oktober 19,8° N-Br und 119,5° O-Lg.,
D. 3990. Dampfschiff „Savoia‘‘, Kapt. F. Jäger, 1899 September 20 bis 22
auf 35,5° N-Br und 136,7° 0-Lg.
Der Dampfer „Savoia“ lief auf der Fahrt von Hongkong nach Yokohama
am 20. September 1899 in der Nähe von Muroto Saki an der Südküste von Nikok
mit zunehmendem Winde aus ONO bei Regen und dunkler Luft in einen heftigen
Sturm hinein. Da der Wind östlich blieb, also dem Kurse entgegen war, wurde
ler Dampfer, dessen Maschine schon am Abend des 19. auf halbe Kraft gesetzt
worden war, mit sehr gekürzter Fahrt so viel wie möglich auf dem Winde ge-
halten. Der Sturm, der mehrmals zur Stärke 11 anwuchs, veränderte seine
Richtung fast gar nicht, hielt sich vielmehr fast immer zwischen O0 und ONO;
auch war die Schwankung. des Luftdruckes nur gering. Die Dauer des Sturmes
war beinahe drei Tage. Auffällig war die dem heftigen Winde entgegensetzende
starke Strömung des Kuro-siwo, durch welche der Dampfer in drei Tagen um
Jrei Längengrade nach Osten versetzt wurde.
Auszug aus dem Journal des Dampfers „Savoia‘.
Datum | ._-
1899 Zeit
Sent. 20 |
1hba
Na
Mittag
{hp
hp
Ylittern.
N-Br
Q-Lo
339 17! | 134° 47'
Wind
NOS
NO 7
OzN 10
ZN 10—11
010
39
Bar.
am
„ad
Wetter
757,4
757,4
756,7! or
753,31 or
754.11
| 754,1 | oqr
Bemerkungen
Hohe wilde See aus NO und ONO. Zuweilen leichte
Regenschauer.
Unbeständig NO—0; schwere Böen mit Regen. 5t Muroto
Sakı N 11/4strW 15 Sm.
Nahmen Ventilatoren ab und setzten Kappen auf. Strom in-
24b N 33°0 54 Sm.
Hohe, wilde See; das Schiff arbeitet sehr schwer und nimmt
grofse Brechseen an Deck. Sahen die Küste bei Kii-Kanal.
Von 5b bis 6b 40m fuhren volle Kraft, um vom Lande ab-
zukommen und im Kuro siwo zu bleiben.
Wind schwankend von O bis SO; oft Böen mit heftigem
Regen.